Hamberge

Hamberge, das Ein-Parteien-Dorf

In der Gemeinde im Norden Stormarns regiert nur die CDU. Bürgermeister Paul Friedrich Beeck sieht darin kein Problem

Hamberge. „Für Zuhörer sind unsere Sitzungen jetzt wahrscheinlich ziemlich langweilig“, befürchtet Bürgermeister Paul Friedrich Beeck. Seit Mai dieses Jahres sitzt er ausschließlich mit CDU-Parteikollegen in der Hamberger Gemeindevertretung. Fast jeder Beschluss wird einstimmig angenommen oder abgelehnt, Streitereien gibt es nicht, langwierige Diskussionen bleiben aus. Eben all das, was normalerweise zwischen Regierung und Opposition stattfindet, gibt es in Hamberge nicht.

„Bei uns geht alles demokratisch zu, wir sind schließlich keine Diktatur“, sagt Bürgermeister Beeck. Bei den jüngsten Kommunalwahlen war keine andere Partei oder Wählerinitiative in der Lage, mit einem kompletten Team gegen die CDU anzutreten. Das Wahlergebnis war demnach schon vorauszusehen: 100 Prozent der Stimmen gingen an die Christdemokraten. Eine außergewöhnliche Situation, die für die schwarze Gemeindevertretung vor allem eines bedeutet: Überzeugungsarbeit zu leisten, dass in dem Ein-Parteien-Dorf nicht gemauschelt oder geklüngelt wird. „Es gibt regelmäßig Einwohnerversammlungen, zu denen jeder Hamberger herzlich eingeladen ist. Wir veröffentlichen unsere Berichte im Internet, außerdem bin ich für jeden Bürger auch immer persönlich erreichbar. Wir wollen unsere Politik weiterhin so offen wie möglich gestalten, damit nicht der Eindruck entsteht, wir nutzen unsere Stellung aus.“ Außerdem schaue ihnen ja schließlich auch die Presse auf die Finger, sagt der 66-jährige Beeck, der seit sieben Jahren das Bürgermeisteramt der 1500-Seelen-Gemeinde im Norden Stormarns inne hat.

So manch Hamberger sieht das Ein-Parteien-Parlament seines Dorfes kritisch. „Die SPD ist einfach nicht in Erscheinung getreten“, sagt zum Beispiel Anke Saget. Sie lebt seit fünf Jahren in Hamberge. „Das ist schade, denn als Bürger wünscht man sich mindestens zwei Parteien, die sich gegenseitig kontrollieren.“ Und trotzdem will Anke Saget nicht klagen. „Die CDU hat bisher alles ganz gut im Griff. Am meisten überzeugt mich die Schuldenfreiheit unserer Gemeinde. Wer so gut rechnen kann, dem gebe ich gern meine Stimme.“ Blind vertraut sie der Dorfregierung aber nicht. Die Altenpflegerin informiert sich regelmäßig über Beschlüsse und Entscheidungen, die in der Gemeindevertretung gefällt werden. „Sobald mir etwas nicht passen würde, wäre ich die Erste, die beim Bürgermeister vor der Tür steht.“

Einer, der die Stange für die SPD in Hamberge weiter hoch hält, ist Jochen Witt. Der 49-Jährige war bis Mai als Gemeindevertreter aktiv und sitzt nun – als einziger Vertreter seiner Partei – als bürgerliches Mitglied im Finanzausschuss. Auf verlorenem Posten? „Nein“, so Jochen Witt. „Ich habe mich gefreut, als die CDU mich gefragt hat, ob ich Teil des Ausschusses sein will. Es herrscht ein vernünftiges, konstruktives Miteinander, ich kann meine Meinung äußern und werde bei allen Entscheidungen einbezogen.“ Trotzdem wünscht sich der IT-Fachmann, dass bei der nächsten Kommunalwahl 2018 auch tatsächlich wieder eine Wahl zwischen mehreren Parteien möglich ist. „Die CDU-Kollegen machen ihre Sache gut. Aber es gibt immer wieder das eine oder andere Thema, das wir anders anpacken würden.“

SPD-Wähler gebe es in Hamberge genug, es fehlten nur geeignete Parteigenossen, die sich aufstellen lassen. „Diese Art von Ehrenamt leidet unter den allgemeinen Bedingungen, die heutzutage herrschen. Viele meiner Kollegen sind so stark in ihren Beruf eingebunden, dass kaum noch Platz für politisches Engagement bleibt. Andere sehen keine Chance, etwas verändern zu können, und wollen ihre freie Zeit nicht für eine verantwortungsvolle, in ihren Augen aber unsinnige Aufgabe opfern.“ Dabei mache Politik gerade auf kommunaler Ebene Spaß, ist Jochen Witt überzeugt. Schließlich könne man so sein direktes Umfeld mitgestalten, positive Veränderungen bewirken und damit nicht zuletzt die eigene Lebensqualität erhöhen.

So sieht das auch Bürgermeister Beeck, der in Hamberge aufgewachsen ist und seit 1975 für die CDU im Gemeinderat sitzt. „Mich haben als Jugendlicher ein paar Dinge hier im Dorf gestört, deswegen wollte ich mich aktiv einbringen. Ich habe schnell gemerkt, dass man vieles auf die Beine stellen und bewegen kann. Seitdem hat mich die Politik nicht mehr losgelassen.“ Der ehemalige Landwirt geht davon aus, bei der nächsten Wahl in viereinhalb Jahren wieder gegen eine andere Partei antreten zu müssen. „Das ist auch gut und richtig so. Ich denke, in diesem Fall gab es ein rein personelles Problem, das die SPD innerhalb der nächsten Jahre sicher wieder in den Griff bekommen wird.“

Mit großen Auseinandersetzungen innerhalb der Gemeindevertretung rechnet der Bürgermeister aber selbst dann nicht. „Auch als die SPD mit noch drei Personen im Parlament vertreten war, gab es fast nur einstimmige Beschlüsse.“ Woran liegt es, dass Hamberge es schafft, Politik ohne das verbreitete Hauen und Stechen zu betreiben? „Wir sehen uns alle in erster Linie nicht unserem Parteibuch, sondern dem Wohle der Gemeinde und dem Dorf verpflichtet“, sagt Paul Friedrich Beeck. „Es haben sich einfach nie großartige Streitpunkte entwickelt. Hätten wir die, gäbe es vielleicht auch mehr Widerspruch, Endlosdiskussionen und Uneinigkeit. Und außerdem“, setzt er augenzwinkernd dahinter, „war Streiten im Gegensatz zu guter Zusammenarbeit noch nie unsere Stärke.