Stormarn
Ahrensburg

Pfadfinder: Ein Wölfling spielt selten allein

Das Pfadfindertum ist unverändert beliebt. Ein Besuch bei den Kleinsten des Ahrensburger Stammes Camilo Torres

Ahrensburg . Auf dem Boden in dem kleinen Raum im Gemeindezentrum der katholischen Kirche St. Marien in Ahrensburg liegen Halstücher in verschiedenen Farben. Die acht Wös sitzen in ihren beigefarbenen Pfadfinderjacken in einem Kreis darum und schauen erwartungsvoll ihre Gruppenleiter Tabea Theißen und Adrian Schulz an. Wös ist die Kurzform für Wölflinge, die jüngste Pfadfindergruppe des Ahrensburger Stammes Camilo Torres.

„Wir haben ja vergangene Woche über unsere Kluft geredet. Wisst ihr noch, was die Tücher bedeuten?“, fragt Theißen. Der siebenjährige Louis meldet sich. „An den Tüchern kann man erkennen, zu welcher Gruppe wir gehören“, sagt er. „Ganz genau“, sagt Theißen. „Jede Altersgruppe hat eine bestimmte Farbe. Und was muss man tun, um in eine höhere Gruppe aufgenommen zu werden und deren Tuch zu bekommen?“ Dieses Mal weiß Simon, 8, die Antwort: „Dazu muss man ein Versprechen machen.“ Auch das ist richtig.

Tabea Theißen hat einen Ausdruck von so einem Versprechen dabei. Darauf steht zum Beispiel, dass die Mitglieder Tiere und Pflanzen schützen und keinen Streit anfangen wollen. „Bei unserer jüngsten Gruppe liegt der Schwerpunkt auf dem Spielerischen“, sagt Theißen. „Aber wir wollen ihnen natürlich auch etwas über unseren Pfadfinderstamm und unsere Grundwerte beibringen.“ Die 19-Jährige ist selbst seit ihrem achten Lebensjahr bei den Pfadfindern. Seit eineinhalb Jahren leitet sie die Wölflinge-Gruppe.

Zurzeit gibt es einen deutlichen Jungsüberschuss in der Gruppe

„Die Kinder lernen hier viele soziale Kompetenzen, zum Beispiel selbstständig zu denken und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Theißen. „Sie sollen friedlich miteinander sein und sich gegenseitig helfen.“ Die meisten Kinder kämen her, weil sie Gleichaltrige treffen wollten. „Wir basteln und bauen mit den Kindern. Sie können draußen herumtoben und spielen“, so Theißen. „Für mich selbst waren die Pfadfinder-Treffen immer eine gute Abwechslung zum Schulstress. Auch nach so langer Zeit habe ich immer noch total viel Spaß daran. Ohne sie würde mir was fehlen.“

Drei Leiter kümmern sich um die Wölflinge-Gruppe. Die Kinder sind zwischen sechs und zehn Jahre alt. Einmal in der Woche treffen sie sich im Gemeindezentrum der katholischen Kirche. Im Sommer fahren sie außerdem zusammen zu einem Pfadfinderlager. „Wir suchen im Moment dringend Mädchen für die Gruppe, weil wir eigentlich ein möglichst ausgewogenes Geschlechterverhältnis haben wollen,“ sagt Theißen. Derzeit sind es sieben Jungs und zwei Mädchen.

Die neunjährige Clara war bis vor Kurzem sogar das einzige Mädchen in der Gruppe. „Das macht aber nichts“, sagt sie. „Es macht immer Spaß mit den Jungs. Manchmal nerven sie auch ein bisschen, aber meistens ist es lustig.“ Seit eineinhalb Jahren ist Clara bei den Pfadfindern. „Ich bin seitdem viel mutiger geworden“, sagt sie. „Ich der Schule halte ich jetzt viel lieber Referate.“ Durch die Pfadfinder habe sie auch gelernt, wie wichtig es sei, auf die Umwelt zu achten. „Deshalb mache ich für den Unterricht gerade ein Plakat über die Rettung des Dschungels.“ Louis, 7, gefallen besonders die Pfadfinderlager: „Da kann man mit Freunden zusammen wegfahren. Das ist toll“, sagt er. „Meine beiden älteren Brüder sind auch bei den Pfadfindern, und ich habe hier viele neue Freunde gefunden.“

Der Autor und Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge findet das Konzept der Pfadfinder immer noch zeitgemäß: „Alle Angebote, die Kinder raus in die Natur bringen, sind gut und empfehlenswert“, sagt der Bargteheider. „Die Pfadfinder stehen außerdem für ein starkes Gemeinschaftserleben der Kinder. Sie haben die Gelegenheit, ohne Erwachsene Erfahrungen zu sammeln. Generell finde ich es großartig, dass die Institution ihre Tradition fortführt und sich immer wieder neu erfindet.“

Der Stamm Camilo Torres in Ahrensburg hat fast 100 Mitglieder. Neben den Wölflingen gibt es noch drei weitere Gruppen: die „Jungpfadfinder“ (zehn bis 14 Jahre alt), die „Pfadis“, (Pfadfinder, 14 bis 16 Jahre alt) und die Rover (16 bis 20). „Danach werden manche Mitglieder Leiter, aber leider ziehen viele nach der Schule weg, sodass wir ständig auf der Suche nach neuen Leitern sind“, sagt Lisa Theißen vom Vorstand des Stammes Camilo Torres und Schwester von Tabea. „Ein eigenständiger Leiter muss mindestens 18 Jahre alt sein. Ab 16 kann man die Gruppenleiterausbildung machen und einen volljährigen Leiter unterstützen.“ Potentielle Leiter müssen nicht selbst zuvor bei den Pfadfindern gewesen sein. „Wichtig ist, dass man motiviert ist, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, und möglichst schon Erfahrungen in diesem Bereich hat“, sagt Theißen.

Der Ahrensburger Stamm Camilo Torres gehört zum katholischen Verband der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG). „Man muss nicht katholisch sein, um bei uns mitzumachen“, sagt Tabea Theißen. „Der religiöse Aspekt spielt nur am Rande eine Rolle.“ Neben den katholischen Pfadfindern gibt es in Stormarn auch Stämme, die zum evangelischen Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) und dem Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder gehören.