Trittau

Schwere Vorwürfe gegen Gastwirt

Betreiber des „Alten Bahnhofs Trittau“ soll mit Sparclub-Geld untergetaucht sein. Auch Vermieterin fordert 22.000 Euro

Trittau. Nach dem Aus der Kultkneipe „Alter Bahnhof“ in Trittau macht sich bei vielen Menschen jetzt Wut breit. Denn der Inhaber soll den Sparclub „Zum letzten Heiermann“, der sich dort wöchentlich getroffen hatte, um 24.500 Euro betrogen haben. Außerdem schuldet er der Vermieterin rund 22.000 Euro. „Ich bin sauer und enttäuscht“, sagt Kirsten Zacharias.

Die Vermieterin steht inmitten von Müllbergen, die der Gastwirt in der Kneipe hinterlassen hat. Leere Speiseölfässer und verdorbene Lebensmittel liegen zwischen Plastiktüten und altem Geschirr. „Ich brauche mehrere Container, um das alles zu entsorgen“, sagt die 65 Jahre alte Vermieterin und fügt hinzu: „Auf den Kosten dafür werde ich sitzen bleiben.“

Genauso hat sie auch die Hoffnung verloren, dass der Gastwirt seine Mietschulden begleichen werde. Seit sechseinhalb Jahren vermietet Zacharias das Gebäude an der Straße Am Bahnhof an Koppe. Schon seit langem habe er die Miete nicht mehr überwiesen. „Er tat mir leid. Er hat immer alles versucht, um den Laden zum Laufen zu bringen“, so die Großhansdorferin, die am 19. Dezember die Notbremse gezogen hat.

„Kurz zuvor hatte mich der Bierlieferant angerufen und gesagt, dass Koppe ihm noch 20.000 Euro schulde. Außerdem sind die Mitglieder des Sparclubs auf mich zugekommen und haben mir gesagt, dass er ihr gespartes Geld unterschlagen habe“, so Zacharias, die Koppe daraufhin fristlos kündigte.

Genauso wütend wie die Vermieterin sind auch die 38 Mitglieder des Sparclubs. Jede Woche zahlten sie mindestens fünf Euro, einige sogar 100 Euro, in ihr Sparfach, das in der Kneipe an der Wand hängt. Seit Ende der 80er-Jahre gibt es den Club. „Wir hatten immer zwei Kassenwarte, die die Fächer wöchentlich leerten und das Geld zur Bank brachten“, sagt ein Sparer, der nicht namentlich genannt werden möchte. Im Februar dieses Jahres bot Bernd Koppe den Clubmitgliedern an, das Gesparte zur Bank zu bringen. Er genoss das Vertrauen seiner Gäste, die zustimmten. Am 14. Dezember sollte das Geld wie in den Jahren zuvor bei einer großen Feier ausgezahlt werden. Doch Koppe sagte den Termin ab. „Er habe es organisatorisch nicht mit dem Essen hinbekommen“, sagt der Sparer.

Die Clubmitglieder haben zwischen 400 und 4000 Euro gespart

Der Inhaber vertröstete den Club auf den 17. Dezember. „An diesem Tag standen wir vor verschlossenen Türen, auf denen ein Zettel klebte, dass die Kneipe geschlossen sei“, so der Sparer. Er und die anderen Mitglieder wurden daraufhin misstrauisch. „Wir gingen zur Bank und fragten nach dem Sparclub-Konto. Dort bekamen wir die Auskunft, dass seit März kein Cent mehr eingezahlt wurde.“

Die 38 Sparer erstatteten am 18. Dezember gegen Bernd Koppe Strafanzeige wegen Unterschlagung. „Da haben einige kräftig gespart“, sagt Polizeisprecherin Sonja Kurz, die die Anzeige bestätigt. Laut Sparclub sollen die Mitglieder zwischen 400 und 4000 Euro in den vergangenen Monaten eingezahlt haben. Geld, das sie vielleicht nicht mehr wiedersehen werden.

„Ich glaube nicht, dass wir unser Erspartes zurückbekommen. Der Inhaber hat zu viele Geldsorgen“, so das Mitglied. Dennoch wollen die Sparer für ihr Recht kämpfen. Auf dem Konto des Clubs seien noch 635 Euro. „Mit diesem Geld wollen wir einen Anwalt bezahlen.“ Mitte Januar wollen sich die Mitglieder treffen und das weitere Vorgehen gegen Koppe besprechen. Bis dahin hofft Kirsten Zacharias, die Kneipe vom Müll befreit und vielleicht sogar einen neuen Mieter gefunden zu haben.

Bernd Koppe war am Freitag trotz mehrfacher Anrufe für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Montag hatte er noch gegenüber dem Abendblatt gesagt, dass sich das Geschäft nicht mehr gelohnt und er deswegen die Kneipe kurzfristig geschlossen habe.

2007 hatte Koppe den „Alten Bahnhof“ eröffnet. Der Gastwirt lockte seitdem internationale Musiker nach Trittau. Sein Konzept war, keinen Eintritt zu nehmen und den Umsatz über den Verkauf von Getränken zu machen. Eine feste Gage sollen die Künstler ebenfalls nicht bekommen haben. Nach dem Auftritt ging ein Hut rum, in den die Gäste Geld warfen.

Koppe hinterlässt dreiste Nachricht an Sparer und Vermieterin

Doch in den vergangenen Monaten blieben die Gäste aus. Koppe spielte schon Anfang 2013 mit dem Gedanken, die Musikkneipe zu schließen. Doch dies tat er nicht und veruntreute seitdem offenbar das Geld des Sparclubs. Wo sich Koppe derzeit aufhält, ist unklar. Niemand kann ihn derzeit erreichen. Er hinterließ in der Kneipe auf dem Tresen einen gelben DIN-A-4-Zettel, auf dem handschriftlich geschrieben stand: „Geschlossen Ihr Penner! Fliege jetzt auf die Malediven.“