Stormarn
Bad Oldesloe

Mein Verein ... bläst anderen den Marsch

Serie: Jeden Sonnabend stellen wir einen Stormarner Verein und dessen Mitglieder vor. Heute die Oldesloe Musiktruppe Stormarn Magic.

Bad Oldesloe . "Eine Trompete hätte bei mir auch blöd ausgesehen", sagt Marlon Milinowski selbstironisch. In der Tat passt der in Deutschland weniger verbreitete Schulterbass mit seiner voluminösen Öffnung auch besser zur Leibesfülle des 17 Jahre jungen Schülers. "Damit übernehme ich quasi den Part, den bei einer Rockband der Bass spielt." Rockige oder zumindest poppige Klänge spielt er zusammen mit den anderen 24 aktiven Musikern von Stormarn Magic auch. "Das hat mir an der Marching Band gleich gefallen", erzählt Milinowki weiter, der seit 2011 in der grünen Weste, der schwarzen Hose und mit dem weißen Hut auftritt. Bis zu 20 Konzerte gibt die Oldesloer Gruppe jedes Jahr in dieser Uniform und spielt dabei ihre Versionen von Lady Gagas Hit "Born This Way" oder Madonnas "Like A Prayer".

Den Ersten Vorsitzenden Björn Möller, 29, hatte genau das auch an den Blaskapellen der Amerikaner und Niederländer begeistert. "Die habe ich kennengelernt, als ich in einem Spielmannszug der Bundeswehr in Lüneburg in die Trompete blies", sagt der Speditionskaufmann aus Bad Oldesloe. Im Grunde habe diese Art von Musik ihren Ursprung in den US-Highschools.

Einstudiert werden muss dazu nicht nur die Musik. Vielmehr bewegen sich Bläser und Schlagzeuger dazu teils auch in Formationen, die sich die Gruppe selbst ausdenkt. Zudem schwenken weibliche Guards stets Fahnen im Rhythmus der Musik, ja werfen diese - möglichst synchron - zuweeilen durch die Luft. "Die Choreographie macht die Auftritte auch ziemlich anstrengend", weiß Andreas Zehm, der Zweite Vorsitzende von Stormarn Magic.

Die Band vermittelt auch Werte wie Selbstdisziplin und Hilfsbereitschaft

Eine der Guards ist Vivien Hildebrandt. Die 15-Jährige geht auf die Ida-Ehre-Schule in Bad Oldesloe. Neben der "modernen Musik" reize sie an Stormarn Magic auch, sich mit der Gruppe vor Publikum zu präsentieren. Allerdings sei das Hobby zeitaufwendig. "Aber wenn man das wirklich will, geht das schon." Viele Gleichaltrige wollten freilich lieber Ghetto-Musik hören, Party machen oder an der Spielekonsole daddeln.

Die Gruppe trifft sich einmal pro Woche und bis zu zweimal zusätzlich im Monat, um zu üben. "Wenn man so oft zusammen ist, streitet man auch mal", sagt Möller. Trotzdem müsse man zusammenhalten. "Das vermittelt auch Werte wie Selbstdisziplin und Hilfsbereitschaft." So müsse jeder natürlich rechtzeitig zu den Terminen erscheinen, damit die Musik beginnen könne. Möller: "Wer anderen nicht hilft, steht schnell im Abseits." Zehm beklagt, dass Ganztagstagsschulen kaum noch Zeit für ein derartiges Hobby ließen. "Und wenn es dort in den Musikunterricht eingegliedert wird, gibt es kaum Leute, die dann unterrichten können, weil sie nachmittags noch ihrem Beruf nachgehen müssen." Der 42 Jahre alte Lagerarbeiter war bis vor zwei Jahren noch Vorsitzender von Stormarn Magic, zog sich dann aber aus beruflichen und privaten Gründen auf den Stellvertreterposten zurück.

Das Musizieren in der Band ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch relativ teuer. Marlon Milinowskis Schulterbass kostet beispielsweise rund 6000 Euro. Eine Trompete ist dagegen schon für vergleichsweise läppische 600 Euro zu bekommen - ebenso eine Snare Drum. Melodisches Schlagwerk wie etwa ein Marimbaphon - das ist eine Art Xylophon - kostet rund 2000 Euro. Gestellt werden die Instrumente vom Verein, ebenso die Uniformen, die jeweils mit rund 650 Euro zu Buche schlagen. Die Ausgaben muss Stormarn Magic durch öffentliche Auftritte im wahrsten Sinne des Wortes wieder einspielen. "Auf das Jahr gesehen ist das gerade kostendeckend", sagt Vereinsvize Zehm. Aber auch nur, weil die Band von der Stadt einen Zuschuss bekomme und die Übungsräume in der Theodor-Mommsen-Schule günstig nutzen könne.

Stormarn Magic war auch bei mehreren Wettbewerben erfolgreich

2007 war Stormarn Magic sogar die Hausband des Hamburger Football Clubs Sea Devils. Ständig nimmt sie auch an Wertungsspielen teil, bei denen es Preise zu gewinnen gibt. So etwa an den Rasteder Musiktagen. 2009 gewann Stormarn Magic dort die 1. Preise in den Kategorien "Konzert" und "Marschparade" und bekam den Titel European Champion.

Auch dieses Jahr war die Band dort wieder sehr erfolgreich, errang zwei zweite Plätze. Und zudem qualifizierte sie sich dort für die beiden kommenden Weltmeisterschaften der World Association of Marching Show Bands, also des Weltverbandes dieser Musikgruppen. "Da sind wir mächtig stolz drauf", sagt Zehm.

Die nächste Weltmeisterschaft findet wie des Fußballs in Brasilien statt. "Wir werden es uns finanziell wohl nicht leisten können, dahin zu fahren", sagt Zehm. "Aber da die Qualifikation gleich für zwei Jahre gilt, werden wir wohl 2015 dabei sein. Dann findet die Weltmeisterschaft in einem skandinavischen Land statt, wohl in Dänemark."

Es wäre nicht die erste Reise von Stormarn Magic. Die Grünen, wie sich die Oldesloer Band ihrer Uniform wegen auch nennt, waren beispielsweise in den vergangenen Jahren auch mehrere Tage in Spanien und Frankreich unterwegs.

In ihrer Heimatstadt Bad Oldesloe trat die Marching Band zuletzt während des Vogelschießens auf dem Marktplatz auf. Wenig später war sie dann bei der Lions Club Parade zu sehen, auf der sie musizierend um die Binnenalster in Hamburg marschierte. Mit dabei war auch eine Marching Band aus Mississippi. "Die hatten 200 Musiker", schwärmt Andreas Zehm. "So stark wären wir auch gern."