Antonia Thiele

Reinbeker Pharmabetrieb wächst

Allergopharma baut für 40 Millionen Euro neues Produktionsgebäude. Arbeitsplätze sollen so gesichert werden

Reinbek. Das in Reinbek ansässige Pharmaunternehmen Allergopharma will sich vergrößern. Am Donnerstag setzen Vertreter der Firma und des Mutterkonzerns Merck gemeinsam mit Ralph Müller-Beck, Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium, Reinbeks Bürgermeister Axel Bärendorf und Nicole Marquardsen, Geschäftsführerin des Verbandes der Südholsteinischen Wirtschaft (VSW), den symbolischen ersten Spatenstich für einen Erweiterungsbau auf dem Gelände.

Rund 40 Millionen Euro zahlt das Darmstädter Unternehmen Merck für den Neubau auf dem Werksgelände an der Hermann-Körner-Straße im Gewerbegebiet. Das zweistöckige Gebäude, bald Haus 10, soll die bisherigen Produktionsräume ersetzen. Die Summe ist laut Allergopharma-Geschäftsführerin Uta Kemmerich-Keil die höchste Investition in der Geschichte der Reinbeker Firma, die 1969 gegründet wurde und sich auf die kausale Behandlungen von Allergien des Typs 1, zu denen Heuschnupfen und allergisches Asthma gehören, spezialisiert hat.

Die Firma, die sich als Experte für Spezifische Immuntherapie versteht, mithilfe derer die Ursache von Allergien behandelt wird, ist seit Anfang des Jahres zu 100 Prozent Tochter des Unternehmens Merck. Seit der Gründung von Allergopharma ist Merck größter Gesellschafter und erwarb im Dezember vergangenen Jahres auch noch die ausstehenden Anteile.

Die Investition sei, so Kemmerich-Keil, ein „wichtiger Meilenstein für den internationalen Ausbau des Allergiegeschäftes und für die Zukunftssicherung des Standortes in Reinbek“. Das alte Gebäude, das nun ersetzt werden soll, entspreche nicht mehr den Anforderungen des Geschäftes.

In der neuen Produktionsstätte, die voraussichtlich 2016 fertiggestellt wird, sollen zunächst etwa 40 Mitarbeiter beschäftigt sein. Die 6000 Quadratmeter Nutzfläche werden für Produktion und Betriebstechnik genutzt, sollen aber auch Ausbaukapazitäten für eine spätere Labornutzung und für ein Besucherfoyer beinhalten.

Im Bereich der Produktion beschäftigt Allergopharma etwa 120 Mitarbeiter. Neue Arbeitsplätze werden mit dem Neubau zunächst nicht geschaffen. „Der Neubau soll vor allem dazu dienen, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt Allergopharma-Sprecher Gerd Eschholz.

Das Standortbewusstsein von Pharmaunternehmen hob Staatssekretär Müller-Beck (SPD) in seiner Ansprache hervor. Dieses sei in der Branche besonders ausgeprägt. „Allergopharma ist ein typisches schleswig-holsteinisches Unternehmen“, sagte Müller-Beck. Der Medizinbereich sei im Land sehr stark vertreten und genieße vonseiten des Ministeriums besondere Aufmerksamkeit.

Geschäftsführerin Kemmerich-Keil betonte, der Markt der Hyposensibilisierung, auf dem Allergopharma ein führendes Unternehmen sei, werde weiter an Bedeutung gewinnen. „Allergien sind schon fast zur Volkskrankheit geworden, und die Zahl der Betroffenen nimmt massiv zu.“ Daher sei die Erweiterung des Firmengebäudes entscheidend für die Umsetzung der „internationalen Wachstumsstrategie“ des Betriebs.

Vier Jahre sind seit der Entwicklung der Projektidee bis zum ersten Spatenstich vergangen. Müller-Beck lobte diese lange Planungsphase. „So vermeidet man Fehler“, sagte der Staatssekretär, der, wie seine Mitstreiter auch, in einen Friesennerz gekleidet zur Schaufel griff.

Am Markt, so sagte Müller-Beck, könnten Pharmaunternehmen nur überleben, wenn sie immer wieder durch außergewöhnliche Innovation überzeugten. „Wir sollten es uns dringend bewahren, diese Fähigkeit nach vorn zu treiben.“

Er wies weiter darauf hin, dass Unternehmen wie Allergopharma das Land Schleswig-Holstein stärkten, aber auch Deutschland im weltweiten Kontext nach vorn brächten. Allergopharma will künftig unter anderem auch den chinesischen Markt bedienen.

Staatssekretär Müller-Beck sprach bei seinem Besuch auf dem Werksgelände von einem „stabilen und wachsenden Standbein“, das Allergopharma habe. Die Betriebserweiterung sichere nicht nur Arbeitsplätze, sondern die gesamte Region könne von ihr profitieren.