Stormarn
Kommentar

Nummer 115 ist ein überflüssiges Prestigeprojekt

Foto: Birgit Jaklitsch

So schwer es ist, etwas Schlechtes über die Behördennummer zu sagen, so schwer ist es ebenfalls, etwas Positives daran zu finden.

Ahrensburg. Die Idee ist einfach: Wer schnell Kontakt zu einer Behörde sucht, der muss sich nur drei Ziffern merken, zwei davon sind sogar gleich: 115. Das ist eingängig, so wie die 110 der Polizei oder die 112 von Feuerwehr und Rettungsdienst. Wer die 115 wählt, der bekommt es mit freundlichen Menschen zu tun. Mit Menschen, die Fragen offenbar mit Sachverstand und auch korrekt beantworten. Es ist schwer, etwas Schlechtes über diesen Service zu schreiben.

Es ist allerdings genauso schwer, etwas Gutes darüber zu schreiben. Denn eines erschließt sich beim besten Willen nicht: Was soll das Ganze? Wer zum Beispiel im Ahrensburger Rathaus Rat sucht, muss sich auch nur drei Ziffern merken, zwei davon sind sogar gleich: 770. Dafür ist er mit jemandem verbunden, der vor Ort sitzt, der bestenfalls gleich zu einem Sachbearbeiter durchstellen kann. Und wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht möglich sein sollte, dann wäre das auch nicht weniger Service als unter 115.

Zumal die Callcenter-Mitarbeiter ja auch nur ablesen – aus dem Internet, dort, wo es für jeden Menschen mit Computeranschluss ohnehin recherchierbar ist. Und ob eine Kommune nun „teilnimmt“ oder nicht, das spielt kurioserweise auch keine Rolle. Infos gibt’s trotzdem, wenn auch ohne Gewähr.

In einer Metropole wie Hamburg mit unübersichtlichen Riesenverwaltungen mag die 115 ihre Berechtigung haben. Auf dem Land ist sie ein überflüssiges Prestigeprojekt.