Ahrensburg

Die schwere Kunst, das perfekte Foto zu machen

Neun Ahrensburger der Gruppe Fokus zeigen ihre außergewöhnlichen Aufnahmen unter dem Titel "Von der Dämmerung zum Morgen" im Marstall.

Ahrensburg. Hinterherjagen oder drauf warten, dass es passiert? Beides. Die Herren der Gruppe Fokus haben da so ihre Erfahrungen. Immer wieder lief Christan Rink auf die Straße, um von hier aus die richtige Perspektive zu haben. Ein problematisches Unterfangen. Nicht nur, weil ihm die Passanten ständig mit dem Satz "Kann ich mal gucken" im herrlichen Hamburger Slang dazwischenfunkten. Die Straße selbst war auch nicht ohne. Auf der Reeperbahn ist nachts ganz hübsch was los. Und nachts musste es schon sein.

Christian Rink war auf der Suche nach dem perfekten Motiv für die neue Ausstellung der Fotogruppe Fokus, die zurzeit im Ahrensburger Marstall zu sehen ist. Neun Mitglieder zeigen hier noch bis zum 28. Juli ihre Ausbeute des vergangenen Jahres. Titel: "Von der Dämmerung zum Morgen".

Welcher Ort böte mehr Sehenswertes für Szenen im Zwielicht des Tages als die sündige Meile der Hansestadt. "Mich hatte das Jagdfieber gepackt. Und schließlich klappte es", erzählt Rink von seinem abenteuerlichen Einsatz auf dem Asphalt. Das Schaufenster war endlich ohne Reflexe im "Kasten". Die Auslage war übrigens ohne Dame und ganz unspektakulär. Dafür stand "Tauwelt" auf dem Schild, ohne dass zwischen Segelschiffen, Leuchttürmen und ähnlichem Schnickschnack auch nur ein Tau zu sehen gewesen wäre.

"Richtig zufrieden bin ich mit dem Bild trotzdem nicht", sagt Rink. "Andererseits habe ich einmal das Autofenster runtergekurbelt und ein Feld nach dem Regen fotografiert." Es wurde Bild des Monats. ",Es ist egal, ob du knipst. Wenn das Bild da ist, ist es da. Es kommt auf die Dich zu', sagt Jim Rakete."

Die anderen wissen genau, wovon Christian Rink erzählt und dass man nichts erzwingen kann. Dennoch geben sie alles. Harald Gronemeyer stand sich an einem kalten Märzabend am Checkpoint Charlie in Berlin die Füße in den Bauch, um die schon tausendfach fotografierte Szene irgendwie anders einzufangen. Das Warten wurde belohnt. Gronemeyer: "Ein Taxi fuhr vorbei. Ich habe es mit einer längeren Belichtungszeit aufgenommen." So ziehen auf seinem Bild rote und gelbe Streifen an dem magischen Ort vorbei und geben ihm etwas zusätzlich Geheimnisvolles.

Jörn Lütjens hatte sich schon zwei Stunden vor Beginn auf dem Stintfang positioniert, um den besten Blick über den Hamburger Hafen auf das Eindocken der "Queen Mary 2" zu haben. "Ich hatte eine genaue Vorstellung. Ich wollte unbedingt eine Barkasse im Vordergrund haben", sagt er. Er schaffte es. Mit Knipsen hatte das gar nichts zu tun. "Ich arbeite auch mit Digitalkameras. Aber ich bin der Einzige in der Gruppe, der auch noch analog fotografiert." Unbegrenzt draufhalten geht da nicht. Zwölf Aufnahmen pro Film - mehr ist nicht drin. Und mehr hat Jörn Lütjens auch nicht gebraucht. "Das macht süchtig. Sparsam und bewusst mit der Kamera umzugehen, bis man denkt: So das ist jetzt auf den Punkt."

Jedes Jahr lädt die Fotogruppe Fokus zu einer großen Schau in den Marstall. Zu verdanken ist das Gerd Pelzer, der die Gruppe 2007 gegründet hat. "Mein Datenfriedhof wächst", sagt er und lacht. Denn hinter dem etwas dunklen Begriff steht seine leuchtende Foto-Leidenschaft. "Das Riesen-Archiv ist eben der Preis dafür. Ich habe drei externe Festplatten. Vier terabyte sind das insgesamt." Und das reicht ihm eigentlich immer noch nicht. Pelzer: "Mit Reisefotografie fing es an. Jetzt würde ich gern Menschen über längere Zeit begleiten, um Vertrauen aufzubauen." So etwas wie Streetfotografie schwebt ihm vor. Ein Foto von ihm ist auf dem Ausstellungsplakat zu sehen. Eines jener Bilder, die der immer wache Fotograf "geschenkt" bekommt: ein Blick durch die Elbbrücken auf Hamburg - mit Vollmond und allen Schikanen.

Die Foto-Ausstellung ist freitags und sonnabends von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.