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Oststeinbek

Mord in Oststeinbeker Feldmark

Spaziergängerin findet morgens männliche Leiche. Identität des Toten ist unklar. Obduktion soll Hinweise bringen

Oststeinbek . Eine Spaziergängerin hat am Mittwochmorgen in der Feldmark bei Oststeinbek einen ermordeten Mann gefunden. Die Frau alarmierte sofort die Polizei. Ihr Notruf ging um 7.33 Uhr bei der Hamburger Einsatzzentrale ein. Der Fundort an der Ziegeleistraße im Ortsteil Havighorst ist nicht weit von der Hamburger Landesgrenze entfernt.

Unklar ist, wer der Tote ist. „Dazu können wir noch keine Angaben machen“, sagt der Lübecker Oberstaatsanwalt Günter Möller. Und Polizeisprecherin Carola Aßmann bestätigt lediglich, dass „es sich um ein Tötungsdelikt handelt“.

Die Polizisten aus Hamburg sperrten den Fundort großräumig mit rot-weißem Flatterband ab und informierten um 7.48 Uhr die Kollegen in Lübeck, die den Fall übernahmen. Den ganzen Tag über suchten die Fahnder nach Hinweisen. Die in weiße Schutzanzüge gekleideten Experten von der Spurensicherung nahmen auch die Leiche genauer unter die Lupe. Ermittler im Polizeihubschrauber überflogen das Areal, um Übersichtsaufnahmen zu machen.

Unklar ist auch noch, wie der Mann mit den kurzen schwarzen Haaren, der eine dunkle Daunenjacke trug, genau ums Leben gekommen ist. Genauso wenig steht fest, ob er am Fundort getötet wurde oder schon vorher tot war und an der Ziegeleistraße womöglich aus einem Auto geworfen wurde.

Der Fundort der Leiche befindet sich knapp einen Kilometer entfernt von den letzten Häusern am Ende der Ziegeleistraße in Havighorst. Es handelt sich um einen kleinen Feldweg aus Sand, der in den Havighorster Weg mündet. Er ist umgeben von großen Bäumen sowie hohen Büschen, und er ist deshalb von der asphaltierten Straße aus nur bedingt einsehbar.

Noch am Mittag war rund ein Dutzend Polizisten am Einsatzort. Zwei Beamte der Oststeinbeker Wache sicherten den Bereich Ecke Ziegeleistraße/Feldweg. Etwa 250 Meter weiter, am Ende des Sperrbereichs, standen mehrere Kollegen aus Bad Oldesloe in ihren dunkelblauen Uniformen.

Auf dem etwa zwei Meter breiten Weg verstellten zwei Fahrzeuge der Lübecker Beamten den freien Blick auf den Fundort. Dahinter arbeiteten drei Kollegen der Spurensicherung sowie ein Rechtsmediziner. Immer wieder hockten sie sich neben den Toten, standen wieder auf und gingen zu den Autos. Gegen 13 Uhr verließ einer von ihnen den Fundort, stieg in ein blaues Polizeiauto und fuhr davon.

Während der Mittagszeit kamen zahlreiche Passanten vorbei: Spaziergänger, Fahrradfahrer, Jogger und Menschen mit Hunden. Barbara Loy, 54, aus Reinbek geht fast täglich mit ihrem Labrador Tinka in der Feldmark spazieren, meistens am Vormittag. Der Schrecken über die Tatsache, dass dort ein Getöteter gefunden worden war, stand ihr ins Gesicht geschrieben. Wie versteinert war ihre Miene, als sie die Polizeiautos und die Männer in weißen Schutzanzügen erblickte. Sie sagte: „Es ist so ruhig und schön hier. Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass hier ein Mensch umgebracht oder ein Toter einfach abgelegt wurde.“

Sie habe schon von Weitem gesehen, dass etwas anders ist als sonst. „Normalerweise stehen hier nicht so viele Menschen an einem Punkt und dazu auch noch solche, die Kameras haben. Aus der Distanz habe ich erst gedacht, die drehen hier einen Film“, sagte Loy. Währenddessen stoppte ein Jogger vor dem Polizeiwagen, der nur wenige Meter neben dem Absperrband abgestellt war. Seine tägliche Route, so sagte er, führe über den Feldweg. „Das geht wohl heute nicht?“, fragte er die Beamten. Die schüttelten nur mit dem Kopf. Viele Worte wollten sie nicht verlieren. Als der Jogger im nächsten Moment erfuhr, dass nur 100 Meter weiter eine Leiche lag, erstarb das Lächeln in seinem Gesicht. Von Neugier jedoch keine Spur. Weitere Fragen stellte er nicht – und setzte seinen Weg in Richtung Havighorst fort.

Berührt und geschockt – das war auch Ludwig Bohn aus Glinde. Der Rentner geht mit seiner Frau hier jeden Tag spazieren. Die Eheleute standen vor dem Feldweg und blickten auf die Männer in den weißen Schutzanzügen. „Das erinnert mich wieder an Glinde, wo ein Arzt vor Wochen seine zwei Kinder umgebracht hat“, sagte die Frau. Sie könne einfach nicht verstehen, dass Menschen so etwas machen.