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Ahrensburg

Ein König hat schwer zu tragen

Am diesem Wochenende feiert die Ahrensburger Schützengilde ihr Fest. Ein Traditionsverein mit Zukunftssorgen

Ahrensburg. Wenn König Manfred Grabowski durch das Ahrensburger Schützenhaus marschiert, klötert es gewaltig. „Wie bei einer Kuh auf der Alm“, kommentiert er selbst und grinst. Grund für den geräuschvollen Auftritt der Majestät ist die bemerkenswerte Königskette der Gilde anno 1955, die stets wächst und schwerer wird. Und für die es immer schwerer wird, einen Träger zu finden.

Wie seine Vorgänger hat Grabowski zum Ende der einjährigen Amtszeit einen handtellergroßen, selbst entworfenen Erinnerungsorden aus Silber an die massive Kette gehängt. Neun Kilo wiegt sie mittlerweile, und so ist auch des Königs folgender Wunsch durchaus nachvollziehbar: „Ich nehme die Kette jetzt ab, ist doch in Ordnung ...“, lässt er seine Kameraden höflich wissen, die ebenso höflich nicken. Nach einem heftigen Klimpern und einem „Uff“ liegt die Kette neben dem König auf dem Tisch.

An diesem Sonnabend legt Grabowski die Kette ein letztes Mal um. Wer beim Schützenfest Königswürde und Kette übernimmt, das weiß bisher nur der Vereinsvorsitzende Thomas Looft – bis er es um 21 Uhr bei der Proklamation allen verrät. Macht aber nichts. Wer einen Sport betreibt, der so viel Konzentration erfordert wie der der Schützen, der kann Spannung vertragen. Hauptsache ist sowieso, dass es einen Nachfolger gibt. „Wir haben zunehmend Probleme, einen König zu finden“, sagt Gilde-Pressesprecher Gerd-Peter Rohde.

Etwa 180 Mitglieder hat die Gilde der Schützen in Ahrensburg. Etwa 60 davon, so schätzt Manfred Grabowski, kämen für das Amt des Königs infrage. „Auf die Königsscheibe haben in diesem Jahr aber nur etwa 15 Mitglieder geschossen“, sagt er. Und das Ziel zu verfehlen, das sei bei den Teilnehmern nicht immer ein Versehen. So wird es zumindest unter der Hand erzählt. Majestätsbeleidigung sei das nicht, das sagen diejenigen auch. Auch Grabowski hat sich im Jahr vor seiner Krönung ganz bewusst beim Schießen auf die Königsscheibe „weniger Mühe gegeben“. Es habe aus familiären Gründen nicht gepasst zu der Zeit, sagt der scheidende König, der im wahren Leben als technischer Kaufmann in Hamburg arbeitet.

Das Amt des Schützenkönigs kostet nämlich nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit. „Die hat nicht jeder“, sagt Grabowski, „Bei manchen Kameraden liegt das an der Arbeit, andere haben kleine Kinder oder sind schon in anderen Vereinen eingespannt.“ Etwa 25 Termine hat er im vergangenen Jahr als Schützenkönig besucht. „Das waren Schützenfeste anderer Vereine sowie offizielle Termine wie der Neujahrsempfang.“ Die Finanzen belastet die Königswürde mit etwa einem Monatsgehalt, schätzt Vorsitzender Thomas Looft – trotz einer sogenannten Königsversicherung und der Unterstützung aus der Vereinskasse. Denn der Schützenkönig muss beispielsweise gelegentlich die Kameraden einladen, den Anhänger anfertigen lassen und seinem Nachfolger ein Geschenk kaufen.

Pressesprecher Rohde: „Wir wollen nun die Satzung ändern, damit diejenigen, die bereit sind, das Amt auszuüben, öfter die Gelegenheit bekommen.“ Hintergrund: In Ahrensburg dürfen Schützenkönige erst nach zehn Jahren erneut zum Königsschießen antreten. Die Zeit soll nun auf fünf Jahre verkürzt werden.

Denn auch wenn bei vielen Schützen der Schießsport zunehmend im Vordergrund stehe: „Die „Tradition gehört genauso dazu“, sagt Looft. Und dazu brauchen die Schießsportler eben das Schützenfest, die Trachten, den Festumzug – und natürlich einen König samt Hofstaat. „Und ja, einige von uns hören gern Schlager“, sagt Looft. Aber nicht alles am Image der Schützen sei noch wahr, das findet er wichtig zu sagen. „Es wird zum Beispiel viel weniger Alkohol getrunken als früher, und auf dem Schießstand ist der absolut tabu.“

Eine zweite Amtszeit kann sich Manfred Grabowski übrigens gut vorstellen, in zehn Jahren wenn er in Rente gegangen ist. „Das hat schon viel Spaß gemacht“, sagt Grabowski, der erst vor vier Jahren in den Verein eingetreten ist und nun den königlichen Spitznamen „Der Ein-Zehntel-Mann“ trägt – weil er nicht daneben geschossen, aber auch nur knapp gewonnen hat.