Stormarn
Reinbek

Reinbeks Recyclinghof zieht um

Anlage in Neuschönningstedter Wohngebiet ist veraltet. Nachbarn beschweren sich über Lärm, Gestank und Staus. Neubau im Gewerbegebiet

Reinbek. Mit bis zu 1000 Kunden am Tag ist der Reinbeker Recyclinghof der höchst frequentierte in Stormarn und im Kreis Herzogtum Lauenburg. Doch die Anlage liegt in einer Tempo-30-Zone an der Glinder Straße im Ortsteil Schönningstedt. Der Verkehr nervt die Anwohner schon lange. Auch deshalb will der Betreiber, die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), den Standort aufgeben und wenige Kilometer weiter im Gewerbegebiet neu bauen. Die AWSH verhandelt mit der Reinbeker Verwaltung über den Kauf einer städtischen Fläche. Bauamtsleiter Sven Noetzel: „Die Gespräche sind zielführend.“ Er will das Thema noch vor den Sommerferien in die politischen Gremien bringen.

„Wir haben in Schönningstedt keine Investitionssicherheit. Das ist der Grund für unsere Umzugspläne“, sagt AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel. Das kommunale Unternehmen mit 36 Millionen Euro Jahresumsatz und Sitz in Elmenhorst bei Schwarzenbek betreibt im Süden Schleswig-Holsteins 13 Recyclinghöfe.

Die 7500 Quadratmeter große Anlage in Reinbek besteht seit 1995. Sie ist in die Jahre gekommen. So befinden sich Mitarbeiterbüro und Umkleideraum in verwitterten Containern. Kissel: „Das entspricht nicht mehr dem Standard.“

Die Abfallwirtschaft möchte den Reinbeker Standort schon länger modernisieren. Bereits vor vier Jahren führte Kissel intensive Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister Axel Bärendorf. „Es gab in der Politik aber immer wieder Erwägungen, das Gebiet in Schönningstedt zu überplanen. Wir sind Mieter und haben dabei kein Mitspracherecht. Die Stadt konnte uns keine Zusage machen, die einen dauerhaften Verbleib garantiert.“

Deshalb wäre der Recyclinghof vor zwei Jahren beinahe in die Nachbarstadt Glinde in den Biedenkamp umgezogen. Dieses Vorhaben unterstützten sowohl Glindes Bürgermeister Rainhard Zug als auch die Kommunalpolitiker. Bodenuntersuchungen ergaben jedoch, dass das Grundstück wegen mangelnder Tragfähigkeit nicht geeignet war. „Wir hätten einen Bodenaustausch bis eineinhalb Meter Tiefe vornehmen müssen, das wäre teuer geworden“, sagt Kissel. Man sei mit dem Eigentümer finanziell nicht übereingekommen.

Vor Kurzem wagte der AWSH-Geschäftsführer einen neuen Anlauf in Reinbek, traf sich mit Bürgermeister Björn Warmer und Bauamtsleiter Noetzel. „Wir haben ein Grundstück an der Carl-Zeiss-Straße im Gewerbegebiet ins Auge gefasst und wollen es erwerben“ , sagt Kissel. Demnächst gebe er ein Angebot ab: „Im Frühjahr 2017 wollen wir den neuen Standort eröffnen.“

Die AWSH will rund zwei Millionen Euro investieren. Angedacht ist auch eine neue Schadstoffannahmestelle, die allein mit 300.000 Euro zu Buche schlägt. „Wir haben großes Interesse, die Abfallwirtschaftsstation in Reinbek zu halten“, sagt Bürgermeister Warmer. „Deshalb haben wir guten Grund, schnell miteinander einig zu werden.“

Die AWSH hat in den vergangenen Jahren viel Geld in die Modernisierung ihrer Recyclinghöfe gesteckt. 1,5 Millionen Euro kostete der Neubau in Bargteheide, wo jetzt die modernste Anlage im Kreis steht. In Reinfeld wird der Hof gerade für eine Million Euro ausgebaut, die Arbeiten sollen bei guter Wetterlage im April abgeschlossen sein. Auch in Reinbek im Gewerbegebiet soll alles vom Feinsten werden. Geplant ist ein gemauertes Gebäude mit Alufassade und behindertengerechtem WC.

Die Anwohner der Glinder Straße sehnen den Umzug herbei. Vielen ist die Anlage seit Jahren ein Dorn im Auge. Daniela Seemann wohnt seit 1998 in einem Einfamilienhaus rund 100 Meter vor der Einfahrt zum Recyclinghof. Sie kritisiert unter anderem, dass schwere Lastwagen die Nachbarn frühmorgens aus dem Schlaf reißen: „Die donnern um 5 Uhr mit 60 statt der erlaubten 30 km/h durch die Straße, machen die Kinder wach.“ Im Obergeschoss ihres Hauses wackelten die Lampen. Durch die Erschütterungen hätten sich schon Setzrisse in den Wänden gebildet.

An Sonnabenden im Sommer stehen die Recyclinghof-Kunden mit ihren Autos teilweise bis zum Ende der Straße Schlange. „Dazu parken einige in zweiter Reihe, dann ist kein Durchkommen mehr“, sagt die 54-Jährige. Auch sei manchmal die Zufahrt zu ihrem Grundstück blockiert. „Dann komme ich nur laut hupend aus meiner Einfahrt.“ In den vergangenen sechs, sieben Jahren sei die Situation in dem Wohngebiet immer schlimmer geworden.

Ronald Knospe, der seit 20 Jahren in einer Doppelhaushälfte an der Glinder Straße lebt, hofft ebenfalls auf ruhigere Zeiten: „Ich finde es gut, wenn die Anlage geschlossen wird.“ Nachbarn hatten bereits Unterschriften gesammelt und sich im Rathaus beschwert.

Dennis Kissel kann den Frust der Anwohner verstehen. „Die Lastwagen machen Lärm, die Straße ist zu eng, und im Sommer stinkt es durch die Gartenabfälle. Wir sind hier nur im Weg.“ Wohnbebauung und ein Recyclinghof so eng beieinander, das passe nicht.

Die Politik steht dem Plan den AWSH offenbar wohlwollend gegenüber. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Volker Müller sagt: „Das kann man den Anwohnern nicht mehr zumuten.“ Aus Gesprächen wisse er, dass auch viele Kollegen aus anderen Parteien einen Umzug außerordentlich begrüßten. Müller: „Wir brauchen eine Fläche, wo das nachbarschaftliche Verhältnis nicht gestört ist.“ An der Glinder Straße könne man übergangsweise „etwas für Asylbewerber“ machen und danach eine feste Wohnbebauung planen.