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Tremsbüttel

Weichenstellung in Bahnhofsfrage

Erstmals Zahlen bei Einwohnerversammlung in Tremsbüttel. Politiker stimmen erneut über die S-4-Haltestelle ab

Tremsbüttel. Wird der Bahnhof in Tremsbüttel entgegen bisheriger Beschlüsse doch aus dem Ortsteil Kupfermühle an den Fischbeker Weg verlegt? Nach der Einwohnerversammlung zum Thema scheint die Entscheidung darüber wieder völlig offen.

Der Bauausschussvorsitzende Jörg Müller von der Kommunalen Wähler-Gemeinschaft (KWG) präsentierte den rund 100 Zuhörern erstmals Zahlen. In die bestehende Haltestelle Kupfermühle müsste die Gemeinde im Zuge des Ausbaus der Strecke für die S-Bahnlinie 4 nur 26.000 Euro investieren. Ein neuer Bahnhof am Fischbeker Weg würde inklusive Zufahrt und Parkplätzen schätzungsweise 280.000 Euro kosten, davon könnten knapp 140.000 Euro als Zuschuss kommen. Eine bisher nicht betrachtete dritte Variante – ein Neubau am Bahnübergang an der Twiete, schlüge mit rund einer Million Euro (mit Förderung noch 481.000 Euro) zu Buche.

Bei der Abstimmung im Vorjahr hatten sich die Gemeindevertreter mehrheitlich für den Erhalt von Kupfermühle ausgesprochen. Doch seit der Kommunalwahl im Mai hat die KWG mit acht von 13 Sitzen die absolute Mehrheit im Ortsparlament – und schon damals war die Wählergemeinschaft für den Fischbeker Weg. Ob seine Vereinigung den Beschluss jetzt rückgängig macht, will Bürgermeister Norbert Hegenbart noch nicht verraten. „Jeder muss nach seinem Ermessen entscheiden und die Kriterien für sich gewichten“, sagt der KWG-Politiker. „Es gibt innerhalb der Fraktion Mitglieder, die den Fischbeker Weg präferieren. Aber einige sagen auch, der Haltepunkt kann bleiben, wo er ist.“

Sein Parteikollege Axel Funck hat sich dagegen schon festgelegt. „Die Option, den Bahnhof zu verlegen, ist in Anbetracht der möglichen Entwicklung Tremsbüttels zwingend“, sagt er. Im Hauptort Tremsbüttel könnte ein Neubaugebiet entstehen, im direkt am Haltepunkt Kupfermühle gelegenen Sattenfelde aber nicht. Die Entwicklung der Einwohnerzahl mache eine Verlegung des Bahnhofs nötig.

Jürgen Queiser, ebenfalls KWG-Mitglied, hält es für sinnvoll, dass die Wählergemeinschaft geschlossen abstimmt. „Wir sollten das in der Fraktion besprechen und nüchtern die Fakten betrachten.“ Wichtig sei auch, die Kosten im Auge zu behalten und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Schließlich sei das Projekt sehr langfristig. Es gebe zudem keine Bestandsgarantie für einen Bahnhof in Tremsbüttel, egal an welchem Haltepunkt.

SPD und CDU kündigten an, dass sie ihrer Linie treu bleiben werden und für den Erhalt des Bahnhofs Kupfermühle eintreten. Allerdings hätten die beiden Volksparteien mit ihren zusammen fünf Sitzen keine Chance, sollte die Wählergemeinschaft geschlossen abstimmen.

Die Initiative „Wir für S 4“ hatte die Bahnhofsfrage mit einer Unterschriftensammlung wieder auf die Tagesordnung gebracht und die Einwohnerversammlung gefordert. Sprecherin Simone Lobbel: „Die Bahnhofsfrage gehört nicht hinter verschlossene Türen.“ Die Initiative will, dass die Bürger miteinbezogen werden.

Für Tim Thode, Sprecher der Initiative „Pro Bahnhof Kupfermühle“, hat die Versammlung keine neuen Argumente für eine neue Haltestellen ergeben. „Jetzt wurden endlich Zahlen und Kosten genannt“, sagt er, „wie schlüssig diese sind, ist offen.“ Zum einen seien alles nur Schätzungen, zum anderen seien die Fördermittel keinesfalls sicher. Für ihn wiegen die Probleme, die ein Neubau am Fischbeker Weg mit sich bringen würde, schwer: Anlieger müssten für den Ausbau der Straße bezahlen und auch Teile ihrer Grundstücke abgeben. Sollte das nicht freiwillig geschehen, seien sogar Enteignungsverfahren zu befürchten. Thode erwartet, dass sich die Kommunalpolitiker jetzt klar positionieren:

Der Tremsbütteler Bauausschusses diskutiert am Donnerstag, 27. Februar, ab 19.30 Uhr im Gemeindezentrum (Hauptstraße 66) über die Ergebnisse der Einwohnerversammlung. Die Gemeindevertreter haben noch bis zum 27. März Zeit, sich endgültig zu entscheiden. Dann müssen sie über den Bahnhofsantrag abstimmen.

Für die Landesweite Verkehrsservicegesellschaft (LVS), die das 630-Millionen-Euro Projekt S 4 plant, besteht noch kein Zeitdruck. Sprecher Benjamin Werner: „Noch sind wir erst in der Vorentwurfsplanung, da sind Änderungen ohne Probleme möglich.“ Baubeginn ist frühestens 2018.