Freiwillig? Sozial? Ja!

Das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ, ist bei jungen Menschen beliebt. Auch nach Aussetzen der Wehrpflicht mangelt es Institutionen nicht an Helfern. Drei Beispiele

Als vor etwas mehr als zwei Jahren die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, waren die Befürchtungen bei Ingo Loeding groß. „Wir wussten damals nicht, ob wir unsere Leistungen würden aufrecht erhalten können. Keiner konnte uns sagen, ob sich genug Freiwillige melden würden“, erinnert sich der Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes in Stormarn. Die Angst war unbegründet. Loeding: „Es bewerben sich sehr viele auf einen Platz im Freiwilligen Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst.“

Die Geschichte des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) geht bis in die 50er-Jahre zurück. In seiner heutigen Form beginnt es in der Regel entweder am 1.August oder am 1. September. Mitmachen können junge Menschen im Alter von 16 bis 27 Jahren. Neuesten Zahlen des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Soziales zufolge gab es im Dienszeitraum 2011/2012 genau 1850 sogenannte FSJler im Land. Sie arbeiten in Vollzeit, dreimal im Jahr gibt es begleitende Seminare, bei denen die Freiwilligen über Themen wie Rechtslage oder Umgang mit besonderen Personengruppen geschult werden. Sie bekommen Taschengeld, das vom Träger der Einrichtung gezahlt wird, bei der sie angestellt sind. Meist sind es weniger als 400 Euro im Monat.

Der verhältnismäßig geringe Lohn scheint die Freiwiligen nicht abzuschrecken. „Die Bewerberlage ist gut. Wir haben so viele junge Menschen, die sich beim Kinderschutzbund engagieren wollen, dass wir nach der Abschaffung der Wehrpflicht unsere Freiwilligenplätze von neun auf 14 aufgestockt haben“, sagt Ingo Loeding.

Gabriela Pfeifer, in der Oldesloer Asklepios Klinik für die FSJler zuständig, kann bestätigen, dass es viele junge Menschen gibt, die sich freiwillig melden. „Wir haben zehn Plätze für FSJler im Haus reserviert. In der Regel haben wir bis zu 20 Bewerbungen, sodass wir der Hälfte aller Bewerber leider absagen müssen“, sagt sie. Was ihr besonders auffällt, istdie hohe Motivation der meisten Freiwilligen. „Klar, es sind auch einige sehr junge dabei, die man ein bisschen an die Hand nehmen muss. Dennoch gilt, dass die meisten FSJler bei uns schon genau wissen, wo sie hinwollen und ihr Jahr bei uns als ersten Schritt sehen, zum Beispiel in ein Medizinstudium“, sagt Pfeifer.

Nicht in allen Stormarner Einrichtungen, in denen Freiwillige arbeiten, ist die Lage so gut wie beim Kindersxchutzbund oder inder Asklepios Klinik. „Wir haben nur eine FSJlerin, obwohl wir sechs Plätze für Freiwillige haben“, sagt Claudia Sonntag, Bereichsleiterin im Haus Gartenholz der Stormarner Wege in Ahrensburg. Über die Gründe kann sie nur spekulieren: „Unsere FSJlerin war auch die einzige Bewerberin. Sicher ist die Konkurrenz bei der Bewerbersuch unter den Einrichtingen groß, sogar hier im Kreis.“ Klar sei auch, dass die Einrichtung mit älteren Menschen arbeite, das könne schwierig sein. Von Personalnot möchte sie dennoch nicht sprechen, FSJler arbeiten in der Regel als Dritt- oder Viertkraft und unterstützen die Festangestellten. Die Chancen für Bewerber, einen FSJ-Platz zu Beginn des nächsten Freiwilligenzyklus im August 2014 zu bekommen, schätzt sie als sehr hoch ein.

Beim Bundesfreiwilligendienst dürfen auch Ältere mitmachen

Die Stormarner Wege bieten auch Plätze für Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst (BFD) an. Immerhin drei BFDler arbeiten so bei den Stormarner Wegen im Kreis mit. Die Eckdaten des BFD sind nahezu identisch mit denen des FSJ. Unterschiedlich ist, dass der BFD nicht im Ausland abgeleistet werden kann und vom Bund getragen wird. Und vor allem, dass er auch Menschen, die älter als 27 Jahre alt sind, offen steht. Laut Familienministeriums waren im August 2013 1102 Menschen in Schleswig-Holstein im BFD engagiert.

Egal ob BFD oder FSJ: Auffällig ist, dass sich viele Frauen als Freiwillige melden. „70 Prozent der Bewerber sind weiblich. Beim Zivildienst hatten wir nur Männer, insofern beobachten wir eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Ingo Loeding vom KSB. „Zu Zeiten des Zivildienstes kam es schon mal vor, dass es den einen oder anderen jungen Mann gab, dem man ansehen konnte, dass er keine Lust hatte hier zu sein. Das gibt es mittlerweile gar nicht mehr. Unsere Freiwilligen, Männer wie Frauen brennen für die Sache.“