Bargteheide

Stadt schickt Hunde-Detektive los

Bargteheide sucht Steuersünder, die Vierbeiner nicht angemeldet haben. Noch können sich Tierhalter freiwillig melden

Bargteheide. Derzeit sind rund 700 Hunde in Bargteheide angemeldet. Laut Bürgermeister Henning Görtz liegt die Dunkelziffer deutlich höher. Etliche Besitzer lassen ihre Vierbeiner nicht ordnungsgemäß registrieren, um Geld zu sparen. Dem wirkt die Stadt jetzt entgegen: Mit einer sogenannten Hundebestandsaufnahme sollen Steuersünder gefunden werden. Die Stadt schickt in den nächsten Wochen Hunde-Detektive auf Tour.

Die Verwaltung hat eine auf solche Einsätze spezialisierte Firma beauftragt. Ab Oktober werden Mitarbeiter an allen Wohnungen und Häusern in Bargteheide klingeln. Sie fragen, ob es Hunde im Haushalt gibt und überprüfen, ob die Tiere auch wirklich angemeldet sind.

Für einen Hund beträgt die Steuer in Bargteheide 90 Euro. Der zweite Hund kostet 120 Euro, für jeden weiteren sind 150 Euro fällig. Für Gefahrhunde liegt der Betrag bei jährlich 600 Euro. „Im Fokus steht nicht die Bestrafung, sondern die Steuergerechtigkeit“, sagt Bürgermeister Henning Görtz. Immer wieder komme es vor, dass Tierhalter sich die Anmeldung vornähmen und dann vor sich herschöben. Erfahrungsgemäß führt bereits der Hinweis, dass eine Hundebestandsaufnahme in Angriff genommen werden soll, dazu, dass viele Hunde im Rathaus angemeldet werden.

Die jüngste Kontrolle in Bargteheide gab es im Jahr 2001. „Nach der Ankündigung und vor der eigentlichen Bestandsaufnahme haben sich dann schon zahlreiche Hundebesitzer gemeldet“, sagt Görtz. Dies sei auch in diesem Jahr ein Ziel. Zurzeit nimmt die Stadt rund 65.000 Euro Hundesteuer im Jahr ein.

Tierbesitzer reagieren sehr unterschiedlich auf die Aktion. Berthold Rommeswinkel steht dem Ganzen positiv gegenüber. „Ich haben kein Problem mit der Hundebestandsaufnahme“, sagt der 57-Jährige, „Steuern müssen gezahlt werden. Hunde verursachen ja auch Kosten, und diese müssen gedeckt werden.“ Ein Beispiel sei, dass kostenlose Hundetüten angeboten werden. „Sonst tragen nur die Ehrlichen die Kosten, und alle anderen profitieren. Das ist nicht gerecht“, fügt er hinzu. Seinen Hund Scotty hat er seit fünf Jahren. Der Berger des Pyrénées sei der am besten erzogene Hund, den Berthold Rommeswinkel und seine Frau bisher hatten. „Aber er ist sehr bellfreudig.“

Auch Brigitte Preuß, die mit dem Jack-Russel-Mischling Jacky unterwegs ist, findet es ungerecht, wenn andere ihre Hunde nicht anmelden. „Es gibt bestimmt viele, die für ihre Hunde keine Steuern zahlen.“

Renate Buhk, die ihren Golden Retriever Myra ausführt, stimmt dem zu „Das ist eine gute Sache". „Alle oder keiner“, dies ist auch die Meinung von Tanja Weidmann, die ihren Hovawart Janka ausführt.

Es gibt aber auch Tierhalter, die die Aktion kritisch sehen. Nicole Gödderz finde es prinzipiell sinnvoll zu wissen, wie viele Hunde es in der Stadt gebe. „Ich finde es allerdings lästig, wenn an der Tür geklingelt wird, das ist ja wie bei der GEZ mit den Rundfunk- und Fernsehgebühren“, sagt sie. Ihren Mischling Fini hat sie erst seit zwei Wochen : „ Ich habe ihn vom Tierschutz, er kommt aus Rumänien“.

Zu den Kritikern gehört auch Stepha Brock. „Noch mehr Kontrolle?“, fragt die 47-Jährige, die mit ihren Kindern und Emma Lisalotta von Naseweis, einem Terrier-Mischling, auf einer Bank sitzt. Wichtiger finde sie es, sich um aggressive Hunde zu kümmern. Es stelle sich zudem die Frage, wie Hunde allein durch eine Befragung ausfindig gemacht werden sollen.

Dieses Problem sieht Bürgermeister Görtz auch. Er weiß aber: „Zahlreiche Hunde bellen, wenn Besuch an der Tür klingelt.“ Dass Tiere in einem Zimmer eingesperrt würden, sei prinzipiell möglich. „Mit Sicherheit werden nicht alle Hunde erfasst, aber den Bewohnern ist unbekannt, wann der Mitarbeiter klingelt.“

In Bad Segeberg sei eine vergleichbare Aktion positiv verlaufen. Deshalb ist der Bargteheider Bürgermeister zuversichtlich, dass viele Hundebesitzer ihre Tiere in den nächsten Tagen anmelden werden.

In Stormarn ist der Weg der Hundebestandsaufnahme keinesfalls neu. In Ahrensburg gab es eine solche Kontrolle im Jahr 2010. „Die Bürger wurden dazu aufgefordert, ihre Hunde anzumelden. Es war keine Nachzahlung für die vergangenen Jahre gefordert“, sagt Birte Henze vom Steueramt. Nach der Überprüfung seien auf jeden Fall mehr Anmeldungen eingegangen.

In Bargteheide wird mit Steuersündern anders als in Ahrensburg umgegangen. „In der Regel muss rückwirkend bezahlt werden“, sagt der Bürgermeister. Deswegen sei es klug, seine Hunde freiwillig bei der Stadtverwaltung anzumelden.