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Sülfelds neuer Pastor sprudelt vor Ideen

Der Schwabe Steffen Poos fühlt sich schon nach wenigen Tagen im Norden angekommen. Im Sommer zieht auch sein Lebenspartner ins Pastorat ein

Sülfeld. Der Mann steckt voller Energie. Steffen Poos hat gerade erst Möbel und Kartons aus dem großen Umzugswagen ins Pastorat geschleppt, da ist sein neuer Arbeitgeber auch schon bei Facebook. Für die Kirchengemeinde Sülfeld hat der neue Pastor in dem Internet-Netzwerk eine eigene Seite erstellt. „Ich möchte alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Menschen zu erreichen“, sagt der gebürtige Schwabe. Das Internet ist für ihn dabei nur ein Weg, genauso wie die Gespräche mit den Menschen, die er beim Spazierengehen mit seiner Welsh-Terrier-Hündin Schoko trifft.

Am kommenden Sonntag wird Steffen Poos feierlich ins Amt eingeführt – sechs Tage vor seinem 35. Geburtstag. „Ich bin sehr freundlich und offen aufgenommen worden“, sagt der Pastor über seine erste Woche in der 3200-Einwohner-Gemeinde, die sich aus den Ortsteilen Sülfeld mit Petersfelde, Borstel und Tönningstedt zusammensetzt.

Von norddeutscher Zurückhaltung oder gar Kühle habe er nichts gespürt. „Ich halte ohnehin nichts von solchen Einordnungen“, sagt Poos. Das Einleben hänge auch immer viel davon ab, wie man sich selbst verhalte. „Ich gehe auf die Leute zu“, sagt der Pastor, „und damit hab’ ich bisher auf meinen bisherigen Stationen in Deutschland gute Erfahrungen gemacht.“

Württembergische Landeskirche verbot das Zusammenleben zweier Männer

So ganz unbekannt sind dem gebürtigen Baden-Württemberger die Schleswig-Holsteiner ohnehin nicht: Sein Lebenspartner arbeitet als Lehrer in Eckernförde. Die Liebe war auch ein Grund dafür, sich auf die seit dem Weggang seines Vorgängers Michael Dübbers an den Schleswiger Dom seit zwei Jahren freie Stelle in Sülfeld zu bewerben. „Für einen Pastor ist es deutlich einfacher als für einen Lehrer, sich versetzen zu lassen.“ Im Sommer will der Pädagoge auch ins Pastorat einziehen – Voraussetzung ist eine bis dahin eingetragene Lebenspartnerschaft.

Genau diesen Wunsch des Zusammenwohnens konnte sich Steffen Poos bei seiner ersten festen Stelle in Nagold-Iselshausen (50 Kilometer südwestlich von Stuttgart) mit seinem damaligen Partner nicht erfüllen. Weil die württembergische Landeskirche gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in Pfarrhäusern untersagte, musste Poos die Gemeinde Ende 2011 verlassen.

Sein Weg führte ihn ins hessische Nieder-Moos (westlich von Fulda). Die dortige Landeskirche hatte weniger Probleme mit Homosexualität. Mitte 2013 wurde er schließlich zum Pfarrer auf Lebenszeit ernannt.

Mit Hündin Schoko will er die drei Ortsteile bei Wanderungen erkunden

Jetzt führt die Deutschlandreise den Geistlichen weiter gen Norden. In Sülfeld fühlt er sich offensichtlich schon angekommen, was auch an seiner Wortwahl abzulesen ist. „Wir“, sagt Steffen Poos, „wir haben hier eine tolle alte Kirche, in die ich noch mehr Leben bringen möchte.“ Die Rückendeckung vom Kirchengemeinderat hat er: Das Gremium hatte sich nach der Vorstellung einstimmig für den Bewerber ausgesprochen.

Steffen Poos hat in seinen ersten Tagen nicht nur die Kirchengemeinde bei Facebook angemeldet, sondern auch schon mit jungen Eltern, Konfirmanden und Trauernden gesprochen. Er hat eine kleine Reihe von vier Mittwochsandachten initiiert, in denen er unter dem Motto „Halt mal“ halbstündige Auszeiten vom Alltag bietet. Und natürlich hat er auch seine Premierenpredigt für Sonntag vorbereitet. „Ich werde die Sülfelder mit auf eine Reise nehmen“, kündigt er an.

Den Ort wird er nicht nur bei Wanderungen mit Hündin Schoko erkunden, sondern auch bei Fahrradtouren. „Dafür ist die Landschaft geradezu ideal“, meint Poos. Zu Hause hält er seine professionell anmutende Internetseite www.poositiv.eu („Das Programmieren hab ich mit selbst beigebracht“) auf dem Laufenden, schreibt aber auch Gedichte. Sogar an einem Predigt-Slam hat er schon teilgenommen.

Die Sülfelder dürfen sich auf einen unkonventionellen Seelsorger mit frischen Ideen freuen. Und auf einen Pastor mit einer Energie, mit der er die Menschen für den Glauben begeistern möchte.