Reinbek

Die wohl längste Leinwand der Welt

Reinbeker Firma Michaelis fertigt 200 Meter langes Bild auf Canvas mit Holzrahmen. Guinness-Buch will den Weltrekord aber nicht anerkennen

Reinbek. 300 Meter waren ursprünglich das Ziel, 200 Meter sind es geworden. Doch auch das reichte der Reinbeker Firma Michaelis & Co. für einen Weltrekord: eine 200 Meter lange zusammenhängende Leinwand.

Es ist kurz vor 14 Uhr, als immer mehr Mitarbeiter aus dem Firmengebäude herauskommen. In wenigen Minuten wollen sie die riesige Leinwand präsentieren. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite machen sich Personalleiterin Daniela Rysz und Katherina Wehmeyer, Assistentin der Geschäftsführung, zum Schwenken der Fähnchen bereit. Diese zeigen an, wie die Kollegen die Leinwand halten müssen. „Keiner der Mitarbeiter hat die Bilder auf der Leinwand bis jetzt gesehen“, sagt Marketingleiter Ricardo Normann.

Die Spannung steht allen ins Gesicht geschrieben. 150 Mitarbeiter heben die Leinwand gemeinsam an und schauen gespannt, was sie da in den Händen halten. Nachdem die Beschäftigten das überdimensionale Bild wieder abgelegt haben, bestaunen sie das Kunstwerk. Einige lachen, als sie sich auf den Bildern wiedererkennen. Erleichtert stellt Normann fest: „Alles ist nach Plan gelaufen.“ Am Himmel waren schon dunkle Regenwolken zu sehen, aber es fängt erst nach der Präsentation an zu tröpfeln.

Die Idee für den Weltrekord des längsten Leinwandbildes auf Canvas und einem Holzrahmen kam vom Divisionsleiter Siebdruck und Werbetechnik, Simon Steckmeister. Auch wenn das Guinness-Buch den Rekord nicht offiziell anerkennen wollte, ließ das Team nicht von seinem Vorhaben ab.

„Wir hatten trotzdem vor, die Aktion für die Mitarbeiter zu machen, um zu zeigen, was wir zusammen alles schaffen können“, sagt Steckmeister. Er erzählt weiter, dass im Unternehmen eng zusammengearbeitet werde, man sich aber aufgrund der Größe des Geländes nicht immer persönlich sehe. „Mit dieser Aktion erreichen wir, dass alle an einem Ort zusammenkommen“, fügt Marketingleiter Normann hinzu. Es gebe nun ein weiteres besonderes Ereignis, an das sich die gesamte Belegschaft zurückerinnern könne. Dies soll den Zusammenhalt stärken.

Aus der Idee sollte Wirklichkeit werden, als die Inhaber das Vorhaben abgesegnet hatten. Dann ging es in die Planung. „Wir bildeten einen Arbeiterkreis, der sich für die Umsetzung unseres Projektes engagieren sollte“, erzählt Ricardo Normann. Es sei die Frage aufgekommen, wie denn überhaupt die Mitarbeiter das Unternehmen sehen. Demzufolge wurden vier neue Kameras angeschafft, die durch alle Abteilungen gereicht wurden. Sie waren auch an den Standorten Berlin und Kiel – insgesamt wurden 1500 Bilder geschossen. Die prägnantesten wurden dann ausgewählt und am Ende auf die 200 Meter Leinwand gedruckt.

An drei Tagen lief die Druckmaschine ganze 18 Stunden lang, um die Leinwand auch rechtzeitig fertigzustellen. Ein Mitarbeiter hatte die Aufgabe, den fertigen Teil des Gedruckten aufzurollen, damit auch wirklich nichts kaputtgehen konnte. Steckmeister erklärt: „Normalerweise werden rund 30 Meter an einem Stück für Werbezwecke gedruckt. Weil sich die Mitarbeiter allerdings gut mir unseren Geräten auskennen, hatte wir die Möglichkeit, die Geräte entsprechend einzustellen.“

Am Freitag um 9 Uhr traf sich das Team dann, um den Weltrekord in Angriff zu nehmen. „Nachdem alle Materialien am richtigen Ort waren, wurde um 10.30 Uhr angefangen, alles zusammenzubauen. Als erstes musste der Rahmen auf den Boden gelegt und verschraubt werden. Als diese Arbeit erledigt war, hatten vier Kollegen die Aufgabe, die Bilder auszurollen. „Dann mussten wir alles nur noch mit den Elektrotackern befestigen“, sagt Normann . Insgesamt waren zehn Mitarbeiter im Sondereinsatz

Im Laufe der Aktion hat auch der Marketingleiter viel Neues gelernt. Er hatte beispielsweise nicht gewusst, dass auch eigene Fotografen im Unternehmen tätig sind. Im Anschluss an die Präsentation waren alle Mitarbeiter dann zu einem kleinen Grillfest eingeladen und unterhielten sich angeregt über das lange Kunstwerk.

Die Aktion war erfolgreich. „Wenn wir mit einer weiteren guten Idee und einem ebenso guten Konzept an unsere Inhaber herantreten, werden sie uns mit Sicherheit auch ein weiteres Mal bei so einer Aktion unterstützen. Wir wollen zeigen, dass Michaelis mehr ist als nur ein Papiergroßhändler, wie viele unserer Kunden denken“, sagt Normann.

Der Grund dafür, dass die Leinwand doch nur 200 Meter lang geworden ist und nicht wie geplant ganze 300 Meter, klingt simpel. Steckmeister: „Das Gelände war einfach nicht groß genug, um die 300 Meter auszubreiten.“