Reinbek

Politiker wollen Axel Bärendorf nicht halten

Reaktionen auf den angekündigten Rückzug des Reinbeker Bürgermeisters

Reinbek. Der Tag, an dem er den Spekulationen um seine berufliche Zukunft ein Ende setzte – für Axel Bärendorf war es keiner wie jeder andere. Zahlreiche Mitarbeiter des Rathauses bedankten sich bereits am Morgen per Mail für die Zusammenarbeit, andere kamen persönlich vorbei. Einige bekundeten Verständnis für seine Entscheidung. Bärendorf: „Andere haben signalisiert, dass sie sich im Stich gelassen fühlen.“ Am Freitag berichtete die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn exklusiv über den geplanten Rückzug des Bürgermeisters. Wenige Stunden zuvor hatte der Amtschef die rund 200 Mitarbeiter der Verwaltung in einer Rundmail davon in Kenntnis gesetzt, dass er bei der Wahl im Mai kommenden Jahres von sich aus nicht mehr kandidieren werde. Schnelle Rückmeldungen aus den Parteien oder Fraktionen bekam der 56-Jährige nicht. Kein Wunder: Die Reinbeker Politiker wollen ihn nicht mehr. Bärendorf hatte seine Entscheidung damit begründet, dass ihm der Rückhalt fehle, den er sich wünsche.

Seinen Abschied am 31. August kommenden Jahres können jetzt nur noch die Stadtverordneten verhindern, indem sie ihn erneut vorschlagen. Dann müsste der Amtschef zur Verfügung stehen, will er seine Pensionsansprüche nicht verlieren. Hans Helmut Enk, Fraktionsvorsitzender der CDU: „Ich habe nicht das Gefühl, dass eine Partei ihn vorschlägt.“ Damit würde man dem Amtsinhaber auch keinen Gefallen tun, schließlich habe er seine Pensionsansprüche voll. Bei seiner Wahl 2008 wurde der parteilose Bärendorf noch von den Christdemokraten unterstützt.

Ein Nachfolge-Kandidat soll der SPD bereits abgesprungen sein

Enk, der als erster stellvertretender Bürgermeister nah am Chef der Verwaltung dran ist, habe über ihn nichts zu meckern. „Bärendorf ist ein guter Verwaltungsfachmann. Er hat die Reorganisation im Rathaus vorangebracht und den Haushalt ordentlich verwaltet.“ Hinzu komme, dass Reinbek politisch nicht einfach zu handhaben sei. Wenn er ihm einen Vorwurf machen könne, dann diesen: „Er ist atmosphärisch nicht immer geschickt vorgegangen.“ Die CDU ist jetzt auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten. „Auf jeden Fall muss es ein Beamter sein. Denn bei einem Angestellten würden der Stadt etwa 500.000 Euro an Mehrkosten für die Nachzahlung von Rentenansprüchen entstehen.“ Mit Personen habe man noch nicht besprochen.

Einen Schritt weiter ist offenbar die SPD. Enk weiß von Gesprächen mit einem Kandidaten. Allerdings sei der wieder abgesprungen. Das will Volker Müller, Fraktionsvorsitzender der Reinbeker Sozialdemokraten, so nicht bestätigen. Er sagt: „Wir werden einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken und haben zu dem Thema bereits eine Arbeitsgruppe gebildet. Ich hoffe, bis Ende des Jahres eine geeignete Person gefunden zu haben.“ Bärendorfs Entscheidung, nicht wieder zu kandidieren, sei richtig. Es habe sich irgendwie angedeutet. Anerkennung zollt Müller dem Verwaltungschef für die Erweiterung der Sachsenwaldschule. „Auch dem Land gegenüber war er immer sehr konfliktbereit, um Reinbeker Interessen durchzusetzen“, sagt Müller.

Für Günther Herder-Alpen, Fraktionsvorsitzender der Grünen, kommt der Schritt Bärendorfs nicht überraschend: „Wer sich wieder wählen lassen will, der tritt auch dementsprechend auf. Das war bei ihm nicht der Fall.“ Er bezeichnet den Bürgermeister zwar als „Verwaltungsfachmann mit Kompetenz“, es habe aber Themen gegeben, wo man gehörig aneinander geraten sei: „Die Abschaffung des autarken Umweltamtes hat uns gar nicht geschmeckt. Bei seinem Amtsantritt hatte er etwas anderes versprochen. Das war Etikettenschwindel.“ Wie alle anderen Fraktionschefs hatte auch Herder-Alpen ein Schreiben Bärendorfs Anfang September nicht beantwortet. Darin signalisierte der Bürgermeister seine Bereitschaft zur Erfüllung der gesetzlichen Pflichten. Im Klartext: Wenn ihr mich unterstützt, trete ich erneut an.

Das wollte auch die FDP nicht, wenn auch aus anderen Gründen. Der Fraktionsvorsitzende Bernd Uwe Rasch: „Das Zerwürfnis zwischen Verwaltung und Parteien war so groß, das wäre nicht förderlich für Bärendorfs Gesundheit gewesen.“ In Reinbek gebe es einige politische Vertreter, die grundsätzlich Probleme in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung hätten. „Ich hatte den Eindruck, Bärendorf konnte sich wegen der Reibereien nicht mehr begeistern“, sagte Rasch.

Laut Bürgervorsteher Ernst Dieter Lohmann (CDU) habe der Bürgermeister keinen großen Rückhalt mehr gehabt. Forum-21-Politiker Heinrich Dierking möchte Bärendorfs „persönliche Lebensplanung nicht kommentieren“. Er schlägt aber vor, Bürgermeister künftig nur noch durch Stadt- und Gemeindevertretung wählen zu lassen.