Stormarn
Bad Oldesloe

Schüler wollen öfter mitreden

Aber wie und wo? Stadt Bad Oldesloe klärt Klassensprecher der örtlichen Schulen über ihre Rechte auf

Bad Oldesloe. Sind Schüler an Entscheidungen in der Stadt beteiligt? Die Antwort ist: rot. Rot wie viele hochgehaltene, kreisrunde Abstimmzettel, die Schüler in die Luft halten. Rot wie die Antwort: Nein. Klassensprecher und Schülervertreter aller weiterführenden Schulen in Bad Oldesloe sitzen in der Festhalle der Ida-Ehre-Schule versammelt und signalisieren mit Zetteln in den Farben Grün, Gelb und Rot ihre Einschätzung zur eigenen Mitbestimmung.

Dieses farbige Stimmungsbild ist Teil eines Informationsvormittags. Initiiert haben ihn der Kinderbeauftragte des Kreises, Carsten Stock, sowie Nina Reher und Kathrin Stehr von der Stadt Bad Oldesloe. „Im vergangenen Jahr habe ich eine Umfrage unter Jugendlichen in Stormarn gemacht“, sagt Stock. „Das Thema: Fühlt ihr euch ernst genommen? Kennt ihre eure Rechte auf Beteiligung?“ Die Antwort fiel „erschreckend negativ“ aus: „Der Informationsfluss stimmt also wohl nicht. Es gibt viele Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche im Kreis, sich zu beteiligen. Aber damit sie das tun, müssen sie diese Möglichkeiten überhaupt erst einmal kennen“, sagt Stock. Daher die Idee des Informationsvormittags.

Zwei Berliner beraten die Schüler ehrenamtlich

Ketie Saner und Lukas Wolf sind aus Berlin angereist. Die beiden engagieren sich ehrenamtlich beim SV Bildungswerk, das bundesweit Schülervertretungen mit Seminaren, Anleitungen zum Projektmanagement und der Aufklärung über die eigenen Rechte unter die Arme greift. Jetzt stehen sie vor der hohen Bühne der Festhalle. „Beteiligung hängt von den Menschen ab, die sich beteiligen“, setzt Lukas Wolf ein. „Wir erzählen euch jetzt, wie ihr euch einmischen könnt – was davon umgesetzt wird, liegt an euch.“

Bevor die Schüler sich ans Umsetzen machen können, erfahren sie also, wie das geht in Bad Oldesloe, im Kreis Stormarn und sogar im Land. „Die Basis bilden die Kinder- und Jugendrechte“, sagt Ketie Saner. „Die sichern euch zum Beispiel auch das Recht auf Beteiligung. Wichtig ist eben vor allem, dass ihr das Recht auch nutzt. Kennt ihr Möglichkeiten dafür?“ Einige Hände schnellen in die Luft. Stichworte fallen. „Im Klassenrat!“, „Als Klassensprecher!“, „Als Schülervertreter!“

Lukas Wolf nickt. „Genau. Ihr könnt Klassensprecher wählen, die gehen zur Klassensprecherversammlung. Außerdem gibt es an jeder Schule Schülervertreter, die zur Schulkonferenz gehen – da haben sie ein Drittel der Stimmen, die anderen zwei Drittel haben Lehrer und Elternvertreter. Mal angenommen, ihr überzeugt noch ein paar Eltern und Lehrer, dann könnt ihr schon eure eigene Meinung umsetzen.“ Ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule schätzen die Klassensprecher recht gut ein: Viele grüne und gelbe Wahlzettel strecken sie bei dieser Frage über die Köpfe. Und wie sieht es außerhalb der Schule aus? Eher mau. Gerade eine Handvoll der Schüler hat schon einmal etwas vom Kinder- und Jugendbeirat gehört. Da schafft Leon Hollatz, selbst ein gewähltes Mitglied, Abhilfe.

„Am Anfang fand ich die Sitzungen auch eher langweilig“, sagt der 15-Jährige. „Aber jetzt bin ich in verschiedenen Ausschüssen und merke, dass ich so wirklich etwas verändern kann.“ Leon hat Kontakt zum Bürgermeister: „Ich leite eure Anliegen gern weiter“, sagt er. „Aber noch besser ist es, wenn ihr euch selbst für den Kinder- und Jugendbeirat bewerbt oder wählen geht.“ Das wünscht sich auch Nina Reher. „Wir können nur die Voraussetzungen schaffen, dass Kinder und Jugendliche sich beteiligen können. Auf Augenhöhe mit ihnen sind wir aber erst, wenn sie selber aktiv werden und die Angebote nutzen.“

In der Festhalle stehen drei Aufstelltafeln. Darauf steht „Was stört mich an meiner Schule?“, „Was soll Bad Oldesloe bieten, damit ich mich wohlfühle?“, und: „Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich das ändern ...“. Die Schüler haben Antworten auf bunte Zettel geschrieben und pinnen sie an. Bald sind die Tafeln voll. Die 15-jährige Jana wünscht sich bessere Busverbindungen. „Die Verbindung nach Poppenbüttel zum Beispiel ist total umständlich“, sagt sie. Andere würden als Bürgermeister sofort die Politiker in Kiel dazu bringen, G8 abzuschaffen, oder sie wünschen sich freies WLAN in der Stadt. Kalle Schröder und Connor Leevarna können sich vorstellen, im Kinder- und Jugendbeirat mitzumachen, „weil wir den Skatepark verbessern wollen“, sagt Kalle. Jetzt wissen sie auch, an wen sie sich wenden können. Und vielleicht sieht die Antwort, ob sich Kinder und Jugendliche in Bad Oldesloe beteiligen können, bald nicht mehr rot aus.