Stormarn
Reinfeld

Gestatten: 16 Jahre, Unternehmer

Reinfelder Schüler führen seit dreieinhalb Jahren ein Kleingewerbe. Sie setzen Partys ins rechte Licht

Reinfeld. Viele Jugendliche entspannen sich am Wochenende oder gehen am Abend mit Freunden feiern. Sie tanzen zur Musik des DJs und genießen die Lichteffekte. Die Schüler Nico Meyer und Flemming Dokter, beide 16 Jahre alt, hingegen stehen bei einer Geburtstags- oder einer Silvesterparty hinter dem Mischpult und bringen die Gäste mit der richtigen Musik und dem richtigen Licht in Partylaune.

Dass ihre Freunde feiern und sie arbeiten, damit haben sie kein Problem. „Das stört uns gar nicht, da wir uns selbst quasi als diejenigen hinter der Kamera sehen. Wir feiern nicht gern, sondern wir machen die Stimmung“, sagt Nico Meyer.

Und das nicht erst seit gestern. Am 1. Juli 2013 haben die Schüler die Stormarn Events GbR gegründet, GbR heißt Gesellschaft bürgerlichen Rechts. „Unsere Eltern meinten, es sei besser, ein Kleingewerbe anzumelden. Nicht dass es noch Ärger gibt. Wir gingen also zum Rathaus, zahlten einmalig 25 Euro und können nun ohne Probleme Events veranstalten“, sagt Flemming Dokter. „Umsatzsteuer müssen wird nicht abführen. Wir sind steuerbefreit, so lange unser Jahresumsatz die 17.500-Euro-Grenze nicht überschreitet“, erklärt Nico Meyer. „Wir müssen nur darauf achten, dass wir ausschließlich im privaten Rahmen arbeiten, da sonst zum Beispiel Auflagen erfüllt werden müssen.“ Flemming Dokter: „Öffentliche Feiern dürften wir eh noch nicht machen, da wir ja noch keine 18 Jahre alt sind.“

Die beiden Gymnasiasten an der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule kennen einander seit der Grundschulzeit, sie sind früh in Kontakt mit Musik und Lichttechnik gekommen. „Mein Opa hatte damals eine eigene Band und ein Mischpult. Ich hab’ ihm immer über die Schulter geschaut“, sagt Flemming Dokter. Sein Interesse an Musik und vor allem an der Lichttechnik hat sich dadurch entwickelt.

„Unser Freund Marek hat sich damals sehr für den Bereich der Moderation interessiert. Flemming und ich hatten Spaß daran, Musik einzuspielen, während wir das filmten“, sagt Nico Meyer. Aus Spaß an der Technik haben die Schüler „Wetten, dass..?“ nachgespielt und an das ZDF geschickt. „Das war einfach so zum Spaß“, sagt Nico Meyer. „Eine Antwort haben wir nie bekommen.“

Ihre Mitschüler bemerkten ihr Interesse und fragten sie, ob sie nicht eine Halloweenparty veranstalten wollten. Damals waren die Schüler zwölf Jahre alt und noch zu dritt. „Wir organisierten die Party unserer Parallelklasse, die gut ankam. Durch Mundpropaganda hat sich das herumgesprochen“, sagt Flemming Dokter. „Von dem Zeitpunkt an bekamen wir Aufträge.“ Aus Zeitgründen ist Freund Marek später ausgestiegen, doch Nico und Flemming blieben am Ball. „Bei den Familienfeiern haben wir Geld bekommen und unser Equipment gekauft“, sagt Nico Meyer. „Doch wir merkten mit der Zeit, dass unsere Technik zu klein und zu spärlich war, sodass wir neue kaufen und die alte verkaufen mussten.“

Zunächst legten die beiden Schüler nur auf Geburtstagen auf, später dann auch auf Hochzeiten und Weihnachtsfeiern. „Unser größtes Event war vergangene Woche Silvester in Hamburg mit rund 100 Gästen“, sagt Nico Meyer. Die Party war im „Uhlentreff“ des Hamburger Fußballvereins SV Uhlenhorst Adler. „Die Kneipenwirtin hatte die Empfehlung nach der Weihnachtsfeier des Fußballvereins bekommen, die wir auch veranstaltet hatten. Sie rief uns an, und alles ging seinen Lauf.“

Am Anfang hielten sich die Eltern noch heraus, doch nach einiger Zeit, als die Engagements zahlreichen wurden und die Schüler anfingen, Werbung zu machen, waren die Eltern begeistert und unterstützten ihre Kinder. „Mein Stiefvater half uns bei dem Layout für die Visitenkarten und Flyer und bei der Website. Die machen wir mittlerweile aber mit einem Freund“, sagt Nico Meyer, „der hat auch ein Computerprogramm entwickelt, mit dem wir unsere Aufträge besser im Blick haben.“ „Um unser Equipment zu den Veranstaltungsorten zu bringen, helfen uns meine Eltern mit einem Anhänger. Sie bekommen dann natürlich auch Fahrgeld von uns“, sagt Flemming Dokter.

Bereits jetzt gibt es Events, die den beiden Schülern im Gedächtnis bleiben. „Ich werde die erste Feier von Nicos Tante nicht vergessen. Dort lief der komplette Aufbau schief. Das Licht und die Nebelmaschine funktionierten nicht, und die Kabel waren zu kurz“, so Flemming Dokter. Doch am Ende ging alles gut, und die rund 50 Gäste bekamen von den anfänglichen Problemen nichts mit. „Für mich war unsere erste Veranstaltung etwas Besonderes. Sie war der Beginn von Stormarn Events, so etwas vergisst man nicht“, sagt Nico Meyer.

Über die Zukunft möchten die beiden 16-Jährigen keine Auskunft geben. „Derzeit machen wir das ja nebenbei, es ist unser Hobby. Wir können davon auch nicht leben, aber es macht Spaß“, sagt Nico Meyer. „Vielleicht wird daraus irgendwann eine größere Firma, wer weiß, aber erst mal machen wir unser Abitur.“ 2016 ist es so weit.