Großhansdorf: Männergesangverein Hammonia

Mein Verein … singt schon eine Ewigkeit

| Lesedauer: 5 Minuten
Antonia Thiele

Serie: Sonnabends stellen wir Vereine und dessen Mitglieder vor. Heute: der Männergesangverein Hammonia von 1868 Großhansdorf

Großhansdorf. Das Jahr 1868. In Berlin wird der Publizist Theodor Wolff geboren, in Moskau erscheint Tolstois „Krieg und Frieden“, in den USA stellt Edmund McIlhenny die erste Tabascosoße her und in Großhansdorf gründen acht Männer einen Gesangverein. Dieser erhielt den Namen Hammonia, in Anlehnung an Hamburg, denn Großhansdorf gehörte damals zu der Hansestadt. Nun feiert ebendieser Gesangverein sein 145-jähriges Bestehen. Den Namen hat die Gruppe beibehalten.

Zum 145. Geburtstag gibt der Verein ein Jubiläumskonzert

Mit einer Ode an ihre Heimat wollen die 19 aktiven Mitglieder des Männergesangverein Hammonia von 1868 Großhansdorf den Geburtstag ihres Vereins eröffnen. Zum Jubiläum geben die Sänger am Sonntag, 29. September, ein Konzert. Mit dem Großhansdorf-Lied erinnern sie an die Geschichte ihrer Heimat: „Hanseatisch war Großhansdorf, als das Leben dörflich war, als das bäuerliche Streben für den Stadtstaat nützlich war.“ So beginnt der Text. „Für unsere Jubiläumsfeier haben wir die zweite und die dritte Strophe passend zum Geburtstag umgedichtet“, sagt Gunter Nuppnau, der seit 1983 Vereinsmitglied ist und im Januar 2009 den Vorsitz übernommen hat.

Einmal pro Woche, am Dienstagabend, treffen sich die Sänger für zwei Stunden im Vortragssaal der Großhansdorfer LungenClinic zur Probe. „Früher haben wir in einem Pavillon auf dem Hof der Grundschule Wöhrendamm geprobt“, sagt Schriftführer Wolfgang Wenzel. Als die Schülerzahlen wieder stiegen, mussten die Sänger den Pavillon aus Platzmangel an der Schule wieder verlassen.

„Eines unserer Mitglieder war früher Koch in der Krankenhauskantine und hat den Kontakt zur LungenClinic hergestellt. So haben wir glücklicherweise den schönen Raum zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt Wenzel. Seitdem sitzen die Männer jeden Dienstag um 19.30 Uhr auf Stühlen in einem Halbkreis auf der Bühne, in der Mitte steht das Klavier, auf dem Chorleiter Manfred Pessara-Heidenreich spielt. Der studierte Musiker sei ein echter Profi, wie Nuppnau betont. Man habe sich schnell geeinigt: „Die Vereinsarbeit übernimmt der Vorstand, und um das Musikalische kümmert sich der Chorleiter.“

Der Chor tritt jedes Jahr rund 15-mal bei verschiedenen Festen auf

Das Repertoire des Chores umfasst rund 250 Lieder. „Wir singen alles Mögliche, quer durch den Garten“, sagt Nuppnau. „Seemannslieder genauso wie Operetten.“ Der Chor trägt plattdeutsche Lieder vor, aber auch solche wie Signore delle Cime, das auf Italienisch gesungen wird. „Der Chorleiter achtet darauf, dass wir deutlich singen. Das ist ganz wichtig“, sagt der Vorsitzende, der gebürtiger Großhansdorfer ist. Viele Chormitglieder leben in der Waldgemeinde, andere aber auch in den umliegenden Kommunen wie Ahrensburg, Hoisdorf und Jersbek.

„Wir Sänger und unser Chorleiter duzen einander. So entstehen keine Hemmschwellen“, sagt Nuppnau. Im Alter von 72 Jahren ist er einer der jüngeren Sänger in der Gruppe. Der 89Jahre alte Alwin Stapelfeld, der zu der Gruppe der ersten Tenöre gehört, ist das älteste aktive Mitglied. „Wir haben am meisten Tenöre“, sagt Nuppnau, der selbst im zweiten Bass singt. Ein paar neue Mitglieder, das wäre schon gut, meint er. „Jeder, der singen kann, ist willkommen. Mann muss keine Noten lesen können.“

Rund 15 Auftritte haben die Sänger von Hammonia im Jahr. Mitte August standen die Großhansdorfer beim Ponton-Fest, einem vom Verein organisierten Chorprojekt, auf der Bühne. Unterstützung erhielten sie dabei von sieben vereinsexternen Sängern.

„Wir singen auch regelmäßig für die Patienten und Mitarbeiter im Krankenhaus, als Dankeschön dafür, dass wir im Vortragssaal proben dürfen“, sagt Nuppnau. Auch bei privaten Feiern treten die Sänger auf. Wenn ein aktives Mitglied Geburtstag hat, wird der Chor eingeladen. „Wir essen und trinken dann in netter Runde gemeinsam, und dann wird natürlich gesungen“, sagt der Vorsitzende.

Großhansdorfs Bürgermeister zählt zu den Fördermitgliedern des Vereins

Das „fröhliche Zusammensein“ wie bei solchen Anlässen ist neben der „Pflege des mehrstimmigen Männergesangs“ auch Zweck des Vereins, so steht es schon in der Chronik, und so wollen es die Mitglieder des ersten überhaupt in Großhansdorf gegründeten Vereins auch in Zukunft beibehalten. Ordentlich geprobt wird für die Jubiläumsfeier in zwei Wochen aber natürlich dennoch. Janhinnerk Voß wird bei dem Fest eine Ansprache halten. Großhansdorfs Bürgermeister zählt zu den gut 30 Fördermitgliedern des Männergesangverein Hammonia.

Aller Voraussicht nach wird sich das Jubiläum nicht mit der Feier zum 100-jährigen Vereinsbestehen messen können. Damals organisierte der Vorstand unter Fritz Möller, der von 1921 bis zu seinem Tod im Jahr 1996 Mitglied war, ein drei Tage dauerndes Fest.

Im selben Jahr wurde dem MGV Hammonia noch eine besondere Ehre zuteil: Der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke verlieh dem Verein die Zelter-Plakette, eine staatliche Auszeichnung, die der MGV für seine „Verdienste um die Pflege der Chormusik“ erhielt.

Die Pflege der alten Tradition werden die Sänger des MGV Hammonia auch bei ihrer Jubiläumsfeier Ende September betonen, wenn sie das Großhansdorf-Lied anstimmen. „Hundertfünfundvierzig Jahre ist nur eine kurze Zeit. Chorgesang und Freud’ am Singen, gab’s schon eine Ewigkeit“, heißt es darin. Dass sich daran auch in absehbarer Zeit nichts ändern soll, werden die Sänger ebenfalls deutlich machen: „Auch der MGV Hammonia sollte niemals untergeh’n.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn