Bargfeld-Stegen

B 75 auf neuer Route in Stormarn

Bundesstraße führt nicht mehr durch Bargteheide und Ahrensburg. Bargfeld-Stegen fürchtet mehr Verkehrslärm

Bargfeld-Stegen. Die Bundesstraße 75 auf Stormarner Gebiet zwischen Elmenhorst und der Hamburger Landesgrenze soll ab 2015 vom Land Schleswig-Holstein unterhalten werden. Grund für die Herabstufung des Abschnitts, der durch Bargteheide, Delingsdorf und Ahrensburg führt, ist ein Konzept des Bundesministeriums für Verkehr, nach dem Bundesstraßen, die weniger als fünf Kilometer entfernt von einer Autobahn parallel zu dieser verlaufen, in die Hände der Länder übergehen sollen. Diese müssen dann auch für die Instandhaltung der Straßen zahlen. Betroffen davon ist auch der B-75-Abschnitt auf Hamburger Gebiet, der dann von der Hansestadt unterhalten wird.

„Der Bund ist jedoch verpflichtet, die B 75 in ordnungsgemäßem Zustand an das Land zu übergeben“, sagt Jens Sommerburg, Niederlassungsleiter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) in Lübeck. So solle ein Abschnitt zwischen Delingsdorf und Bargteheide sowie einer um Elmenhorst saniert werden, bevor das Land in die Verantwortung tritt.

Zu dem Konzept gehört auch, dass ein Netzzusammenhang der Straßen hergestellt werden soll. Aus diesem Grund wird die Landesstraße 82, die die B 75 ab Elmenhorst mit der B 432 verbindet, zur Bundesstraße heraufgestuft. Die Straße führt durch Bargfeld-Stegen, die örtlichen Gemeindevertreter diskutierten am Montagabend über das Thema. „Die Verwaltung muss erst einmal prüfen, welche Konsequenzen die Heraufstufung für unseren Ort hat. Dafür werden wir nun Gespräche mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr führen“, sagt Bargfeld-Stegens Bürgermeister Andreas Gerckens (CDU).

Zurzeit sei es noch zu früh, um die Auswirkungen abzuschätzen. „Es kann jedoch nicht angehen, dass der Straßenaustausch zu Lasten der Gemeinde geht.“ Eine Sanierung wie an der jetzigen B 75 wird an der L 82 wohl nicht nötig sein. „Da ist vor nicht allzu langer Zeit viel gemacht worden“, sagt LBV-Niederlassungsleiter Sommerburg.

Hauptthema der Verhandlungen werde die Straßenentwässerung sein, sagt Bürgermeister Gerckens. „Bei einer Landesstraße ist die Gemeinde Eigentümer des Entwässerungskanals. Sollte sich das jetzt ändern, werden wir die Anforderungen des Bundes sicher nicht oder nur unzureichend erfüllen können“, sagt Gerckens. Zudem werde man sich über die Lärmentwicklung Gedanken machen müssen. „Bei Bundesstraßen ist es Aufgabe der Anlieger, sogenannte Lärmaktionspläne zu erstellen. Auch darüber werden wir sprechen müssen.“

Auch die Einwohner Bargfelds befürchten, dass durch die neue Bundesstraße der Verkehr im Dorf und damit der Lärm zunehmen könnte. „Ich habe 14 Jahre lang an der L 82 gewohnt. Die Lautstärke hat stetig zugenommen“, sagt Martina von Schütz, die nun an einer ruhigeren Straße im Dorfkern lebt. Für alle, die an der Durchgangsstraße wohnten, bedeute die Heraufstufung definitiv eine Zusatzbelastung.

Wichtig ist Martina von Schütz, die im Dorf als Grundschullehrerin arbeitet, vor allem die Sicherheit der Fußgänger und Fahrradfahrer. „Wenn die Bundesstraße kommt, müssen die Verantwortlichen dafür Sorge tragen, dass die Sicherheit gewährleistet ist, vielleicht mithilfe einer Ampel oder eines Kreisverkehrs“, sagt die 51-Jährige.

Dass die Bürger dem Vorhaben kritisch gegenüberstehen, ist Bürgermeister Gerckens nicht neu. „Das Thema Verkehr wird im Dorf sehr sensibel beobachtet. Das nehmen wir ernst“, sagt er. Die L 82 sei schon jetzt eine „Rennstrecke“. Die Heraufstufung zur Bundesstraße könnte aber auch eine Möglichkeit sein, die seit langem geführten Gespräche mit dem Kreis wieder zu intensivieren, um zu erfahren, ob eine Verkehrsberuhigung im Ortskern realisierbar sei. Diese Themen müssten nun gemeinsam mit dem LBV abgearbeitet werden. „Ich rechne damit, dass wir ungefähr in einem halben Jahr mit einem Ergebnis rechnen können“, sagt Bürgermeister Gerckens.

Derweil rechnet man beim Landesbetrieb in Lübeck nicht mit einem durch die Heraufstufung bedingten erhöhten Verkehrsaufkommen, sagt Leiter Jens Sommerburg. Die letzte Zählung, die aus dem Jahr 2005 stammt, ergab, dass täglich zwischen 6200 und 8000 Fahrzeuge auf der L 82 unterwegs sind. Die B 75 befahren im Bereich um Ahrensburg und Bargteheide rund 15.000 Autos pro Tag, bei Elmenhorst sind es etwa 10.000, im Hamburger Randgebiet 12.000 Fahrzeuge. Sommerburg sagt: „An der Zahl der Autos wird sich durch die neue Situation nichts ändern.“