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Ahrensburg kämpft mit Krähenkot

Vögel schlafen in der Innenstadt. Morgens sind die Bürgersteige verdreckt. Neue Kolonie im Reeshoop-Viertel

Ahrensburg. Eigentlich sind Singvögel in den Bäumen ein Grund zur Freude. Für Saatkrähen scheint dies vielerorts nicht zu gelten, zwischen ihnen und den Menschen gibt es zwei Probleme: Krächzen und Kot. Jetzt ist das Ahrensburger Zentrum betroffen. „In der Innenstadt sitzen schätzungsweise 200 bis 300 Saatkrähen in den Bäumen“, schätzt die Ahrensburger Ornithologin Heinke Mulsow. „Sie sammeln sich in der Dämmerung im Gewerbegebiet und fliegen dann, sobald es dunkel ist, in die Innenstadt zum Schlafen.“ Dort finden sie auch im Winter zuverlässig Nahrung und haben keine natürlichen Feinde, die ihre Nachtruhe stören.

Würden die schwarzen Vögel in der Innenstadt nur schlafen, gäbe es vermutlich keine Schwierigkeiten in der Koexistenz. Doch die Tiere hinterlassen Spuren. „Es wirkt absolut unappetitlich, wenn vor dem Eingang meines Geschäfts der Bürgersteig mit Vogelkot bedeckt ist“, sagt Klaus Junge, der Eigentümer des Weinhauses Lafargue an der Hagener Allee.

Eine Straße weiter, an der Manhagener Allee, steht Jörg Boy vor dem Feinkostgeschäft Delikatessen Boy. Er wird noch deutlicher: „Es ist schlicht und einfach eklig, die Bürgersteige sind voll von oben bis unten.“ Er sei bereits von vielen Kunden darauf angesprochen worden. „Und nun schrubbe ich jeden Morgen mit heißem Wasser den Gehweg. Wenn man das nicht macht, trocknet der Kot fest, und dann verdreckt es hier wirklich.“

Bei einem Treffen des Zusammenschlusses der Ahrensburger Kaufleute, dem Stadtforum, hat er die Schwierigkeiten kürzlich angesprochen. „Das ist ein massives Problem für Ahrensburg. Wir wollen uns nun etwas überlegen und dann auf die Stadt zugehen“, sagt Boy.

Im Rathaus ist das Thema durchaus bekannt. „Das ist ein generelles Problem, nicht nur in Ahrensburg“, sagt Jan Richter vom Fachbereich Umwelt. „Saatkrähen sind ja sehr intelligente Vögel, die zudem ganzjährig unter Schutz stehen. Es ist extrem schwierig, ihrer Herr zu werden.“ Das sei etwa in Bad Oldesloe und Bargteheide zu beobachten. Dort gibt es Brutkolonien, das ist in Ahrensburg nicht der Fall.

Um die Saatkrähen aus den Wohngebieten zu verscheuchen, wurden in den vergangenen Jahren unter anderem vor der Brutzeit Astgabeln aus den Bäumen geschnitten, um die Tiere am Nestbau zu hindern. In Bargteheide wurde mit Schreckschusspistolen in die Luft geschossen. Und natürliche Feinde der Krähen, die Uhus, wurden in Bad Oldesloe ausgewildert. „Der Erfolg war allerdings mäßig“, sagt Jan Richter.

Für die dreckigen Bürgersteige sei die Stadt auch nicht unbedingt zuständig. „Das ist erst der Fall, wenn etwa eine Bedrohung für die Gesundheit besteht. Das müssen wir gegebenenfalls prüfen“, sagt Richter.

Ingo Ludwichowski, Sprecher vom Naturschutzbund Schleswig-Holstein (Nabu), hält nicht viel von der Methode, die Krähen durch Schreckschusspistolen zu vertreiben. „Das führt nicht ansatzweise zu einer Lösung des Problems – die Kolonien werden verteilt und suchen sich einen neuen Platz.“ Dass Krähen sich in der Stadt so wohl fühlen, erklärt er damit, dass sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum nur noch schwer Nahrung finden. „Das Verhältnis der Saatkrähen-Kolonien hat sich umgedreht. Früher lebten zwei Drittel auf dem Land, heute leben zwei Drittel in der Stadt“, sagt Ludwichowski.

Die jüngsten Bestandszahlen des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume sind aus dem Jahr 2012. Damals wurden in Schleswig-Holstein etwa 26.300 Brutpaare erfasst. In Bad Oldesloe wurden damals 560 Nester, in Bargteheide 270 Nester gezählt. Eine erneute Zählung wird es erst im Jahr 2015 geben.

Bis dahin werden in Ahrensburg vermutlich ein paar mehr Krähen hinzugekommen sein. Im Reeshoop-Viertel an der Hermann-Löns-Straße gibt es jetzt Nester. „Dort wird das Problem wohl noch dringender werden“, sagt die Vogelkundlerin Heinke Mulsow. „Wenn man aber versucht, die Vögel zu vertreiben, verteilen sie sich nur.“ Und dann hätten noch mehr Leute ein Problem mit ihnen. „Es ist sinnvoller, nichts zu tun und die Leute aufzuklären.“

Zumindest in der Ahrensburger Innenstadt könnte sich die Lage bald entspannen. „Im Frühjahr, wenn die Vögel brüten, sollte sich das Problem von selbst erledigen“, sagt Heinke Mulsow. Dann kehren die Saatkrähen in ihre Brutkolonien zurück.

Bis zum kommenden Winter bleibt die City sauber. „Aber das ist halt Natur“, sagt Mulsow. „Es sind eben geschützte Singvögel. Auch wenn sie nicht schön singen.“