Mein Verein

Mein Verein ... macht Fremde zu Freunden

Serie: Jeden Sonnabend stellt das Abendblatt einen Stormarner Verein und dessen Mitglieder vor. Heute: Der Europaverein Bargteheide

Bargteheide. Wenn Andreas Bäuerle über den Europaverein Bargteheide spricht, dann zeigen der Nachdruck in seinen Worten und der konzentrierte Blick gleich, wie sehr die Arbeit ihm am Herzen liegt. Seit sieben Jahren ist er nun Vorsitzender des Vereins. Dessen wichtigste Aufgabe ist die Kommunikation zwischen Bargteheide und den zwei Schwesterstädten Déville-lès-Rouen in Frankreich und Zmigród in Polen.

"Ich wünsche mir, dass die Menschen nicht nur Katastrophenmeldungen über Europa hören", sagt der 48-Jährige. "Von Mensch zu Mensch betrachtet, sehen politische Probleme und Vorurteile immer gleich viel unbedeutender und kleiner aus. Deshalb stärken wir den persönlichen Kontakt." Bei den gegenseitigen Besuchen "lernt man Dinge kennen, die anders sind als die gewohnten Umstände. Ich sage bewusst anders", so Bäuerle, "denn manchmal sind sie positiv, manchmal negativ." Wichtig sei vor allem, die Hintergründe zu sehen. "Nur wer einmal im Alltag der Menschen drin steckte, kann nachvollziehen, warum Franzosen und Polen in Bezug auf manche Sachen so anders ticken als wir."

Seit 1969 gibt es die Verschwisterung mit der französischen Stadt aus der Normandie, 2001 kam die Partnerstadt aus Polen dazu. Seit 1999 betreut der Verein den Austausch, vorher war es das Rathaus. Aus 40 Gründungsmitgliedern sind heute etwa 100 geworden. Ein siebenköpfiger Vorstand organisiert und begleitet die Reisen und plant neue Projekte.

Für Deutsche sind verfallene Häuser romantisch, für Polen nicht

"1969 war es alles andere als selbstverständlich, sich mit Franzosen auf eine kommunizierende Ebene zu stellen", sagt Bäuerle. "Die Wunden des Zweiten Weltkriegs waren noch zu tief." Er erzählt von einer Begegnung, die ihm der Begründer der Verschwisterung berichtete, der damalige Bürgermeister Karl Eduard Claussen. "Franzosen und Deutsche sangen deutsche Volkslieder. Plötzlich wurden immer mehr Franzosen still. Die Deutschen wunderten sich. Schließlich kam heraus: Einige der Franzosen hatten die Volkslieder gehört, als die deutschen Soldaten während des Krieges in Frankreich waren. Da kamen furchtbare Erinnerungen hoch." Gerade in Fällen wie diesen sei es dann so wichtig, miteinander zu reden.

Nach dem Mauerfall seien dann die osteuropäischen Staaten ins Zentrum gerückt worden. "So wie damals viele Menschen Frankreich kritisch gegenüberstanden, so ist das heute oft mit Ländern wie Polen." Zwar sei die Sprachbarriere größer. "Aber dafür haben wir viel mehr polnische Dolmetscher als französische", sagt Bäuerle und lächelt, weil das erstaunlich klingt. "Sie glauben ja gar nicht, wie viele polnische Mitbürger wir haben."

Auch von einer Reise nach Zmigród kann Bäuerle eine Anekdote berichten. "Der Fotoclub aus Bargteheide besuchte polnische Fotografen. Gemeinsam startete man eine Exkursion. Nachdem alle die Bilder gesehen hatten, zeigten sich die Polen verletzt darüber, dass die Deutschen so viele alte, verfallene Landhäuser fotografiert hatten, altes Gemäuer und die ländliche Lebensweise. Die Deutschen empfanden die Motive als romantisch. Für die Polen hatten die Fotografen dagegen die Rückständigkeit des Landes bebildert."

Schüler sollen wieder verstärkt am Austausch teilnehmen

Künftig will der Europaverein verstärkt neue Zielgruppen ansprechen. "Gerade der Schüleraustausch mit Déville-lès-Rouen ist uns sehr wichtig", sagt Bäuerle. "Wir wollen auch die nächste Generation in den Austausch einbeziehen." Die nächste Reise führt im September nach Zmigród zu den Karpfentagen. "Einen Ort während eines Stadtfestes zu sehen, bietet noch einen anderen Einblick", sagt Bäuerle. Ende September kommen dann Franzosen nach Bargteheide. Wer nach Polen mitfahren oder Franzosen bei sich zu Hause aufnehmen möchte, kann sich direkt beim Vereinsvorsitzenden Andreas Bäuerle unter der Telefonnummer 04532/26 06 56 melden.