Ahrensburg

Ein Künstler erzählt vom Pferd

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Volker Tiemannn zeigt Absurdes im Ahrensburger Marstall. Zur Finissage ist ein Katalog erschienen

Ahrensburg. Es steht kein Pferd auf dem Flur. Es steht ein Glas Wasser auf dem Pferd. Und das ist mindestens so seltsam, aber tatsächlich im Ahrensburger Marstall zu bestaunen. Dort sind noch mehr so wunderliche Dinge zu sehen, die Besucher mit einem Lächeln wieder von dannen ziehen lässt.

20 Arbeiten diesen Kalibers hat Volker Tiemann den Besuchern in den Weg gestellt. Die Zusammenstellung der verrückten Installationen ist selbst ein Kunstwerk. Wie in einem Spielzeugzimmer für Große können Menschen mit Sinn für Humor durch den Raum gehen – vorbei an einer Hundehütte, aus der eine in Metall gehauene Botschaft ragt. „CHR CHR“ ist da zu lesen und als Geräusch eines verschnarchten Wachhundes zu deuten.

In einer anderen Ecke prangt ein Modellhäuschen. Darüber schwebt ein Schirm. Die Erklärung des Künstlers geht so: „Ein Fenster ist erleuchtet. Die Besucher können ins Badezimmer spähen und hören dazu von einer Tonspur, wie Menschen unter der Dusche singen.“ Regenschirm, Dusche, Wasser. Klar. Witzig ist die Arbeit aber auch ohne Erklärung, auf den ersten Blick. Dabei gibt es in der Schau Anspielungen zuhauf, die beim zweiten Blick hinter der lustigen Oberfläche durchscheinen.

Zwei Schuhe stehen da. Die Hacken hoch. Die Schnürsenkel offen. Alles aus Holz gearbeitet, so wie die meisten Exponate im Marstall. Der Mensch zum Schuh ist weg. „Der Künstler nach dem Sprung in die Leere“, heißt die Installation, die auf den französischen Performancekünstler Yves Klein hinweist, der 1960 in einer Kleinstadt seinen berühmten Sprung ins Leere wagte. „Meine Schuhe stehen hier als Symbol dafür, dass ich zwar nicht hier, mit meinen Werken aber doch irgendwie da bin“, sagt Tiemann und lacht. Er liebt solche Doppeldeutigkeiten.

Unordnung und frühes Leid? Nein „Anordnung und Klarheit“ ist die Ausstellung überschrieben. Auch hier setzt Tiemann auf das Hintergründige. Denn die Assoziation an den Titel der Novelle von Thomas Mann, in der es um das Bewahren der Vergangenheit und den Rückzug ins Private geht, ist mit Sicherheit gewollt – als gedanklicher Gegenpol. Der Bildhauer dreht das Prinzip um. Er zeigt avantgardistische Kunst, die das Private öffentlich macht und dem Alltäglichen dabei eine absurde Bedeutung gibt. „Der Titel ‚Anordnung und Klarheit’ passt aber auch, weil die Arbeiten Präzision voraussetzen“, sagt Kunsthistoriker Klaus Beuckers, der mit seiner Frau Christine Korte-Beuckers, ebenfalls Kunsthistorikerin, die Texte für den jetzt von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn herausgegebenen Katalog geschrieben hat.

Die Schau ist vom 6. bis 8. Dezember, jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zur Finissage am Sonntag kommt Landrat Klaus Plöger, um ab 11.30 Uhr mit Volker Tiemann über Kunst zu sprechen und zu steiten.

( (M.T.) )

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