Stormarn
Ahrensburg

Stormarn wächst - lohnt sich das?

Während die Einwohnerzahl in Ahrensburg, Glinde und Trittau stark steigt, halten sich Reinbek und Großhansdorf zurück.

Ahrensburg. Als Walter Nussel, Bürgermeister von Trittau, die Ergebnisse vom Zensus 2011 zur Kenntnis nahm, fand er schwarz auf weiß bestätigt: Trittaus Bevölkerung wächst. 7985 Einwohner lebten laut Volkszählung im Mai 2011 in der Gemeinde - 214 mehr als zunächst angenommen. Doch diese Zahl ist inzwischen längst überholt: Nach der jüngsten Bekanntgabe der amtlichen Einwohnerzahl im September 2012 leben in Trittau bereits 8173 Einwohner, also noch einmal 402 mehr als zuvor gedacht. Tendenz: weiter steigend.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Glinde. Die Stadt mit derzeit 17.930 Einwohnern hat seit 2003 mehr als 1000 Neubürger hinzugewonnen. Und mit dem Neubaugebiet Alte Wache sind mit einem Schlag noch einmal 1700 Menschen dazugekommen. Die Zählung des Zensus 2011 ergab allerdings 16.640 Einwohner. Das sind 330 weniger, als die Stadt selbst errechnet hat.

Auch Ahrensburg, die größte Stadt in Kreis Stormarn, setzt weiter auf Wachstum. Fast 31.300 Menschen wohnen in der Schlossstadt, rund 1000 werden in den kommenden Jahren hinzukommen: Das Neubaugebiet Erlenhof an der B 75 ist nach jahrelangem Hin und Her jetzt in Angriff genommen worden.

Trittau, Glinde und Ahrensburg tragen viel zum Bevölkerungswachstum in ganz Stormarn bei. Vergleicht man nämlich die Ergebnisse der Volkszählung von 1987 mit denen des Zensus 2011, so zeigt sich: Stormarn hat in den vergangenen 24 Jahren rund 38.000 Bürger dazugewonnen. Die Zahl stieg von gut 192.500 auf rund 230.500 - das ist ein Zuwachs von fast 20 Prozent. Doch zahlt sich das auch für die Städte und Gemeinden aus? Die Antwort: Ja und Nein.

Zwar bringen mehr Einwohner auf der einen Seite mehr Geld in die kommunalen Kassen. Auf der anderen Seite kosten die Neubürger aber auch viel. "Ob sich mehr Einwohner finanziell für die Gemeinde auszahlen, ist mit Fragezeichen zu versehen", sagt Trittaus Bürgermeister Walter Nussel. Zwar sprudelten zusätzliche Steuereinnahmen, weil sich der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer erhöht. "Zugleich steigen aber auch die Ausgaben für Kindergärten und für Schulen", sagt er.

Ähnlich sieht das auch Reinbeks Bürgermeister Axel Bärendorf. "Da gibt es ganz unterschiedliche Betrachtungen." Aber wenn bestimmte Kennzeichen wie private Investoren, privater Grund und Qualitätsstandards für die Quartiere stimmen - dann könnte ein "kleiner Gewinn" für die Kommune herausspringen. Sonst sei es oft ein "Nullsummenspiel". Warum also weiter wachsen, wenn der Mehraufwand die Einnahmen verschlingt? Reinbek gehört jedenfalls wie auch Großhansdorf zu den Kommunen, die sich in naher Zukunft auf kein größeres demografisches Wachstum einstellen werden. Seit Jahren ist die Einwohnerzahl mit 26.400 Bürgern relativ konstant. Statt in die Masse will die Stadt lieber weiter in die Klasse investieren.

Lediglich 130 Wohneinheiten, sagt Bürgermeister Bärendorf, befinden sich gegenwärtig im Baugebiet Reinbeker Höhe in der Realisierung. Sven Noetzel vom Amt für Stadtentwicklung und Umwelt verweist deshalb auf die Leitidee des "qualitativen Wachstums". Die Qualität des Wohnstandorts wird darin zum wichtigsten Kriterium - und nicht die Einwohnerzahl mit womöglich steigenden Ausgaben für die Kommunen. Nur einige Kilometer weiter, in Glinde, ist eins der größten Neubaugebiete Schleswig-Holsteins inzwischen mit etwa 2000 Menschen nahezu komplett besiedelt. Gerade wurde der 18.000. Einwohner begrüßt. Laut Anke Wauker, Leiterin des Bürgeramts, soll die Gesamtzahl in den nächsten Jahren nicht über 18.500 steigen: "Langfristig soll sie bei circa 20.000 liegen."

Die Idee hinter dem qualitativen Wachstum ist laut Norbert Grunert, Amtsleiter der Behörde für Finanzen und zentrale Dienste in Glinde, die Stadt attraktiver zu machen. Bürger jedes Lebensalters sollen sich in ihrem Heimatort wohlfühlen können. Es sei daher besonders wichtig, für eine gute Infrastruktur mit Kitas, Schulen und Grünanlagen zu sorgen. Bestes Beispiel sei der Bau einer weiteren Kita im Neubaugebiet Alte Wache, nachdem die Planer festgestellt hatten, dass die zwei gerade fertiggestellten Kitas die Nachfrage nicht decken konnten.

Auch in Trittau legen Verwaltung und Politik ihr Augenmerk auf nachhaltiges Wachstum. "Wir rechnen nach den jetzt ausgewiesenen Neubaugebieten mit rund 500 Einwohnern mehr", sagt Bürgermeister Nussel. Außerdem seien weitere Gewerbeflächen geplant. "Sie bringen auf längere Sicht ebenfalls einen Zuwachs, weil sich erfahrungsgemäß ein Teil der Arbeitskräfte nach einigen Jahren am Arbeitsort ansiedelt."

Ob sich das Wachstum unter dem Strich für eine Kommune finanziell rechnet, mag allerdings niemand einschätzen. "Die Experten streiten sich. Manche sehen ein Nullsummenspiel. Andere sogar ein Minus durch den Einwohnerzuwachs", sagt Nussel. Der eigentliche Gewinn für die wachsende Kommune stecke vielmehr im Generationenwechsel. Weil Neubaugebiete, so Nussel, vornehmlich von jüngeren Leuten mit Kindern bezogen werden, verbessert sich die Altersstruktur. Und Kinder sicherten den Bestand von Schulen und anderer Einrichtungen im Ort. "Dadurch wird zusätzliche Kaufkraft nach Trittau gebracht."

Wie maßvoll und mit maximalem Gewinn an Lebensqualität eine Stadt wachsen kann, lässt sich nicht zuletzt an Bargteheide beobachten. Die Kommune hatte zunächst Schulden gemacht, um Grundstücke zu kaufen. Mit den Neubaugebieten, die in Eigenregie verkauft wurden, kamen neue Bürger. Gegenwärtig zählt die Stadt mehr als 15.600 Einwohner und ist heute schuldenfrei. Wie Herbert Sczech, Büroleitender Beamter im Rathaus, sagt, besteht ein Entwicklungspotenzial auf 16.500 Einwohner.

Bargteheide setzt angesichts des demografischen Wandels auf eine ausgewogene Bevölkerungsstruktur. "Diese Ausgewogenheit", so Sczech, "spielt bekanntlich eine bedeutete Rolle - bei der Gewinnung von Arbeitsplätzen genauso wie bei der Ansiedlung von Arztpraxen."