Reinbek

Reinbek: Politik gegen Feuerwehr

Fraktionen lehnen gewünschten Neubau am Mühlenredder geschlossen ab. Sie arbeiten an gemeinsamer Alternative

Reinbek . Der Konflikt um den Neubau der Reinbeker Feuerwehrwache verschärft sich. Die Politik wird einen Neubau am Mühlenredder geschlossen ablehnen – das haben die Fraktionsvorsitzenden jetzt auf einem eigens einberufenen Gipfeltreffen beschlossen. Stattdessen wollen die Kommunalpolitiker einen Alternativplan vorlegen. Zwei Standorte sind dabei in der engeren Wahl. Das Problem: Die Feuerwehr hat diese schon geprüft und verworfen, auch die Verwaltung hält sie für ungeeignet.

Politiker sehen Gefahren für Kinder, wenn am Mühlenredder gebaut wird

Zumindest eines scheint nach dem politischen Gipfel klar zu sein: „Der Standort Mühlenredder ist vom Tisch“, sagt der SPD-Fraktionschef Volker Müller. „Allein schon wegen der Gefahren für die Schulkinder.“ Müller vertritt wie andere Politiker die Position, dass am Mühlenredder keine Feuerwehrwache gebaut werden dürfe, weil an der Straße auch das Schulzentrum liegt. Außerdem entsteht dort eine Kita. Die Ablehnung des Standortes ist jetzt politischer Konsens. Das bestätigt auch Hans Helmut Enk, Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Laut Volker Müller gibt es auch eine Absprache darüber, wie es weiter geht: „Wir werden die Verwaltungsvorlage am Donnerstag gemeinsam ablehnen.“ Müller bezieht sich auf eine Beschlussvorlage für den Feuerwehrausschuss, in der es nur eine Option gibt: nämlich den Bau eines neuen Feuerwehrhauses auf dem Grandplatz am Mühlenredder. Die Turn- und Sportvereinigung (TSV) Reinbek nutzt das städtische Gelände derzeit als Trainingsfläche, sie müsste Ersatz bekommen (wir berichteten). Alle anderen Standorte jedoch, die in der Vergangenheit diskutiert wurden, eignen sich laut Vorlage überhaupt nicht – in den meisten Fällen deshalb, weil die Feuerwehr von dort aus nicht schnell genug alle Stadtteile erreichen könnte. Es geht um die sogenannte Hilfsfrist, die zehn Minuten nicht überschreiten darf. Dass nur auf dem Grandplatz gebaut gebaut werden könne, ist seit längerem die Position der Feuerwehr, der sich die Verwaltung angeschlossen hat.

Unstrittig ist, dass der Handlungsdruck groß ist. Die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse (HFUK) hatte schon Anfang 2012 festgestellt, dass es gravierende Mängel an dem derzeitigen Gebäude an der Klosterbergenstraße gibt.

Die Politiker wollen nun einen „gemeinsamen Alternativplan“ erarbeiten, wie Hans Helmut Enk sagt. Dieser solle zur Sitzung des Feuerwehrausschusses am Donnerstag, 14. November, vorgelegt werden. Nach Abendblatt-Informationen sollen zwei Alternativen noch einmal in Augenschein genommen werden, die von der Feuerwehr und der Verwaltung bereits abgelehnt worden sind. Dabei handelt es sich um das Gelände des städtischen Bauhofes und um eine landwirtschaftliche Fläche in der Nähe der Straßen Steinerei und Kampsredder. Diese ist in Privatbesitz, die Stadt müsste sie kaufen.

Verwaltung bekräftigt: Alternative Standorte sind ungeeignet

Jürgen Vogt-Zembol, büroleitender Beamter in der Stadtverwaltung, bekräftigt, dass diese beiden Standorte aus Sicht der Verwaltung nicht geeignet sind. „Das Gelände ist durch den Betriebshof vollkommen ausgelastet. Für einen Neubau wäre einfach kein Platz, alle Freiflächen sind mit Material belegt. Und vom Kampsredder aus ließe sich ein Großteil von Hinschendorf nicht schnell genug erreichen.“ Das habe die Prüfung der Feuerwehrführung ergeben.

Die Politik zweifelt genau daran: „Man muss überlegen, wie man die Nutzung konzentrieren kann. Ich denke, das ist eine Organisationsfrage“, sagt Volker Müller über den Bauhof. Ferner will er die Berechnungen der Feuerwehr zur Hilfsfrist überprüfen. „Wir kommen auf ganz andere Ergebnisse, wenn wir nachrechnen“, sagt der SPD-Politiker. Folglich könne eine erneute Überprüfung ergeben, dass auch der Kampsredder ein geeigneter Standort wäre.

Gemeindewehrführer Karsten Hein möchte sich nicht negativ über die Politik äußern – aber die Frustration ist ihm anzumerken. „Wir prüfen nach den Eckdaten des Brandschutzes und nach den Grundlagen der Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren“, sagt er. Die jetzt neue ins Spiel gebrachten Standorte hält er weiterhin für ungeeignet, es drohe die Überschreitung von Hilfsristen. Mit konkreten Risiken für die Bevölkerung: „Ich möchte nicht derjenige sein, der einer Mutter erklären muss, warum wir ihr dreijähriges Kind nicht mehr aus einem Obergeschoss retten konnten.“ Die Politiker würden sich auf „ganz, ganz dünnes Eis“ begeben, wenn sie die Richtlinien der Feuerwehr ignorieren. „Hanebüchen“ nennt er das Argument, dass es Risiken für Kinder gebe, wenn am Mühlenredder gebaut wird. „Wir sind hier auch von Schulen umgeben“, sagt Hein, der betont, dass auch viele der Feuerwehrkameraden Eltern seien.

Wie auch immer eine Entscheidung ausfällt, die Zeit drängt. „Laut HFUK hätten wir eigentlich schon letztes Jahr handeln müssen“, sagt Bauamtsleiter Sven Noetzel. Er hoffe weiterhin, dass am Donnerstag eine „weise Entscheidung“ getroffen werde.