Barsbüttel

Stormarns Unternehmen suchen Nähe

Sie beklagen sich bei Wirtschaftsminister Meyer über fehlende Kontakte

Barsbüttel . Teilen des Mittelstands in Stormarn fehlt ein engerer Kontakt zu Unternehmen und Auftraggebern im übrigen Schleswig-Holstein. Dies ist ein Ergebnis der Gespräche, die Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, SPD, mit Unternehmen in der Metropolregion geführt hat.

Wolfgang Uecker, Geschäftsführer der Firma Möbius, die in Barsbüttel unter anderem Teile für den Flugzeug- und Maschinenbau produziert, beklagte den Mangel im Gespräch mit dem Minister am Mittwoch. Insbesondere Spezialbetriebe wie Möbius würden eine regelrechte Abgrenzung spüren. Zu niedersächsischen und hamburgischen Auftraggebern habe die Firma intensive Beziehungen, sogar aus Berlin kämen häufig Anfragen. Doch in Schleswig-Holstein herrscht Flaute, von hier habe Möbius bislang nur wenige Aufträge erhalten, wie von der Universität Kiel, aber "über Neumünster gehen die wenigsten Aufträge hinaus", sagt Uecker. Der Geschäftsführer vermutet, Stormarn werde aufgrund der Nähe zu Hamburg als Teil der Metropole gewertet. Auftraggeber im nördlichen Schleswig-Holstein aber würden Hamburger Unternehmen meiden, so sein Verdacht. Dabei erhofft sich Uecker interessante Geschäftsbeziehungen, sollte ein Kontakt zustanden kommen.

Minister Meyer hingegen bewertet die Nähe zu Hamburg als besonderen Vorteil für Stormarn: "Barsbüttel ist Metropolregion pur. Hier wachsen Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen. Die Region Stormarn ist sehr stark - das ist auch ein Grund, weswegen das Ministerium kaum Kenntnis von den Unternehmen hier hat. Die haben vor Arbeit kaum die Zeit, Förderanträge zu stellen", sagt Meyer und lacht. "Stormarn und Hamburg sollten stärker zusammen arbeiten, und sich nicht gegenseitig abgrenzen."

Trotzdem will Uecker die Kontakte auch in Schleswig-Holstein noch intensivieren. Er sieht den dringenden Bedarf einer Kontaktbörse für die Industrie der nördlichen Bundesländer. Und er sieht die Handelskammer Lübeck in der Pflicht. Martin Habersaat, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag, der die Besichtigung des Möbius-Werks begleitete, kündigte Gespräche mit der Kammer an.

Minister Meyer nutzte den Besuch in Stormarn, um sich vor Ort ein Bild von der wirtschaftlichen Lage zu machen. Er wolle sich die Sorgen und Nöte der Unternehmen anhören, sagte Meyer. Doch viel mehr Sorgen hat Uecker zurzeit nicht zu vermelden. Auch die Ausbildungslage für Möbius als Fachbetrieb ist gut. "Wir bekommen Bewerbungen aus ganz Deutschland", sagt der Geschäftsführer.