Stormarn

Von Gutsherren Art

Bank-Geheimnisse: Das Abendblatt trifft Stormarner auf ihrer Lieblingsbank. Heute: Enno von Ruffin aus Basthorst

Enno Freiherr von Ruffin ist einer, auf dessen Website zu lesen ist, sein Gut Basthorst und er selbst stünden für Charme, Tradition und Vielseitigkeit. Ein Foto zeigt ihn nebst Familie im Garten an einem Tisch mit silbernen Kerzenleuchtern, im Hintergrund Oldtimer und Sektkühler, der Hausherr hält ein Rentier an der Leine. Das klingt reichlich unbescheiden, was nicht jeder gern hat. Und dann kommt er durch die Tür seines Verwaltungsgebäudes und benutzt Ausdrücke wie „koppheister gehen“, was ein Grund ist, ihn gern zu haben, schon in der ersten Viertelstunde.

Er ist einer, der jemand ist in Schleswig-Holstein. Enno von Ruffin gehört ein 600 Hektar großes Gut, Raps, Weizen, Gerste und Roggen werden hier angebaut. Und es wird eingeladen. „Das ist das Jahr“, sagt er und legt eine Broschüre auf den Tisch, fünf Seiten zum Aufklappen: Gespannfahren, Polo Cup, Frühjahrsmarkt, Sommerkonzert, Hunde-Coursing, Dressurreiten. Und dann ist erst Herbst. Zu seinen Festen kommen Adlige und Menschen, die so wichtig sind, dass hinterher in Zeitungen steht, dass sie da gewesen sind.

Er selbst steht dort auch, allerdings kaum mit Privatem. Viele Prozesse hat er gegen Zeitungen und Zeitschriften geführt, die zu persönliche Dinge schreiben wollten. „Ich sage möglichst wenig, meine Privatsphäre ist mir wichtig. Es hat mir geholfen, die Prozesse zu gewinnen, dass ich nie Homestorys mit Fotos in meinem Wohnzimmer gemacht habe“, sagt er. Das mag die Menschen enttäuschen, die gern wüssten, welche Farbe seine Sofakissen haben oder welche Socken er trägt (schwarze der Marke Falke, ohne Rechts-Links-Aufdruck). Alle anderen können das vielleicht verstehen.

„Die Regentschaft der von Ruffin begann im Jahre 1944“, heißt es auf der Website, vorher lebten seit 1391 auf dem Gut Familien, zu deren Namen ebenfalls ein „von“ gehörte. Dass er das Gut übernehmen würde, sei ihm immer klar gewesen, sagt Enno von Ruffin. Als er auf die Welt kam, habe seine Schwester gesagt, nun gebe es einen Gutserben. „Auf große Schwestern soll man ja hören“, sagt er. Enno von Ruffin wurde 1954 geboren, er feierte in diesem April seinen 60. Geburtstag. „Ich bin hier aufgewachsen. Aber zwischendurch war ich auch unterwegs, im Internat zum Beispiel.“ In welchem? „In vielen, wenn ich die alle aufzähle, ist in dem Text kein Platz mehr für was anderes“, sagt er. Er sei wohl von dem einen oder anderen geflogen. Aber die rebellische Phase habe sich immer nur gegen das Internat gerichtet, nie gegen das Gut. „Ich hatte Heimweh. Internat war nicht so doll, auf dem Land lebte man fröhlich mit Tieren und Freunden, und dann musste man sich Regeln unterwerfen. Ich hatte mit vielen Regeln Probleme, schulische Fragen, das Rauchen und die Dinge, die man sonst nicht durfte“, sagt er.

Inzwischen rauche er nicht mehr, auch kaum noch Zigarren, nach dem Reitunfall im Sommer vergangenen Jahres sei seine Lunge noch nicht wieder ganz in Ordnung. „Das Pferd hat sich im Galopp erschreckt, ich bin runtergefallen, dabei ist die Lunge gerissen, und es sind Rippen kaputtgegangen.“ Koppheister. So richtig reiten dürfe er seither nicht, auch nicht Ski fahren, das sei auch in sportlicher Hinsicht ärgerlich. „Ich mache keinen Sport, deshalb wächst der Bauch. Der Arzt sagt, ich darf tunlichst nicht fallen, nun muss ich mir etwas anderes überlegen. Gymnastik kann man machen, damit man im Fluss bleibt.“ Und ärgerlich ist das mit dem Reitverbot auch, weil man vom Pferd aus mehr sieht, als wenn man im Auto über das Gelände fährt. Ein Gutsherr, der nicht zu Pferd sein Land erkundet – eigentlich undenkbar. Wenn einer schon Freiherr von Ruffin heißt und dann auch noch von seinen Angestellten Baron genannt wird, gehört ein Pferd einfach dazu. Vielleicht müsse er sich ein altes, ruhiges Exemplar besorgen, meint er.

