Stormarn
Gotteshaus

Die Ahrenburger St. Johanneskirche ist jetzt eingezäunt

St. Johanneskirche, Pastorat und Gemeindesaal im Westen der Stadt stehen seit Montagnachmittag hinter einem zwei Meter hohen Bauzaun. Und gut 40 Angehörige der Gemeinde sind kurzerhand mit eingezäunt worden.

Ahrensburg. Der Kirchengemeinderat, das Leitungsgremium der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg, hat seiner Ankündigung Taten folgen lassen: St. Johanneskirche, Pastorat und Gemeindesaal im Westen der Stadt stehen seit Montagnachmittag hinter einem zwei Meter hohen Bauzaun. Der soll dafür sorgen, dass Unbefugten der Zutritt zu der leer stehenden Liegenschaft an der Rudolf-Kinau-Straße verwehrt bleibt. Und gut 40 Angehörige der Gemeinde sind kurzerhand gleich mit eingezäunt worden. Das haben sie sich allerdings selbst ausgesucht – ein Zeichen des Protests gegen den Zaunbau zu Ahrensburg wie ganz allgemein gegen die Schließung des Gotteshauses.

Förderverein hat Telefonkette organisiert

Klaus Tuch vom Förderverein St. Johannes hat seit den frühen Morgenstunden immer wieder einen Blick auf das Grundstück geworfen. Die Mitglieder haben sich verabredet: Wenn die Arbeiter anrücken, dann wollen sie in großer Zahl erscheinen. Eine Telefonkette ist organisiert. Noch harren sie gespannt der Dinge, die da kommen. Der Zaun lässt auf sich warten.

Und dann naht er in Gestalt eines mit Metallgittern beladenen, weißen Mercedes-Lastwagens. „Kalli kommt“ ist darauf zu lesen. „Der Zaun kommt“, denkt Klaus Tuch und greift zum Telefon. Es vergehen nur wenige Minuten, dann strömen die Gläubigen herbei zu ihrer Kirche, die seit dem Sommer vergangenen Jahres eine geschlossene Kirche ist, und versammeln sich vor dem verriegelten Portal.

Unterdessen macht sich der Lastwagenfahrer ans Werk, der gar nicht Kalli heißt, sondern Jan Eggert. Er ist ein freundlich dreinblickender, älterer Herr mit grauem Rauschebart, der eine kreisrunde Metallbrille trägt und einen braunen Hut. „Wissen Sie, dass Sie wie Pettersson von Pettersson und Findus aussehen?“, fragt eine Dame. „Ja, das höre ich oft“, antwortet Jan Eggert. Die Stimmung ist gelöst, gegen den Zaunlieferanten richtet sich kein Groll. Fast scheint es den Umstehenden leid zu tun, dass Herr Eggert die schweren Zaunelemente ganz allein tragen muss. Aber ihm zu helfen, das bringen sie dann doch nicht fertig.

Klaus Tuch erklärt: „Wir sitzen hier friedlich, bis jemand Anstoß daran nimmt.“ Offiziell hat der Kirchengemeinderat den Zaunbau zwar mit der ihm obliegenden gesetzlichen Verkehrssicherungspflicht begründet und als Forderung der Versicherungen dargestellt (wir berichteten). Doch Klaus Tuch formuliert, wovon alle um ihn herum überzeugt sind: „Er wird ja aufgebaut, um uns daran zu hindern, hier zu sein.“ Insofern werde jemand Anstoß nehmen. „Und dann fordern wir Frau Botta (Pastorin und Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Anm. d. Red.) auf, herzukommen und sich zu bequemen, mit uns zu sprechen.“

Niemand nimmt Anstoß an spontaner Demonstration

Jan Eggert, der aussieht wie Herr Pettersson, baut schnell. „30 Meter werden’s wohl am Ende sein“, sagt er und steckt das nächste Element in einen schweren Betonfuß. Cordula Dörmann vom Förderverein und ein paar andere Frauen machen zwischendurch einen kleinen Spaziergang über das verwaiste Kirchengrundstück, blicken durch die Fenster ins Gemeindehaus, in dem sich keine kirchlichen Gruppen mehr treffen. Es ist bitter kalt, Gefrierpunkt. Vorn vor dem Kirchenportal halten sich die Wartenden mit Singen warm: „Komm Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen“. Jan Eggert ist mit dem Aufbau fast fertig, jetzt muss er noch alle Zaunelemente mit Schellen miteinander verbinden.

Klaus Tuch guckt auf die Uhr. Gut eine halbe Stunde ist vergangen, seit der Zaunbau begonnen hat. Und noch immer hat niemand Anstoß daran genommen, dass sie alle sich hier versammelt haben. Also greift Tuch zum Handy, um Anja Botta davon zu unterrichten, dass hier gerade etwas Unerlaubtes geschieht. Aber Botta nimmt nicht ab. „Das geht hier aus wie das Hornberger Schießen“, sagt Klaus Tuch.

Jan Eggert guckt auf die Uhr. Fertig. „Eine Stunde. Aber nur, weil ich mich zwischendurch so nett unterhalten habe.“ Er steigt in seinen Laster, „Kalli kommt“ rumpelt die Rudolf-Kinau-Straße in Richtung Schimmelmannstraße davon. Am Zaunelement gegenüber dem Kirchenportal hat er keine Schelle angebracht. Irmgard Hübner kommt mit einem Topf dampfender Steckrübensuppe.

Am kommenden Sonntag wollen sie sich wieder treffen und wie jede Woche an diesem Ort beten. Geschützt von dem neuen Bauzaun. So lange, bis jemand merkt, dass sie etwas Unerlaubtes tun. Und wohl auch darüber hinaus.