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Ahrensburg

Kaufleute fordern mehr Parkplätze

Ahrensburger Stadtforum schreibt Brief an die Kommunalpolitiker. Sorge um Kunden und Mitarbeiter

Ahrensburg. „Am Wochenende ist das Parken eine Katastrophe und unter der Woche wird es ab halb zehn schwer“, beschreibt Tobias Hoffmann, 43, die Parksituation in Ahrensburg. „Aber ich muss hier einkaufen, weil andere Geschäfte zu weit weg sind“, sagt der Ammersbeker. Wie Hoffmann kommt auch Ilse Vollmer extra zum Einkaufen in die Schlossstadt. „Die Situation wird immer schlechter“, sagt sie. Besonders mittwochs und sonnabends gebe es Probleme, weil dann der Rathausplatz wegen des Wochenmarktes gesperrt sei. Die Trittauerin bemängelt, dass immer mehr Parkplätze abgeschafft würden.

Wo es vor einigen Jahren noch reichlich Parkflächen gab, wurden nach und nach ein Seniorenheim, das Peter-Rantzau-Haus und ein Ärztehaus gebaut. Jetzt sollen auch noch der Lindenhof-Parkplatz und die Alte Reitbahn, die sich beide in Bahnhofsnähe befinden, bebaut werden. Zudem wird das Parkhaus Alter Lokschuppen im kommenden Jahr saniert und während der Bauarbeiten nicht nutzbar sein, sodass es zu weiteren Engpässen kommen wird. Pendler, Kunden, Angestellte und Anwohner sind gleichermaßen betroffen. „Wenn die Alte Reitbahn wegfällt, würde ich nicht mehr in Ahrensburg einkaufen“, sagt Ilse Vollmer.

Genau dies befürchten viele Ahrensburger Geschäftsleute. Deshalb hat sich die Kaufleutevereinigung Ahrensburger Stadtforum nun mit einem Brief an die Fraktionschefs in der Stadtverordnetenversammlung gewandt. Darin sprechen die Kaufleute ihren Unmut über die geplanten Bauvorhaben aus. Es würden immer mehr Parkflächen in der Innenstadt ersatzlos bebaut werden, sodass sowohl Kunden als auch Angestellte Probleme hätten, ihren Wagen abzustellen. Andreas Werning, zweiter Vorsitzender des Stadtforums, sagt: „Es müssen Ersatzflächen für Lindenhof und Alte Reitbahn gefunden werden.“ Ihn stört, dass die Seitenstraßen immer mehr beparkt werden, sodass man dort Slalom fahren müsse.

„Es wird nicht auf die Käuferschaft eingegangen“, sagt Alexandra Schokrowski, Geschäftsführerin des Elektrofachgeschäfts Clasen und Mitglied im Stadtforum. Viele Kunden kämen gern zum Einkaufen und Flanieren nach Ahrensburg, aber wenn sich die ohnehin schon schwierige Parksituation noch weiter verschlechtere, befürchtet auch Schokrowski, dass Kunden alternative Einkaufsmöglichkeiten suchen würden. Sie kritisiert die Politik. „Alle wollen eine belebte Innenstadt, aber keiner sieht ein, dass das ohne Parkplätze nicht geht“, sagt die 45-Jährige. Für sie steht fest: „Die Alte Reitbahn muss definitiv als Parkfläche erhalten bleiben.“

Dirk Manz, Inhaber der Gaststätte Berlin Milljöh, hingegen findet, dass der Bau eines Kinos auf der Alten Reitbahn eine „total geile Idee“ sei. „Ahrensburg muss für junge Menschen attraktiver werden“, sagt er. „Ohne junge Leute geht eine Stadt zu Grunde.“ Dass die Parksituation katastrophal sei und die Stadt etwas ändern müsse, ist für ihn dennoch klar. Er schlägt als Lösung vor, die Rasenfläche hinter Peter-Rantzau-Haus und Rathaus als Parkfläche auszuweisen. „Die Fläche ist sowieso tot. Dabei würden da bestimmt 100 Autos parken können“, sagt der Gastwirt.

Auch Marion und Jörg Boy, denen das Delikatessengeschäft in der Manhagener Allee gehört, sind der Meinung, dass der mangelnde Parkraum ein immer größeres Problem darstellt. „Unsere Angestellten müssen sehr früh kommen, damit sie noch einen Parkplatz finden, und sind gezwungen, dennoch weite Strecken zu Fuß gehen“, sagt Marion Boy. Auch von Kunden werde sie immer wieder auf die begrenzten Parkplätze angesprochen. Sie sagt: „Es müssen Ideen und Lösungen gefunden werden, die sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden und Anwohner gut sind.“

Ihr Mann könnte sich beispielsweise vorstellen, eine Art Shuttlebus zwischen einem Parklatz im Industriegebiet und der Innenstadt einzurichten, den Angestellte kostenlos nutzen könnten. „Der Bus bringt morgens die Pendler vom Bahnhof ins Industriegebiet und fährt leer zurück. Stattdessen könnte er doch diejenigen, die in der Innenstadt arbeiten, einsammeln und mitnehmen.“

Ihn ärgert vor allem die Haltung der Politiker. Auf den Brief des Stadtforums habe eine einzige Partei reagiert. „Vor den Wahlen wird einem das Blaue vom Himmel versprochen, aber danach verläuft sich alles im Sande“, sagt Jörg Boy. Das Stadtforum, in dem er und seine Frau Mitglieder sind, setze sich ehrenamtlich für ein attraktives Ahrensburg ein und bemühe sich um ein gutes Stadtmarketing, doch gehe die Politik nicht auf Vorschläge ein. „Das ist ignorant“, sagt Marion Boy.