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Gasalarm bremst Ahrensburg aus

Teile der Innenstadt acht Stunden lang gesperrt. Tankstelle und Häuser evakuiert. Reparatur dauert bis in den Abend

Ahrensburg. Ein Gasalarm hat am Dienstag die Ahrensburger Innenstadt teilweise lahmgelegt. Polizei und Feuerwehr sperrten rund um den Reeshoop Straßen, evakuierten eine Tankstelle und Häuser. Gegen 10 Uhr hatte ein Baggerfahrer bei Bauarbeiten eine Gasleitung getroffen. Die sofort alarmierten Experten konnten das Leck erst am frühen Abend abdichten.

„Es wurde eine Niedergasleitung aus Stahl beschädigt“, sagt Jan Haarländer, Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensburg. Es ist nicht mehr genau festzustellen, ob die Leitung von der Baggerschaufel getroffen wurde oder schon vorher so porös war, dass sie wegen der Erdbewegungen platzte.

Das austretende Gas gelangt auch in die Kanalisation, die umliegenden Häuser und Tiefgaragen. Der Geruch liegt sogar in der Luft. Die Feuerwehrleute sichern die offene Baugrube in Höhe des Hauses Reeshoop 20 ab. Polizisten sperren den Einsatzort mit rot-weißem Flatterband weiträumig ab. Die umliegenden Straßen werden für Autofahrer gesperrt. Linienbusse müssen Umleitungen nehmen.

Doch immer wieder tauchen von irgendwoher Fußgänger in der Nähe der Gasleitung auf, einmal sogar ein Auto. Der Ahrensburger Polizeichef Norbert Patzker reagiert: „Wir fordern jetzt den Bauhof an, damit die Mitarbeiter Kunststoff-Barrieren aufstellen.“

Schon mittags ahnt Patzkers Stellvertreter Jörg Marienberg: „Der Einsatz wird länger dauern.“ Für Anwohner, die nicht mehr in ihre Häuser kommen, wird eine Anlaufstelle im Rathaus eingerichtet.

Inzwischen sind Mitarbeiter der von den Stadtwerken beauftragten Firma eingetroffen. Sie graben die Stelle weiter auf und schauen sich den Schaden an. Es riecht immer intensiver nach Gas. Die Feuerwehr hat einen Schlauch bereits angeschlossen. „Sollte es zu einem Brand kommen, können wir sofort reagieren“, sagt Haarländer. Auch ein Rettungswagen steht vorsichtshalber bereit.

Tatsächlich ist die Reparatur kompliziert. „Die Leitung wurde an mehren Stellen beschädigt“, sagt Horst Kienel, Geschäftsführer der Stadtwerke Ahrensburg. „Da es sich um Leitungen im sogenannten Niedrigdruckbereich handelt, können wir das Gas nicht einfach abstellen.“ Die Straße muss von beiden Seiten aufgefräst werden. Dann wird die defekte Gasleitung mit Luftblasen abgeschirmt, ehe sie repariert werden kann.

Die Sperrung trifft nicht nur die direkten Anlieger, sondern auch ungezählte andere Ahrensburger. Renate Castdorff will nach dem Einkaufen mit dem Bus 569 nach Hause fahren. „Man hat uns gesagt, dass gleich ein Bus kommt. Jetzt warten wir schon 20 Minuten, und meine tiefgekühlten Einkäufe tauen auf“, sagt sie.

Mit ihr wartet Wanda Probner im Schatten eines Baumes an der Klaus-Groth-Straße auf den Bus in den Ortsteil Gartenholz. „Tut mir leid, dass ihre Einkäufe auftauen“, sagt sie. Auch Christine Hiller steht in der Runde. Sie erwartet Gäste, die mit ihr ihren 47. Geburtstag feiern wollen. Sie hofft, dass sie rechtzeitig nach Hause kommt, um das Fest vorbereiten zu können.

Mitarbeiter des evakuierten Betreuungsbüros Ahrensburg, das am Reeshoop 18 liegt, kommen zurück. Sie wollen Feierabend machen. Haarländer lässt die Gasdichte messen. Dann gibt er grünes Licht. „Uns geht ein ganzer Arbeitstag verloren. Das ist ärgerlich“, sagt eine Mitarbeiterin. Ihre Kollegen beschweren sich: „Wir waren im Rathaus, dort wusste niemand, was hier genau passiert.“

Es ist halb drei. Nun riecht es nicht mehr nach Gas, sondern nach Mettbrötchen. Einige Feuerwehrleute, die seit vier Stunden im Einsatz sind, gönnen sich eine Mittagspause. Währenddessen reißen Arbeiter die Straße mit Spezialgeräten auf, die keine Funken sprühen. Das Rohr liegt rund 80 Zentimeter tief. Bei 60 Zentimetern ist Schluss mit dem Baggern. Dann müssen die Arbeiter mit der Schaufel ran. Einer misst den Abstand mit einem Zollstock.

Um 16 Uhr werden die Feuerwehrleute, die seit dem Vormittag in der Hitze stehen, von Gruppenführer Andreas Albrecht und Kollegen abgelöst. Erst am Abend geben die Bauarbeiter Entwarnung. Das Leck ist wieder dicht.