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Ahrensburg

Mein Verein ... hält die Augen im Namen der Sicherheit auf

Das Abendblatt stellt Vereine aus der Region vor. Dieses Mal an der Reihe sind die Bürger für Sicherheit Ahrensburg. Die Mitglieder absolvieren mit Handy und Notizblock Beobachtungsgänge.

Ahrensburg. Klaus-Peter Trost flaniert nicht zum Entspannen durch sein Stadtviertel im Ahrensburger Süden. Wenn der Mann mit den grauen Haaren, dem freundlichen Gesicht und den wachen Augen unterwegs ist, dann passt er auf wie ein Schießhund. Einen Notizblock und sein Handy hat der Vorsitzende des Vereins Bürger für Sicherheit Ahrensburg (BfS) bei seinen Spaziergängen stets griffbereit. Trost: „Außergewöhnliche und verdächtige Beobachtungen notiere ich, manchmal informiere ich umgehend die Polizei.“ Klaus-Peter Trost ist nicht allein auf den Straßen der Stadt unterwegs. Er hat rund 130 Mitstreiter.

400 Mitglieder hat der Verein, rund ein Drittel davon ist aktiv

35 Gründungsmitglieder riefen den Verein Bürger für Sicherheit im Jahr 1996 ins Leben. Trost: „Es war eine Zeit, in der Ahrensburg von einer Einbruchswelle überrollt wurde.“ Etwas mehr als 400 aktive und fördernde Mitglieder machen heute mit. Dabei geht es den Vereinsmitgliedern nicht darum, auf Verbrecherjagd zu gehen, Trost: „Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern die der Polizei.“

Es geht um nachbarschaftliche Wachsamkeit. Trost: „Wenn potenzielle Einbrecher die Gegend ausbaldowern, dann fallen Anwohnern Fremde eher auf als den Polizisten.“ Um ihre Beobachtungsgänge zu organisieren, haben die Vereinsmitglieder die Stadt Ahrensburg in elf Gebiete eingeteilt. Jedes Gebiet wird von einem Ansprechpartner im Verein betreut; ihm stehen die aktiven Mitglieder zur Seite.

Vorstandsmitglied Jürgen Martens kümmert sich um das Stadtzentrum. Ihm ist wichtig, zu sagen, dass der Verein und die Arbeit der Mitglieder auf dem Prinzip der Freiwilligkeit funktioniert. Die aktiven Mitglieder laufen nicht vorgelegte Strecken ab und bekommen auch keinen Zeitplan. Martens: „Es geht darum, dass sie die Augen offen halten, wenn sie unterwegs sind – auf dem Weg zur Arbeit, mit dem Hund beim Gassigehen oder wenn sie zum Einkaufen fahren.“

Rund 30.000 Beobachtungsgänge kommen so im Jahr in etwa zusammen – und jede Menge Hinweise für die Polizisten in der Ahrensburger Wache. Martens: „Wie oft hinter unseren Beobachtungen Straftaten stecken, erfahren wir aber nicht.“

Klaus-Peter Trost lobt die gegenseitige Unterstützung: „Die Polizeileitung ermuntert uns, in Zweifel lieber einmal mehr als einmal zu wenig anzurufen.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Kripo ist eng. „Wir sind für jedes wachsame Auge dankbar“, sagt Kripo-Chef Ralf Lorenzen, „daher schätzen wir die Arbeit und das Engagement des Vereins sehr.“ Lorenzen kommt auch zur nächsten Mitgliederversammlung. Dann wird er über die Entwicklung der Kriminalität in Ahrensburg und Stormarn sprechen.

Eine andere Aufgabe, der sich die Bürger für Sicherheit angenommen haben, ist Kriminalitätsprävention. Trost: „Wir unterstützen Schulprojekte finanziell, bei denen Kinder lernen, sich zu wehren.“ Zudem organisiert der Verein Infoveranstaltungen für Senioren. „Bei den Vorträgen werden sie über die neuesten Maschen der Kriminellen aufgeklärt“, sagt der Vorsitzende.

Bei Veranstaltungen lernen ältere Menschen, wie sie durch selbstbewusstes Auftreten beispielsweise Taschendiebe fernhalten können. Diese Arbeit ist dem Vorstand besonders wichtig. Trost: „Viele ältere Menschen sind ängstlich, sie gehen dann in der Dunkelheit nicht mehr gern aus dem Haus.“ Die Vereinsmitglieder wollen Lebensqualität zurückgeben. „Es darf nicht sein, dass Senioren aus Angst vor Verbrechern abends auf Theater, Konzerte und Restaurantbesuche verzichten.“

Erfolg des ehrenamtlichen Einsatzes lässt sich nicht messen

Das Vereinsleben ist eher überschaubar. Klaus-Peter Trost: „Es gibt alle drei Monate einen Stammtisch, an dem wir uns austauschen.“ Seltener unternehmen die Mitglieder Ausflüge. Ihre Aufgabe sei es schließlich auch nicht, Geselligkeit zu organisieren, sondern Wachsamkeit, finden Martens und Trost.

Den Erfolg ihrer ehrenamtlichen Arbeit messen, das können die Mitglieder von BfS nicht. Jürgen Martens: „Da wir viel präventiv arbeiten, wissen wir nicht, wie viele Verbrechen wir verhindern.“ Einige Fälle sind allerdings bekannt, so wurde beispielsweise ein Taschendieb in der Rathausstraße überführt.

Martens: „Bevor unser Mitglied die Polizei rufen konnte, war sie schon da.“ Zwei Beamte in Zivil nahmen den Dieb fest. Auch die Polizei rückte schon mal ins Visier. Trost: „Einem Mitglied fielen Fremde im Viertel auf. Die Männer saßen stundenlang im Auto und beobachteten die Umgebung.“ Als er die Polizei rief, stellte sich heraus, dass die verdächtigen Herren Zivilpolizisten auf der Jagd nach Einbrechern waren.