Moment mal!

Der Wühler unter meinem Rollrasen

Eine Glosse von Michael Schick

Er will mir zeigen, dass es wahre Intelligenz nur unter der Erde gibt. Alle meine Versuche, ihn aus seinem Reich unter meinem frisch verlegten Rollrasen zu vertreiben, ignoriert der Maulwurf. Je drastischer meine Gegenwehr ausfällt, desto größer werden die Haufen, die der Wühler auf mein zartes Grün wirft. Erst habe ich es mit Ultraschall versucht, im Baumarkt einen Sender erworben und dabei vorsorglich ein Modell gewählt, das immerhin 800 Quadratmeter beschallt und von der Sonne aufgetankt wird. Der umweltfreundliche Maulwurfvertreiber tutet alle 20 Sekunden brav vor sich hin, zeigt aber keinerlei Wirkung. Und mein Untergrundgegner hat genau dort seine Spuren hinterlassen, wo das Gerät in der Erde steckt.

"Nehmen sie Karbid, hilft garantiert", riet mein im Maulwurfkampf erfahrener Nachbar. Im Internet bestellt, die Dose für 22,95 Euro, habe ich vorschriftsmäßig die kleinen Brocken in die Gänge gesteckt. Mit der Feuchtigkeit im Boden entwickeln sie fiese Dämpfe, die der Wühler nicht mag - angeblich, kann ich da nur sagen. Zerbröselt liegt die chemische Keule spätestens am übernächsten Tag unter weiteren Erdhügeln.

Für jeden Abwehrversuch straft mich der fleißige Buddler mit einer neuen Gemeinheit: Jetzt hat er sich Verstärkung geholt und ganze Armeen von Wühlmäusen unter meinen Rollrasen geschickt. Doch ich bin ja nicht blöd: Ich gebe einfach auf. Das wird die Wühler so schocken, dass sie von selbst verschwinden.