Stormarn
Lübeck

Einbrecherduo schweigt vor Gericht

Zwei Männern aus Chile werden neun Taten vorgeworfen. Schaden beträgt fast 200.000 Euro

Barsbüttel/Lübeck. Zwei Männer müssen sich seit Montag wegen einer Serie von Einbrüchen in Barsbüttel, Hamburg, Niedersachsen und Bremen vor dem Landgericht in Lübeck verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen neun Taten vor, die sie zwischen Oktober und November 2013 begangen haben sollen. Der Schaden beläuft sich auf fast 200.000Euro. Die Angeklagten aus Chile, die neben einer Dolmetscherin auf der Anklagebank saßen, schwiegen zum Prozessauftakt zu den Tatvorwürfen, sodass mit einem langwierigen Indizienprozess zu rechnen ist.

Mit gestohlenem VW Golf durch ganz Norddeutschland gefahren

Polizei und Staatsanwaltschaft haben Hinweise darauf, dass der 32 Jahre alte Luis A. und der 30-jährige Huberto F. am 12. Oktober 2013 gegen 15 Uhr in eine Wohnung in Hamburg eingebrochen sind. Außer Schmuck und einem Laptop nahmen die Einbrecher auch den Autoschlüssel mit und flüchteten mit dem VW-Golf der Bewohnerin.

Mit dem Auto sollen die Chilenen dann in ganz Norddeutschland auf Diebestour gegangen sein. Elf Tage später soll Luis A. mit einem unbekannten Mittäter in der Hansestadt zugeschlagen haben. Beide hebelten laut Anklageschrift ein Dachfenster auf und verschafften sich so Zutritt zum Haus einer 72-Jährigen. Im Schlafzimmer nahmen sie einen Tresor mit, in dem sich Schmuck im Wert von rund 65.000 Euro befand. Nur eine Woche später sollen dann wieder Luis A. und Huberto F. auf Einbrechertour gegangen sein.

Ihr Ziel: ein Einfamilienhaus in Tostedt (Niedersachsen). Dort sollen sie laut Anklage ein Fenster aufgehebelt haben, um in das Gebäude zu gelangen. Außer vier Uhren und mehreren Hundert Euro nahmen die Diebe auch diverse Parfums mit. Es folgen weitere Taten in Seevetal und Tostedt. Am 6. November wurde der schwarze gestohlene Golf in Bremen gesehen – in der Nähe eines Hauses, in das ebenfalls eingebrochen worden war.

Die Diebe nahmen neben einer Rolex-Uhr auch ein wertvolles Ölgemälde mit. Bis zum 14. November ordnen die Ermittler Luis A. und Huberto F. noch drei weitere Taten in Hamburg zu. Neben Schmuck, Parfums und Geld sollen sie Wein, Kameras und andere technische Geräte gestohlen haben. Erst in Barsbüttel konnten die Männer dann gestellt werden. Am 20. November beobachtete eine Bewohnerin die beiden Diebe auf einem Nachbargrundstück und alarmierte die Polizei. Die Beamten konnten die Männer, die versucht hatten, in ein Haus einzubrechen, noch in der Nähe verhaften. Beide waren mit dem gestohlen Golf unterwegs. Im Auto befand sich auch das Ölgemälde aus dem Einbruch in Bremen.

Eine Spur führt auch zu einer Einbrecherbande in Österreich

In einem Zimmer in einem Haus an einer Seitenstraße der Reeperbahn auf St. Pauli, das Luis A. gemietet hatte und in dem auch Huberto F. sowie fünf weitete Chilenen lebten, fanden die Ermittler bei einer Durchsuchung 100 Schmuck- und Wertgegenstände aus den Einbrüchen. Zudem führt eine Spur auch nach Österreich. Dort sitzen ebenfalls drei Einbrecher aus Chile in Untersuchungshaft. Bei einem fand man einen goldenen Ring mit der Gravur „Manfred 24.04.64“. Dieser Ring befand sich in dem in Hamburg gestohlene Tresor.

Wegen des langwierigen Verfahrens regte die Staatsanwaltschaft eine Verständigung an. Die Anklägerin stellte im Falle eines Geständnisses Strafen zwischen vier und sieben Jahre in Aussicht. Die Verteidigung lehnte ab.