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Im Wahn die Wohnung angezündet

Barsbütteler vor Gericht: Er soll wegen der Tat im Juni 2014 in die Psychiatrie

Barsbüttel/Lübeck. Dimitri S. (Name geändert) erzählt – es mag auch an den Medikamenten liegen – in stoischer Ruhe. Wie es ihn überraschte, als es brannte. Und dass es brannte. „Kann das denn überraschend sein?“, fragt Richter Christian Singelmann. Der Angeklagte verneint.

Dimitri S. sitzt auf der Anklagebank. Landgericht Lübeck, I. Große Strafkammer, erster Stock, Saal 155. Es geht um einen Vorfall am 27. Juni des vergangenen Jahres. Darum, ob der Vorfall nun überraschend kam oder nicht. Und darum, ob Dimitri S. in einer psychiatrischen Klinik bleiben muss; seit dem 5.September des vergangenen Jahres ist er schon dort. Für seine Tat bestraft worden ist S. nie: Für den Zeitraum der Tat befand sich S. im Zustand „wahnbedingter Schuldunfähigkeit“.

Aschenbecher mit brennenden Zigaretten unters Sofa geschoben

Der 27. Juni: Es ist 1 Uhr in der Nacht. S. liegt im Gemeinschaftszimmer der betreuten Wohngemeinschaft an der Willinghusener Landstraße vor dem Fernseher. Er raucht. Jede Zigarette bis zur Hälfte, dann wieder eine neue, bis am Ende fünf glimmende Kippen im Aschenbecher liegen. Den schiebt er dann unters Sofa. Knapp acht Zentimeter trennen Glut und Polster.

„Dann nahm ich plötzlich Brandgeruch wahr“, sagt der Mazedonier knapp acht Monate später im Gericht, „ich ging die Winterjacke holen, und da war es schon zu spät.“ Mit der Winterjacke habe er den Brand löschen wollen, es aber nur noch schlimmer gemacht.

1989 ist der gebürtige Mazedonier mit seiner Mutter nach Deutschland gekommen. Den Vater hat er kaum gekannt. Fünf Jahre später macht er seinen Hauptschulabschluss, dann folgen eine Ausbildung zum Maler und der Besuch zweier Berufsfachschulen. Abgeschlossen hat er keine einzige Ausbildung. Von 2000 bis 2014 hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Zwischendurch ist er auch immer wieder längere Zeit arbeitslos.

2008 ist das Jahr, in dem er bei seiner Mutter auszieht. 2008 kommt er auch das erste Mal in stationäre psychiatrische Behandlung. Paranoide Schizophrenie hat man diagnostiziert. Verlauf: unklar. Mit Strahlen und Satelliten habe man versucht, in seinen Kopf zu kommen, gibt S. damals zu Protokoll. Hinter den Spionageattacken vermutet er die USA oder das Pentagon. Er kapselt sich ab, leidet unter Angst und weiteren Psychosen.

Gutachterin: Zündeln funktioniere wie ein Ventil

Jahre später, an jenem 27. Juni, sind es die Fernsehsender, von denen er sich überwacht fühlt. Das Zündeln funktioniere wie ein Ventil, sagt die psychiatrische Gutachterin; S. hat schon mehrfach gezündelt.

Geändert an seinem Zustand habe sich trotz der Aufenthalte in unterschiedlichen ambulanten und stationären Einrichtungen und der Einnahme verschiedener Medikamente nichts: Gleiche Taten seien mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten.

Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall damit klar: Eine Sicherungsverwahrung in einer psychiatrischen Klinik ist alternativlos.

Am Donnerstag wird das Urteil erwartet.