Stormarn
Fahndungserfolg

Verursachten junge Feuerteufel einen Millionen-Schaden?

Die Polizei hat sechs mutmaßliche Brandstifter verhört. Die jungen Männer sollen für Feuer im Ahrensburger Ortsteil Ahrensfelde verantwortlich sein. Immer wieder brannten dort Strohballen.

Ahrensburg. Die Brandserie, die seit mehr als einem Jahr Polizei und Feuerwehr in Stormarn beschäftigt und viele Bürger ängstigt, ist offenbar ganz oder teilweise aufgeklärt. Die Polizeidirektion Ratzeburg hat für den heutigen Freitag zu einer Pressekonferenz eingeladen, bei der Vertreter von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei zu den Details Auskunft geben werden.

„Die Polizei hat sechs junge Männer festgenommen“, sagt Sonja Kurz von der Polizeidirektion Ratzeburg. Vier von ihnen wurden am Donnerstag gefasst. Die sechs Männer stehen unter dem dringendem Verdacht, für mehrere Brandstiftungen verantwortlich zu sein – insbesondere im Bereich des Ahrensburger Ortsteils Ahrensfelde. „Die Männer wurden bereits verhört“, sagt Sonja Kurz. Nach Aussage von Günter Möller, Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, handelt sich um junge Männer aus dem südlichen Schleswig-Holstein. Möller: „Es ist niemand weit gefahren, um in Ahrensfelde Strohballen anzuzünden.“

In Ahrensburg und Umgebung brennt es immer wieder, auch Lauben, Container und Autos wurden angezündet. Seit dem 10. Oktober 2013 hat die Polizei im Kreis Stormarn und im benachbarten Kreis Herzogtum Lauenburg mehr als 100 Taten gezählt. Allein in Ahrensburg registrierten die Beamten mehr als 50 Brandstiftungen. Bei der Kriminalpolizei in Ahrensburg wurde im September eine Sonderermittlungsgruppe eingerichtet. Das Team schätzt den bisher entstandenen Schaden auf rund 3,6 Millionen Euro.

Nicht alle Taten wurden von den selben Brandstiftern begangen. So hatten zwei Männer aus Reinbek und Kröppelshagen gestanden, für zwölf Brände in Lauenburg und zwei in Stormarn verantwortlich zu sein. Sie hatten in Großhansdorf ein Wohnmobil und in Reinbek einen Wohnwagen angezündet. Als Grund gaben sie Langeweile an. So begründeten auch zwei Jugendliche, die Ende November in Ahrensburg einen Altkleidercontainer angezündet hatten, ihre Tat.

Viele Fälle sind noch ungeklärt. In Ahrensburg brannte in der Nacht zum 12. November ein Auto, zwei Wochen zuvor zündeten Brandstifter einen Müllcontainer neben einem Mehrfamilienhaus an. Der Ortsteil Ahrensfelde war zuletzt im Oktober betroffen: In der Nacht zum 21. Oktober brannten 500 Strohballen. In Hammoor schlugen kürzlich Flammen aus einem Unterstand neben einem Wohnhaus.

Mehrere Landwirte aus Hammoor und Ahrensfelde haben kürzlich eine Belohnung ausgesetzt. 4000 Euro bekommt, wer der Polizei den entscheidenden Hinweis gibt, der zur Ergreifung der Täter führt. Einer der Landwirte ist Hans-Joachim Gerken aus Hammoor. Auf seinem Grundstück brannte es schon viermal, zuletzt vernichtete Ende November ein Feuer 400 Strohballen. „Für mich steht ein Lebenswerk auf dem Spiel“, sagt der Landwirt. Bei dem Feuer im November seien 10.000 Euro Schaden entstanden, für die er selbst aufkommen muss. Nach dem dritten Feuer verlor Gerken seine Erntevorratsversicherung. Der Landwirt fürchtet nicht nur um seine berufliche Existenz – er spricht aus, was viele in der Umgebung denken: „Ich fürchte, wenn das so weiter geht, gibt es Tote.“

Zumindest einer der Fälle auf Gerkens Grundstück ist aufgeklärt: Verantwortlich sind drei Zwölfjährige aus Hammoor. Die Brandserie ging weiter. Ob die nun gefassten Männer auch für Brände in Hammoor verantwortlich sind, werden Polizei und Staatsanwaltschaft herausfinden.