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Firma stoppt das Verfahren zum Kiesabbau in Grande

Foto: Thomas Stade

Am zweiten Tag des Erörterungstermins in der Trittauer Sporthalle hat das Unternehmen überraschend verkündet, das Kiesabbau-Verfahren vorerst aussetzen zu wollen. Entscheidung folgt Ende Februar.

Grande. Am zweiten Tag des Erörterungstermins in Sachen Kiesabbau in Grande hat sich eine überraschende Wende vollzogen. Nach der Mittagspause, um kurz nach 14 Uhr, verkündete ein Vertreter der Glinder Firma Koops, das Verfahren werde vorerst ausgesetzt. "Für uns ist die Aussetzung des Verfahrens ein toller Erfolg", sagte Grandes Bürgermeister gut eine Stunde nach der Verkündung. Heinz Hoch gegenüber der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn: "Jetzt haben wir erst einmal Ruhe." Drei Monate habe die Firma Koops als Antragssteller nun Zeit, sich zu überlegen, ob sie das Verfahren weiterführen wolle. "So lange können wir uns beruhigt zurücklehnen. Vor dem 21. Februar werden wir wohl kaum etwas Neues hören."

Auf Nachfrage des Abendblattes erklärte der Geschäftsführer der Firma Koops, Hubert Grundt, das Unternehmen werde sich in dieser Sache nicht weiter äußern. Heinz Hoch vermutet, dass der seit Jahren aktive Protest der Gemeinden Grande, Witzhave und Kuddewörde letztlich dazu geführt hat, dass das Unternehmen, das auf einer Fläche von rund 81 Hektar eine Kiesgrube bauen wollte, das Verfahren nun gestoppt hat. "Die waren wohl sehr überrascht von unserem Widerstand und auch von unserem Kenntnisstand. Damit hatte die Firma nicht gerechnet", sagt der Bürgermeister.

Schon am ersten Tag des bis Freitagabend anberaumten Erörterungstermins hatten immer wieder Betroffene das Wort ergriffen und auf mögliche Verfahrensfehler und Mängel im Ablauf aufmerksam gemacht. "Als die Anhörung abgeblasen wurde, hatten wir noch nicht einmal zehn Prozent besprochen. Wir hätten die Tagesordnung niemals bis Freitagabend durchgekriegt", sagt Heinz Hoch. "In vielen Punkten wurden ganz eklatante Mängel deutlich."

So hatten am Mittwoch immer wieder Bürger die Frage aufgeworfen, ob Koops möglicherweise unerlaubt Bohrungen auf Privatgrund durchgeführt und so den Quarzanteil festgestellt habe. Weil sich in dem Sand Quarzanteile von 87 bis 90 Prozent befinden sollen, muss das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eine Genehmigung für das Projekt erteilen.

Jann Tieken, stellvertretender Bürgermeister von Witzhave, sagt, er habe am Donnerstag noch einmal darum gebeten, dass die angeblichen Zusagen von Anwohnern, aufgrund derer nach Angaben der Firma gebohrt wurde, anonymisiert vorgelesen werden. "Das Bergbauamt hat das verweigert und gesagt, das sei nicht seine Aufgabe." Auch Tieken glaubt, dass der Druck der Gemeinden und die rund 1100 Einwendungen dazu geführt haben, dass Koops das Verfahren nun aussetzt.

Das Bergbauamt bestätigte, die Firma habe "unter dem Eindruck der vorgebrachten Stellungnahmen und Einwendungen" erklärt, prüfen zu wollen, ob der Antrag aufrecht erhalten werden solle. Das Genehmigungsverfahren werde bis zum 21. Februar ausgesetzt.

Für die Betroffenen ein großer Erfolg. "Es war ein sehr emotionaler Moment", sagt Tieken. Auch Claudia Heydelmann-Nagel, Gemeindevertreterin in Kuddewörde, sagt, "sehr glücklich" über das überraschende Aus zu sein. "Ich habe drei Mal in meinem Leben geweint: Als ich meine beiden Kinder zur Welt gekommen sind und heute."

Das Thema ist für die Betroffenen damit nicht erledigt. "Die Politik ist nun gefragt: Am Bergbaugesetz muss dringend etwas geändert werden", sagt Heydelmann-Nagel. Das Gesetz sei "völlig veraltet". "Wir Bürger sind Teil der Demokratie. Während der vergangenen eineinhalb Tage habe ich mich jedoch völlig hilflos gegenüber der Behörde gefühlt." Die Landespolitik, das zieht die Gemeindevertreterin aus der Situation, müsse dringend merken, dass die Bürger in Schleswig-Holstein "ein mahnendes Auge auf den Naturschutz" hätten.

Auch der Grünen-Bundestagabgeordnete für den Wahlkreis Herzogtum-Lauenburg/Stormarn-Süd, Konstantin von Notz, bezeichnet das Bergrecht als "intransparent und bürgerfeindlich". Dass die Antragsteller in Grande vorerst gescheitert seien, mache deutlich, wie wenig das Bergrecht "aus dem vorletzten Jahrhundert in unsere Zeit" passe.

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