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Barsbüttel

„Es muss zumutbar für beide sein“

Barsbütteler Initiative will, dass Interessen von Flüchtlingen und Anwohnern berücksichtigt werden

Barsbüttel. Die geplante Aufstellung von Wohncontainern für Asylbewerber auf einem brach liegenden städtischen Grundstück der Straße An der Barsbek in Barsbüttel bleibt heftig umstritten. Die Anlieger, die sich in einem Verein für ein lebenswertes Barsbüttel organisiert haben, wehren sich energisch gegen den Eindruck, sie seien prinzipiell gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in ihrer Nachbarschaft. Tatsächlich, so klagen sie, sei versäumt worden, die Öffentlichkeit rechtzeitig, umfassend und zuverlässig über die Planungen der Verwaltung zu informieren. Ihre anfängliche Empörung habe sich in offenen Protest verwandelt, weil gravierende Entscheidungen heimlich und über die Köpfe der Bürger hinweg gefällt worden seien.

„Es ging uns immer um die Zumutbarkeit für beide, für Flüchtlinge und für Anwohner“, sagt Anja Schleef, Vorsitzende des Vereins. Sie selbst habe der Gemeindeverwaltung vorgeschlagen, drei Blockhäuser für drei Familien auf das Grundstück in ihrer Nachbarschaft zu stellen, weil das zumutbar für alle sei. Überdies habe sie sich an der Suche nach Wohnraum für Asylbewerber in Barsbüttel beteiligt und einen „Runden Tisch“ vorgeschlagen, damit bei der Unterbringung ein größtmöglicher Konsens erzielt werden könne.

Die Anwohner der Barsbek ärgern sich zum Beispiel darüber, dass durch die Rodung eines wild gewachsenen Knicks, der ihre Grundstücke vom Nachbarareal trennt und vor Lärm schützt, schon Tatsachen geschaffen wurden, bevor über die Nutzung endgültig entschieden worden sei. Außerdem macht sie misstrauisch, dass der Bebauungsplan von der Gemeinde für zwölf Wohncontainereinheiten gestellt wurde.

Bürgermeister Thomas Schreitmüller hat bestätigt, dass der Bauantrag eine maximale Belegung vorsieht. Doch es seien tatsächlich nur zwei Doppelwohn- und ein Versorgungscontainer auf dem Grundstück geplant – und das auch nur als Notlösung für zwei Jahre, weil der Druck auf Barsbüttel durch den steten Strom von Asylbewerbern, die aufgenommen werden müssen, gewachsen sei. Anja Schleefs Kommentar: „Wir werden Herrn Schreitmüller beim Wort nehmen.“

Die Anwohner befürchten, dass die Asylbewerberunterkünfte der erste Schritt zur Nutzung des Nachbargrundstücks durch die Stadt sein sollen. „Der Not geschuldet könnte ich eine kurzfristige, temporäre Lösung akzeptieren. Ich ahne aber, dass dies nur eine vorbereitende Maßnahme ist“, sagt Anja Schleef und verweist auf die marode Obdachlosenunterkunft an der Straße Am Akku. „Was wäre, wenn das Gebäude dort abgerissen und durch neue Schlichtwohnungen an der Barsbek ersetzt würde?“, fragt sie. „Dann wäre die Grünfläche hier für immer passé. Wir brauchen aber einen Grüngürtel – die Naherholung ist einer der Gründe, warum wir in Barsbüttel leben.“