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Reinbek

Aus für den Kaffeezauber

Schönningstedter Kombiladen muss wegen Baumängeln umziehen. Heute Abschiedsfeier. Neueröffnung im September

Reinbek. Es gibt Orte, die verströmen eine zauberhafte Atmosphäre. Einer dieser Orte liegt im Ortsteil Schönningstedt in Reinbek. Es handelt sich um ein Café an der Dorfstraße, dass auch noch passenderweise Kaffeezauber heißt. Es ist aber noch mehr als ein Café. Wer dort einkehrt, merkt das schnell. Vor dem Haus herrscht ausgelassene Stimmung, es ist gerade Mittagspause. Inhaberin Andrea Pankow und Mitarbeiterin Julia Kock sitzen mit Stammkunden an einem Tisch und plauschen.

In dem alten 150 Quadratmeter großen Bauernhaus hat Pankow einen Kombiladen etabliert, in dem sie von Kaffee, Tee und Confiserie über Gewürze, Essige und Öle bis hin zu buntem Schnickschnack sowie Wohn- und Geschenkartikeln ein beachtliches Sortiment an Waren anbietet. Überdies befindet sich eine Kaffeerösterei im Haus, deren Kaffee im Kaffeezauber verkauft und ausgeschenkt wird.

„Wenn es geht, komme ich zweimal die Woche auf einen Kaffee hierhin“, sagt Stammkundin Dörte Rehfeld aus Schönningstedt. Heute ist sie mit ihrer sieben Jahre alten Tochter Valerie vorbeigekommen. „Am besten schmecken mir die Blaubeertörtchen“, sagt das Mädchen. Während ihre Tochter nascht, stöbere sie gern noch ein wenig. Das Konzept des Ladens gefalle ihr. Sie komme aber hauptsächlich wegen der familiären Stimmung ins Kaffeezauber. „Das Café ist unser Dorfmittelpunkt. Ich habe hier neulich auch meinen Geburtstag gefeiert.“

Dieser Tage herrscht dort aber Trauer und Wehmut bei den Mitarbeitern und Stammkunden. Denn Andrea Pankow muss nach fünf Jahren Betrieb ausziehen. Heute ist der letzte Tag. „Anfang des Jahres hat das Veterinärsamt feuchte Wände und Schimmelbefall am Haus festgestellt. Wir dürfen den Betrieb nicht fortsetzen“, sagt Pankow.

Auch Verena Victor kommt seit drei Jahren regelmäßig auf einen Schnack und ein Stück Kuchen vorbei. Die 51 Jahre alte Lehrerin aus Reinbek-Hinschendorf ist in der vergangenen Woche sogar jeden Tag dort gewesen. „Wenn meine Schwester aus Berlin zu Besuch ist, drängt sie immer darauf, hierhinzukommen“, sagt Victor. Plötzlich schaut sie traurig in die Runde. „Es ist, als ginge eine Ära zu Ende. Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen. Das Kaffeezauber ist über die Jahre zu einer Institution in Reinbek geworden.“

Pankow hält kurz inne, dann erinnert sie sich mit ihrer Mitarbeiterin Julia Kock, wie alles begann: „Ich hatte eine Immobilienfirma, die ich durch die Finanzkrise 2008 aufgeben musste. Damals bin ich zum Kaffeekaufen in das Haus gekommen.“ Denn die Kaffeerösterei mit direktem Verkauf gab es da bereits. Julia Kock stand damals am Verkaufstresen. Sie und Pankow kamen ins Gespräch, wollten beide etwas Neues auf die Beine stellen.

„Auf dem Heimweg ist dann die Idee in meinem Kopf herangewachsen. Ich dachte: ‚Wo Kaffee verkauft wird, muss man ihn doch auch trinken können.‘ Dann kehrte ich um und erzählte Julia davon“, sagt Pankow. „Ich willigte sofort ein“, ergänzt Kock. Sie begannen mit einem Café und erweiterten ihr Angebot ständig. Mit dem Sortiment ist auch der Kundenstamm gewachsen. „Es kommen mittlerweile auch Kunden aus Hamburg und Lübeck zu uns“, sagt die 55 Jahre alte Mitarbeiterin. Zwischen ihr und Pankow habe sich in den Jahren eine innige Freundschaft entwickelt. Nach dem Schwelgen in Erinnerungen betont Andrea Pankow schließlich: „Es ist aber nicht vorbei. Wir machen weiter.“ Das Kaffeezauber wird Anfang September schon wieder eröffnen – und zwar an der Straße Schmiedesberg im Zentrum von Reinbek. Die Renovierungsarbeiten seien bereits im vollen Gange. „Es wird nicht mehr so werden wie hier. Das neue Haus hat von außen nicht diesen Charme, aber von innen wird es wieder sehr charmant und stilvoll.“ Eine Neuerung wird es am neuen Standort auch geben. „Freitag wird der Zuckerwatte-Tag“, sagt Kock.

Am heutigen Freitag möchte Pankow großen Abschied mit Gästen und Mitarbeitern feiern. Julia Kock und Theatermusikerin Monika Schmidt-Carstens geben zur Feier des Tages ein Piaf-Konzert. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 15 Euro.