Reinbek

Bei Gericht geht’s um die Wurst

Reinbekerin soll Essensgeld veruntreut haben, statt davon Lebensmittel für Kinder zu kaufen

Reinbek. Hat Sandra J. (Name geändert) den Betreuungsverein Klosterbergen fast zwei Jahre lang betrogen und rund 10.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet? Dieser Frage geht jetzt das Amtsgericht in Reinbek nach. Die Staatsanwaltschaft wirft der 54-Jährigen 136 Taten vor, in denen sie statt Essen für die Kinder der Reinbeker Grundschule Klosterbergen zu kaufen ihren eigenen Kühlschrank gefüllt habe. Die geschiedene Reinbekerin mit den schwarzen, streichholzlangen, auftoupierten Haaren schweigt zu den Tatvorwürfen.

Quittungen wiesen Produkte aus, die nie auf den Tisch kamen

Anders die Schulleiterin und Vorsitzende des Vereins, Katrin Rabe. „Es war ein glücklicher Zufall, dass wir den Betrug aufgedeckt haben“, sagt die 53-Jährige. Denn hungern mussten die rund 50 Schüler nicht. Für die hatte Sandra J. immer Essen gekauft und gekocht. „Meine Kollegen hatten aber das Gefühl, da stimmte etwas nicht, und kontrollierten die Rechnungen“, so die Schulleiterin.

Dort waren Dinge aufgelistet, die laut Rabe nie auf den Tisch kamen: „Die Kinder frühstücken bei uns nicht. Es gibt nur Mittagessen.“ Deswegen ist für die Schulleiterin auch klar, dass J. Brot, Käse und Wurst nicht für die Kinder, sondern für sich selbst gekauft habe. „Wie kommen Sie darauf, dass das alles für den Eigenverbrauch war?“, wollte die Richterin wissen. Rabe: „Wir haben die Essenspläne seit Januar 2009 mit den Einkaufsbelegen kontrolliert, und da gibt es viele Ungereimtheiten.“ Auch sei verdächtig, dass bei Aldi, Edeka und Penny oft kleine Mengen bestimmter Lebensmittel gekauft worden seien. „Das passt nicht. Kocht man für so viele Kinder, braucht man größere Mengen,“

Für die Verteidigerin der Angeklagten gibt es indes viele Ungereimtheiten bei der Auflistung der Schulleiterin. „Oft steht im Essensplan nur Nudelauflauf. Woher wollen Sie denn wissen, ob da nicht Wurst oder Käse drin war?“ Fast schon gereizt auf diese Fragen antwortet Rabe: „Weil die Kinder keine Wurst mögen.“

Neben der Gereiztheit ist bei der Zeugin auch eine deutliche Enttäuschung über den Vertrauensbruch zu spüren. Vor mehr als zehn Jahren habe J. als Mutter den Verein mit aufgebaut. Sei so engagiert gewesen, dass sie dort angestellt wurde und habe ein derartiges Vertrauen genossen, dass sie eine EC-Karte bekam, um damit die Einkäufe zu bezahlen. „Ich fühle mich als Vereinsvorsitzende so schlecht, schließlich sind das Elternbeiträge, die da veruntreut wurden“, so Rabe.

Angeklagte kaufte auch Staubsauger und Kaffeemaschine

Auch wenn sich am ersten Tag der Hauptverhandlung nicht klären ließ, ob und wie viel Lebensmittel veruntreut wurden, kann dennoch von Betrug gesprochen werden. Denn mit der Zeit kaufte Sandra J. auch drei Staubsauger, eine Kaffeemaschine, Bücher und Salben in einer Apotheke. Nachdem der Betrug aufflog, brachte sie die Sachen zum Betreuungsverein. Ob dies als Schuldeingeständnis zu werten ist, wird das Gericht am 28. November klären müssen. Zur Fortsetzung des Prozesses sind weitere Mitarbeiter des Vereins als Zeugen geladen.