Und die anderen Klischees? „Zu Adelsbällen gehe ich schon gar nicht. Der Adel ist nur Bestandteil des Namens. Es gibt sicher Menschen, die ein bestimmtes Bild im Kopf haben. Aber die meisten Gutsbesitzer sind Forst- oder Landwirte. Das sind hart arbeitende Menschen, die ihren Traktor auch selbst fahren.“ Ob die alle auch Trachtenjacken tragen, ist allerdings fraglich. „Die Joppe ist praktisch, man kann sie bis obenhin zumachen und holt sich keinen Schnupfen“, sagt er. „Das ist aber eher eine bayerische Einrichtung. Meine Familie kommt ja aus Süddeutschland, meine Mutter ist Grazerin, und ich hab in Bayern meine Lehre zum Landwirt gemacht.“ Praktisch sei auch, dass er nicht nach Bayern fahren müsse, wenn er mal eine neue Jacke braucht. „Ich bekomme das alles bei mir auf den Märkten“, sagt er, „solche Laternen, solche Bilder, den Kamin.“

Tochter Milana soll das Gut eines Tages übernehmen

Als Enno von Ruffin das Gut Basthorst übernahm, 1980, sei es seine Aufgabe gewesen, die Landwirtschaft so zu organisieren, dass sie in die Zeit passte, sagt er. Und dann andere Ideen zu entwickeln, wie etwa die Märkte: im Frühjahr, im Herbst und zu Weihnachten, bei letzterem tritt Rentier Rudy auf, der wurde nicht extra für das Foto angemietet, sondern lebt auf dem Gut.

„Ich habe auch mit dem Garten- und Landschaftsbau angefangen. Und Ideen für die 30 Gebäude gehabt. Heute gibt es zum Beispiel eine Vergolderin, eine Filzerin und eine Brennerei“, sagt von Ruffin. „Das ist langsam gewachsen, aber nun haben alle Gebäude wieder eine Funktion und kosten nicht mehr nur, sondern bringen wieder Geld rein. Der alte Pferdestall etwa stand leer, heute ist es eben ein Restaurant.“ Zu viel werde ihm all das eigentlich nicht. „Ich bin ganz gelassen. Wir sind ein gutes Team mittlerweile. So einen Betrieb zu führen ist eine sehr schöne Aufgabe.“

Die soll irgendwann Milana, eine seiner beiden Töchter, übernehmen. „Sie hat Landwirtschaft studiert und arbeitet bei einem anderen Unternehmen. Derzeit ist sie aber freigestellt, sie ist im vergangenen Jahr Mutter geworden.“ 2012 hatte sie geheiratet und auf dem Gut gefeiert, einige Hundert Gäste waren gekommen, wieder ein Anlass, zu dem Zeitungen schrieben und Fotos druckten.

Wer Artikel über Enno von Ruffin liest, findet zwar keine Homestorys, dafür viel Schwärmerei, was – in diesem Text – an dem Wort koppheister liegt. Und daran, dass er, nach seinen anderen Vornamen gefragt, sagt: „Rudolph Walter Maria. Walter ohne h und Rudolph mit ph. Moment. Wo ist mein Ausweis? Ach, nein, Walther doch mit h und Rudolf mit f.“ Generell aber liegt es wohl eher daran, dass von Ruffin ein Profi ist, der sich darauf versteht, dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben, das ist sein Job als Gastgeber.

Und: „Ich bin es gewohnt, fotografiert zu werden, auch wegen meiner Exfrau“, sagt er. Die Exfrau ist Vicky Leandros, die Sängerin. Von Ruffin ist es gewohnt, Gespräche mit Journalisten zu führen. Er lenkt ab, wenn er nicht antworten will. Auf die Frage, was es im Monat kostet, so ein Gut zu bewirtschaften, sagt er: „Den ganzen Tag ist einer beschäftigt damit, zu reparieren und zu pinseln, das ist schon mal eine Arbeitskraft im Dauereinsatz.“ Noch mal nachgefragt, was kostet es denn nun? „Wenn die Wohnungen repariert werden müssen, ist der Betrag groß, wenn nicht, ist er klein.“ Na gut.

Zum Abschied zeigt Enno von Ruffin noch sein Gut. Im Geländewagen geht es vorbei an Wiesen, am Poloplatz und am Pferdestall. Ist das alles seins? Er lacht und sagt: „Hah! Alles ist relativ. Außerdem heißt es dann hinterher in der Zeitung: Ruffin sagt: Das ist alles meins.“ Enno – der Profi.