Stormarn
Bargteheide

Peu-à-Peu muss in die Pferdeklinik

Behandlungszimmer, OP-Saal, Röntgenraum: Bei den Tierärzten in Bargteheide ist alles eine Nummer größer. Sonnabend ist Tag der offenen Tür

Bargteheide. Peu-à-Peu lahmt. Immer wieder knickt der Trakehnerhengst mit der linken Vorderhand ein. Seine Besitzerin Gesa Krohn ist schon ganz außer Puste. Doch Dr. Jan Brunk bittet die 25 Jahre alte Hamburgerin noch einmal, ihr Pferd im Trab auf und ab zu führen. Der Tierarzt beobachtet dabei den Hengst ganz genau und tastet sich so an die mögliche Ursache der Lahmheit heran. „Leider können uns die Pferde nicht sagen, wo es ihnen weh tut“, sagt Brunk. „Das würde unsere Arbeit natürlich enorm erleichtern.“

Seit 2014 ist der gebürtige Nordfriese einer der vier Leiter der Pferdeklinik Bargteheide. Neben Dr. Werner Jahn, der die Klinik 1993 gegründet hat, sind Dr. Volker Sill und Dr. Ina Lorenz seine Partner. Unterstützt werden sie von weiteren vier Tierärzten und einem 40-köpfigen Team. „Jeder hat so seine Spezialitäten“, sagt Brunk. Der 34-Jährige arbeitet am liebsten auf den Gebieten der Orthopädie, Sportmedizin und Chiropraktik. Deshalb ist der hellbraune Hengst Peu-à-Peu bei ihm gelandet.

In der Pferdeklinik sind die Behandlungszimmer geräumig. Während der Untersuchung stehen die Pferde meistens. Vor Operationen werden die mehrere hundert Kilogramm schweren Tiere in gepolsterten Räumen narkotisiert und dann per Kran auf den OP-Tisch gehievt. Rund 600 Mal wird in Bargteheide jährlich operiert. „Wir bieten vielfältige Diagnosemöglichkeiten auf dem neuesten Stand der Medizintechnik“, so erklärt Jan Brunk den großen Zulauf, den die Klinik hat. Von Orthopädie, Chiropraktik und Chirurgie über Innere Medizin, Zahn- und Augenheilkunde bis hin zu Fohlen- und Notfallmedizin – es gibt kaum ein Wehwehchen, dass die Pferdedoktoren nicht behandeln können.

Auch für Hobbyreiterin Gesa Krohn war sofort klar, dass sie ihren Hengst in Bargteheide untersuchen lässt, nachdem der plötzlich anfing zu lahmen. „Ich habe von Reiterkollegen nur Gutes gehört und fühle mich hier in den besten Händen.“ Dass es mit einem Termin so schnell geklappt hat, sei großartig. Schließlich will die Rechtsreferendarin mit Peu-à-Peu bald wieder bei einem Dressurturnier starten.

Doch nachdem Jan Brunk gemeinsam mit Tierarztkollegin Marie-Louise Ejlersgaard die linke Vorderhand geröntgt hat, folgt die Diagnose: Der Hengst hat mit großer Wahrscheinlichkeit eine Entzündung im Fessel- oder Hufgelenk. Nach einer Cortison-Spritze sind mindestens vier Wochen Reitpause für „Bubi“, wie Gesa ihren Peu-à-Peu liebevoll nennt, angesagt.

Rund 280 Euro zahlt die Reiterin für die Untersuchung und Behandlung. „Ja, das ist viel Geld. Aber das ist es mir wert“, sagt Gesa Krohn. „Ich will doch, dass es meinem Bubi gut geht und er keine Schmerzen hat.“

Nicht immer können die Ärzte heilen. „Für mich ist es nach wie vor furchtbar, wenn ich ein Pferd einschläfern muss. Daran werde ich mich niemals gewöhnen“, sagt Jan Brunk, der auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen ist und der schon immer Tierarzt werden wollte. „Doch ich sage mir dann, dass ich das Tier erlöse und es nicht mehr leiden muss.“ Er rät den Besitzern, in dem Moment besser nicht dabei zu sein. „Sie sollten ihr Tier lieber lebendig in Erinnerung behalten.“ Wenn jemand jedoch bis zum letzten Herzschlag an dessen Seite sein möchte, dürfe er das natürlich trotzdem.

Mit seinem Team freut Brunk sich sehr auf den Tag der offenen Tür. „Wer wissen will, wie es hinter den Kulissen einer der modernsten Pferdekliniken des Landes aussieht, ist am Sonnabend willkommen. Mit Vorführungen gewähren wir Einblicke in unseren Arbeitsalltag. Und der ist ganz schön spannend.“