Moment mal!

Die Kunst, einen Croque zu essen

Eine Glosse von Michael Schick

Warum nicht mal wieder einen Croque essen wie früher in Frankreich und zu Zeiten, als wir weder in Döner noch in Falafel beißen konnten? Wenige Minuten später sitze ich schon vor dem knackigen Doppeldecker und will lustvoll reinbeißen. Doch halt, da war doch was: Wie bekommt man das Riesenteil samt Krautsalat, Schinken und Käse unfallfrei in Mund und Magen? Wer gedankenlos zubeißt, hat mit ziemlicher Sicherheit Zehntelsekunden später die zwar leckere, aber ebenso widerspenstige Kräutersoße auf dem Hemd. Also Messer und Gabel. Doch die Schneide ist harmlos, und der Gebrauch des Tafelwerkzeugs ist auch komplett stillos. Während ich noch über die richtige Taktik grübele, kommt ein Kollege, grinst mitleidig und berichtet von seinen Hot-Dog- Erlebnissen. Auch beim amerikanischskandinavischen Klassiker bedrohen Ketchup, Senf oder Remoulade die saubere Weste. Selbst der geübte Döner- Esser kommt meist nicht ohne Soße an den Fingern davon. Aber zurück zum Croque: „Nimm doch den Belag runter, und iss alles einzeln“, rät der Kollege, der als regelmäßiger Kunde eines schwedischen Möbelhauses zum Pölser-Profi geworden ist. Ich entscheide mich für den Weg der vielen kleinen Bisse, verputze das Weißbrot fleckenfrei. Allerdings hat die Mittagspause dafür nicht gereicht, und der Croque war am Ende weder heiß noch kross. Das war es dann mit den kulinarischen Erinnerungen an Frankreich und früher.

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