Stormarn
Ahrensburg

Wann wird das Gas billiger?

Kommunale Versorger in Stormarn reagieren auf sinkende Einkaufspreise. Laut einer Studie ist das überfällig

Ahrensburg. 139 Euro Gaskosten hätte ein Kunde in Schleswig-Holstein bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im vergangenen Jahr einsparen können, wenn die Versorger das Geld nicht zur Erhöhung ihrer Gewinnmarge genutzt hätten. Das besagt zumindest eine Studie der Hamburger Beratungsfirma EnergyComment. Demnach sanken die Großhandelspreise um bis zu 20 Prozent, die Tarife für Verbraucher jedoch kaum. Die kommunalen Versorger in Stormarn und Umgebung hielten die Preise 2014 stabil. Inzwischen haben die Stadtwerke Ahrensburg reagiert und die Tarife gesenkt, auch das e-werk Sachsenwald will nachziehen. Die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Erdgas.

Wie haben sich die Preise der kommunalen Anbieter entwickelt?

Die Stadtwerke Ahrensburg haben drei Jahre nichts geändert. Zum 1. Januar wurden die Preise dann um bis zu 7,6Prozent – je nach Tarif und dem Jahresverbrauch – gesenkt. Pro Kilowattstunde sind jetzt im günstigsten Fall 5,26 Cent fällig. Ahrensburger, die 20.000 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen, zahlen 5,56 Cent pro Kilowattstunde und einen jährlichen Grundpreis von 128,52 Euro. Sie sparen im Vergleich zum vergangenen Jahr rund 70 Euro. Das e-werk Sachsenwald mit Sitz in Reinbek hat die Preise zuletzt zum 1. Juni 2013 erhöht. So stieg der Arbeitspreis beim günstigsten Tarif von 5,236 auf 5,593 Cent pro Kilowattstunde. Die Vereinigten Stadtwerke, 2001 aus den lokalen Stadtwerken in Ratzeburg, Mölln und Bad Oldesloe entstanden, halten die Preise seit dem 1.September 2012 stabil. Beim neuen Tarif gas.2017 zahlt der Kunde 5,55 Cent pro Kilowattstunde bei einem Grundpreis von 102 Euro pro Jahr

Wie setzt sich der Gaspreis für den Verbraucher zusammen?

Grundsätzlich setzt sich der Gastarif der Anbieter aus zwei Komponenten zusammen, dem Grund- sowie dem Arbeitspreis. Mit dem Grundpreis wird die Bereitstellung des Energieträgers an der Übergabestelle vergütet. Der Arbeitspreis bewertet den Gasverbrauch, also die abgenommene Gasmenge.

Warum haben die Stadtwerke in der Region die Tarife nicht gesenkt?

„2014 war ein sehr warmes Jahr. Wir haben im Bereich Erdgas nicht mehr erwirtschaftet“, sagt Heinz Grothkopp, Geschäftsführer der Vereinigte Stadtwerke. Wie alle kommunalen Versorger in der Region kauft das Unternehmen mit Sitz in Ratzeburg einen großen Teil seines Jahresbedarfes bereits Monate im Voraus zu Tagespreisen an der Börse. Grothkopp nennt es „Risikostreuung“. Eine Koppelung an den Ölpreis gibt es nicht mehr. „25 Prozent der erworbenen Menge mussten wir sogar zu einem schlechteren Kurs verkaufen, weil sie nicht abgenommen wurde. Wir haben in 2014 keinen Spielraum für Senkungen gehabt.“ Volker Sakriß, Vertriebsleiter der Stadtwerke Ahrensburg, hat sogar schon 2013 Gas für das Jahr 2015 eingekauft. Zu einem schlechteren Preis als aktuell. Laut e-werk-Geschäftsführer Thomas Kanitz sind auch die Netzentgelte für vorgelagerte Leitungen, die das Gas in die Region bringen, gestiegen. Er sagt: „Das vergangene Jahr war kein besonders gutes für uns. Ein Großteil der Kunden bekommt im Januar Geld zurück. Unser Erlös hat sich jedenfalls nicht erhöht.“

Aus welchen Regionen beziehen die kommunalen Versorger ihr Gas?

Der Großteil der Menge, die ins Stormarner Netz eingespeist werden, stammen laut Sakriß aus der Nordsee vor Dänemark, aber auch Gas aus dem Osten findet den Weg in den Kreis.

Planen die heimischen Energieversorger für 2015 Tarifsenkungen?

Sakriß geht davon aus, dass es längerfristig weitere Preissenkungen gibt. „Aber nur, wenn die Großhandelspreise nicht steigen, die Netzentgelte stabil bleiben und keine weiteren Umlagen dazukommen.“ Die Netzentgelte werden von der Bundesnetzagentur in Bonn jedes Jahr neu festgelegt. Das e-werk Sachsenwald beschäftigt sich derzeit mit einer Tarifsenkung. „Im zweiten Quartal dieses Jahres halte ich das für möglich“, sagt Kanitz. Wenn man Luft habe, die Preise zu senken, werde man das auch machen, verspricht er. Die Vereinigte Stadtwerke in Ratzeburg werden zumindest kurzfristig nichts ändern. Grothkopp: „In einem Jahr sehe ich aber schon Potenzial für eine Preissenkung.“