Stormarn
Todendorf

Europa macht in Stormarn Pause vom Stau

Tausende von Urlaubern zieht es bei tropischen Temperaturen gen Norden. Das Abendblatt hat sich auf der Raststätte Buddikate umgesehen

Todendorf . Kees Stravens reißt die Fahrertür seines orangefarbenen VW-Busses auf und hechtet in die Sanitärräume der Raststätte Buddikate. Im Vorbeilaufen vergisst der Niederländer nicht, freundlich zu grüßen („Hoi“). Manchmal muss es in der Pause halt schnell gehen. Danach ist der Urlauber aus Kaatshoevels die Gelassenheit in Person – trotz des zig Kilometer langen Staus auf der A 1 in Richtung Norden und der mehr als 30Grad Außentemperatur.

Wie für Tausende von Urlaubern im Norden gilt auch für Kees Stravens die Faustregel: Ziel verhält sich zu Pause wie Ostsee zu… Na? Stormarns Raststätte Buddikate-Ost natürlich. Und das nicht nur für eine Toilettenpause, sondern auch, um „ein bisschen an die frische Luft zu kommen“, wie Stravens sagt. Noch 135 Kilometer liegen vor dem Urlauber, seiner Ehefrau Stijn und ihrem 36 Jahre alten Oldtimer.

Die Pause bei Familie Braun aus Herbsleben (Thüringen) hat unterdessen das jüngste Mitglied erwirkt. Und da war nur ein bisschen Quengeln nötig. Nun liegt das geheime Familienoberhaupt Florian, drei Monate, auf dem Schoß von Mutter Claudia und lässt sich seine Flaschennahrung schmecken. Vater Christian und der dreijährige Timo überlegen derweil, was sie am Reiseziel Sierksdorf als als erstes machen wollen. Das Ergebnis in chronologischer Abfolge: Einchecken, Eis essen, in die Ostsee springen.

Ehrenamtler von den Stormarner Rettungsdiensten stehen bereit

Schnell aus der warmen Motorradschutzkleidung herauszukommen, das ist das Ziel von Florian Pathak und seinem Kollegen Martin Sommerfeld. Aber das wird noch dauern. Die Polizei hat die beiden ehrenamtlichen Helfer der Johanniter an die Buddikate gerufen. „Wenn es im Stau zu einem Unfall kommt, sind wir mit unseren Motorrädern viel schneller vor Ort als die Kollegen“, sagt Pathak. Zweimal mussten die Männer an diesem Tag bereits ausrücken, um an einer Unfallstelle nach dem Rechten zu sehen und einem Liegenbleiber „Nachhilfe im Fach Sicherheitsabsperrungen zu geben“, wie Pathak sagt. Auch die Kollegen vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sind da.

Nun gönnen sich die beiden Johanniter und die Helfer vom ASB Stormarn im Schatten eines Baumes eine Einsatzpause und gehen in punkto Flüssigkeitszufuhr bei hochsommerlichen Temperaturen mit gutem Beispiel voran. Auf einem Tisch vor den Helfern türmen sich etliche Wasserflaschen.

Für eine Erfrischungspause sind auch die Hansens und Knudsens von der Autobahn auf die Buddikate abgebogen. Eis, Cola, Wasser, Gurke und eine Prise Gelassenheit gibt es an dem Picknicktisch der Dänen – während im daneben geparkten Wohnmobil die Fetzen fliegen (Stau, begrenzte Kindergeduld und ein unauffindbares Stofftier namens Mopsi).

„Wir haben schon vier- oder fünfmal im Stau gestanden“, sagt Gurli Knudsen und lächelt. „Ja, so war das“, bestätigt Poul Hansen, kratzt sich am Bart und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Seit sieben Stunden ist das Ehepaar mit Tochter Thit unterwegs. Heimreise aus dem Belgien-Urlaub. Noch 330 Kilometer sind es bis zu ihrer Heimat, der norddänischen Stadt Hillerød. Doch auch das ist für sie kein Grund zum Jammern. „Wir sind ganz entspannt“, sagt Gurli Knudsen, „wir wussten ja, dass es Stau geben wird.“

Derzeit haben neun der 16 Bundesländer Sommerferien

Stau gibt es nicht nur auf der Autobahn – am frühen Sonnabend waren es vor der Buddikate in Richtung Norden zeitweise 30 Kilometer – sondern auch im Verkaufsraum. Etwa vor der Eistruhe und dem Getränkeregal. Auf dem Gelände wetteifern die Autofahrer miteinander in den Disziplinen „Finde den schattigsten Parkplatz“ und „Finde den schattigsten Sitzplatz“. Die Wettkämpfer kommen aus ganz Europa. So parken Finnen neben Dänen, neben Polen, neben Niederländern und so weiter. Auch auf den Deutschen Kennzeichen tauchen am seltensten Abkürzungen wie OD, RZ, HH oder HL auf. Kein Wunder. Derzeit haben neun der 16 Bundesländer Sommerferien. Und ein Großteil davon, so scheint es zumindest auf der Buddikate-Ost, will nach Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern an die Ostsee.

So wie auch Familie Steinbrink aus Ennepetal (Nordrhein-Westfalen). Noch exakt 92 Kilometer und etwa eine Stunde Fahrt trennen Vater Frank, Mutter Birgit und Sohn Adrian vom Sprung ins kühle Ostseewasser in Dahme. Die Rast an der Buddikate ist die letzte Hundepause vorm Ziel. Nach dem Spaziergang mit Labrador Amadeus und Mischling Samu steigen die Steinbrinks wieder in ihr Auto. Die Zeit drängt. Leider haben wir nur eine Woche, bis wir wieder zurück müssen“, sagt Frank Steinbrink, „dann gehen wir wohl dort Gassi.“ Er zeigt auf die Raststätte Buddikate-West auf der anderen Seite der A1. Ebenso wahrscheinlich ist: Es wird ein Spaziergang mit etwas weniger Vorfreude, aber viel Erholung im Gepäck bei der Pause in Stormarn.