Stormarn
Bargteheide

Ausstellung gibt den NSU-Opfern ein Gesicht

Zwölftklässler der Bargteheider Anne-Frank-Schule führen durch die Schau

Bargteheide. Die zehn Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) bekommen ein Gesicht. Ihre Biografien, Fotos aus ihren privaten Alben, Äußerungen ihrer Angehörigen – all das ist nun in einer Ausstellung im Lernatelier der Bargteheider Anne-Frank-Schule (Emil-Nolde-Straße 9) zu sehen. „Die menschliche Darstellung, das ist das Besondere an dieser Ausstellung“, sagt Leonhard Seidl vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB). Ein Aspekt, der seines Erachtens bislang viel zu wenig gewürdigt worden ist, auch von den Medien.

Und diejenigen, die den Besuchern diesen besonders persönlichen Zugang zu den traurigen Schicksalen der Mordopfer präsentieren, sind Schüler selbst. Die Zwölftklässler haben sich etwa drei Wochen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, nun führen sie Schüler der achten, neunten und zehnten Klassen durch die Ausstellung und geben ihr Wissen weiter. „Ich meine, dass das ein sehr wichtiges und auch interessantes Thema ist“, sagt Anne Singelmann, 18, eine der Schülerinnen.

Auch die gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen wird thematisiert

Zu sehen sind 22 Schautafeln. Da geht es eben um die Opfer, neun von ihnen Migranten aus der Türkei und Griechenland, die aus rassistischen Gründen umgebracht wurden. Die meisten von ihnen hatten mehr als 15 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet. Die deutsche Polizistin Michelle Kiesewetter war das zehnte letzte Opfer des NSU.

Der zweite Teil beleuchtet die Neonaziszene in Deutschland in den 90er-Jahren. Es geht dabei aber auch um die Frage, warum die Mordserie so viele Jahre nicht aufgedeckt wurde. Die gesellschaftliche Aufarbeitung der Verbrechen nach dem Auffliegen des NSU ist ein weiterer Aspekt. „Es gibt in den Strukturen der Ermittlungsbehörden bis heute keine tiefgreifenden Veränderungen“, kritisiert Stiftungsmitarbeiter Seidl.

Die Wanderausstellung wurde in den Jahren 2012 und 2013 von der Diplom-Sozialwirtin Birgit Mair, 47, im Auftrag des ISFBB konzipiert. Seit gestern ist sie in der Anne-Frank-Schule zu sehen. Dabei können nicht nur Schüler einen Blick auf die Tafeln werfen. Auch die Öffentlichkeit ist willkommen, und zwar noch an diesem Donnerstag in der Zeit von 8 bis 16 Uhr.

Von Bargteheide aus geht’s nach Hessen: Im März ist die Ausstellung in Kassel zu sehen.