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„Mindestlohn-Gesetz ist weltfremd“

Dehoga-Präsident Axel Strehl fordert weniger Bürokratie, um Arbeitsplätze zu erhalten

Ahrensburg. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verlangt beim Mindestlohn flexiblere Regelungen und den Abbau bürokratischer Vorschriften. Mit den 8,50 Euro könne die Branche leben, sagt Axel Strehl, Präsident des Dehoga Schleswig-Holstein. Aber die Bürokratie dahinter belaste die Betriebe stark. Sie müssten wöchentlich die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter aufzeichnen und außerdem nachweisen, dass neben Mindestlöhnen auch Höchstarbeitszeiten eingehalten werden. Das sei insbesondere bei stark saisonal ausgerichteten Betrieben in der Gastronomie unrealistisch. Wenn sich nichts ändere, müssten Öffnungszeiten eingeschränkt und Angebote verringert werden, sagt Strehl.

Für den Dehoga-Präsidenten, der in Ahrensburg seit 29 Jahren das Restaurant Strehl an der Straße Reeshoop betreibt, sind die bürokratischen Begleitumstände der Mindestlohn-Regelung „weltfremd“. Insbesondere die Pflicht, die Arbeitszeit eines jeden Mitarbeiters wöchentlich statt wie bisher monatlich zu erfassen, um sie bei Kontrollen möglichst aktuell präsentieren zu können, empfindet Strehl als unnötigen Verwaltungsaufwand. „Das geht so weit, dass in Familienbetrieben selbst die Arbeitszeiten von Kindern oder Großeltern, die bei Bedarf kurz aushelfen, notiert werden müssten.“

Besonders zu schaffen machen werde der Gastronomie aber die Regelung, dass die maximale Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden festgelegt worden sei und die dabei entstandenen Überstunden möglichst rasch ausgeglichen werden müssten. „Das ist eine für die Gastronomie sehr problematische, weil weltfremde Vorgabe. Wir sind ein flexibles Gewerbe und arbeiten, wenn unsere Gäste uns brauchen“, sagt Axel Strehl. Als Beispiel nennt er eine Hochzeitsfeier, die eine typische Open-End-Veranstaltung sei: „Wir können das ja nicht einfach beenden, weil unsere Mitarbeiter nicht länger arbeiten dürfen.“

Noch schwieriger werde es für Saisonbetriebe, deren Mitarbeiter während der Schulferienzeiten sechs, sieben Tage in der Woche und oft mehr als acht Stunden arbeiteten und zahlreiche Überstunden anhäuften, die sie in den Wintermonaten abbummeln könnten. „Überstundenkonten helfen uns, Ganzjahresarbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Wenn aber Saisonbetriebe gezwungen sind, sich an Höchstarbeitszeiten zu halten, würde das die ganzjährige Beschäftigung gefährden. Außerdem müssten Gäste damit rechnen, dass gastronomische Betriebe in der Saison ihre Öffnungszeiten stark einschränken, statt variabel auf die Nachfrage zu reagieren“, so Strehl. Er erinnert daran, dass die Gastronomie auch unter einem Fachkräftemangel leide, also nicht durch Erweiterung des Personals Ausgleich schaffen könne.

Der Dehoga-Präsident hofft, dass durch „aktuell laufende Gespräche auf allen politischen Ebenen“ noch Nachbesserungen erreicht würden. „Es kann doch nicht politischer Wille sein, dass durch ein Gesetz Ganzjahresarbeitsplätze verloren gehen.“