Ahrensburg

Stormarner Frauen kämpfen wie die Löwen

Damen aus dem Bargteheider Club beim Lions-Weltkongress in Hamburg im Einsatz gegen globale Missstände - und für ihre Mitstreiter aus aller Welt

Hamburg/Ahrensburg . Wenn an diesem Sonnabend 12.000 Menschen aus der ganzen Welt in farbenprächtigen Kostümen um die Hamburger Binnenalster marschieren, wird auch Barbara Kelch aus Ahrensburg dabei sein. Die Hausdame aus der Seniorenwohnanlage "Rosenhof" gehört dem Bargteheider Lions Club an und engagiert sich mit vielen anderen Stormarnern beim gegenwärtigen Welttreffen dieser Charity-Organisation in der Hansestadt. Und zwar als "Volontärin", was im besten Sinne die Freiwilligkeit ihres Dienstes unterstreicht.

Die Volontäre empfangen anreisende Gäste auf dem Flughafen und stehen ihnen mit Rat und Tat in den Hotels zur Seite. Sie betreuen Info-Stände auf dem internationalen Lions-Markt mitten auf dem Hamburger Jungfernstieg. Barbara Kelch bietet sogar einem Lions-Gast Kost und Logis an. Der Mann ist aus dem sächsischen Meißen zum Welttreffen angereist und hat früher als Kapitän gearbeitet.

Bis nächsten Dienstag treffen sich in Hamburg 23.000 Lions aus 130 Ländern zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung. Auf dem Programm der 1917 gegründeten Organisation (Motto: (we serve - wir dienen") stehen die große Parade, außerdem Seminare, Wahlen und Vorträge. Als Gastrednerin wird Laura Bush, die Ehefrau des früheren US-Präsidenten George W. Bush, erwartet.

Am Freitag arbeitete Barbara Kelch mit anderen Lions-Damen in einem weißen Pagodenzelt auf dem Jungfernstieg. Gut 20 Damen aus dem Bargteheider Lions-Clubs hatten an diesem Tag nichts anderes im Sinn, als die Nähe von Paul zu suchen. Immer wieder kamen Passanten und Lions-Gäste in das Pagodenzelt mit der Nummer 2, um ihn näher kennenzulernen. Seine Funktionen ausführlich zu erläutern und eventuell potenzielle Spender zu finden - das war die Aufgabe von Barbara Kelch und all den anderen Charity-Damen aus dem Bargteheider Club. Schließlich zählt Paul zu den Highlights auf dem Lions-Markt im Herzen der Hansestadt, auf dem die Weltorganisationen über ihre globalen und lokalen Aktivitäten informieren.

Paul ist ein Wasserfilter. Das brusthohe, blaue und transportable Gerät wurde von Forschern der Universität Kassel entwickelt. "Es verfügt über die Fähigkeit, verseuchtes Wasser in trinkbares Wasser zu verwandeln", sagt Wolfgang Stein, District-Govenor Nord. Dank einer Membran kann Paul - ohne dass Energie notwendig ist - mehr als 99 Prozent der Krankheitserreger aus dem Wasser filtern. Womit das Gerät in Krisengebieten einen wirksamen Schutz gegen Cholera, Typhus und weitere Infektionskrankheiten bietet. Die Forscher aus Kassel haben dem 1000 Euro teuren, rund 20 Kilogramm schweren Gerät den Namen Paul gegeben (Portable Aqua Unit for Lifesaving). Erst jüngst wurden 50 Exemplare nach Pakistan geliefert.

Auch die Bargteheider Lions-Damen haben 1000 Euro für ein solches Gerät gespendet, das jetzt in einem Entwicklungsland seine Dienste leistet.

"Für uns ist soziales Engagement eine Selbstverständlichkeit", sagt Anne-Marie van Oosterum, die ebenfalls dem Bargteheider Lions angehört. Früher besaß sie ein eigenes Immobilienunternehmen. "Jetzt aber habe ich den Kopf frei, mich für andere Menschen auf der ganzen Welt zu engagieren." Die Lions-Organisation biete dafür auszeichnete Möglichkeiten.

Der Bargteheider Club ist etwas ganz Besonderes. Denn ihm gehören ausschließlich Frauen an. "Wir haben ihn im Jahr 2002 gegründet, weil uns die Männer mit ihren Clubs nicht so gern aufnehmen wollten", sagt die Ahrensburger Lions-Dame Barbara Rudolph. Und ob sie jetzt womöglich Männer aufnehmen würden? "Im Moment nicht", lautet die Antwort. Die Mehrheit der Mitgliederinnen sei dagegen.

Der Lions-District Nord umfasst nach Angaben ihres Governors Wolfgang Stein 105 Clubs und ein Territorium, das von Lüneburg bis nach Flensburg reicht. Pro Jahr sammeln sie im Durchschnitt zwei Millionen Euro für soziale und karitative Zwecke. Bei den Bargteheider Frauen war es in zehn Jahren die stolze Summe von 180.000 Euro, die unter anderem der Lebenshilfe Stormarn zugute gekommen sind. Die anderen sechs Lions-Clubs in Stormarn fördern beispielsweise - wie die Großhansdorfer Löwen - die Organisation Target.

Sie wurde von dem Rausdorfer Abenteurer und Menschenrechtler Rüdiger Nehberg gegründet und kämpft gegen die Genitalverstümmelung von Frauen. Die Lions-Aktivitäten im Kreis Stormarn konzentrieren sich auf die Clubs Ahrensburg, Bargteheide, Stormarn/Bad Oldesloe, Hahnheide, Großhansdorf und Lauenburg.

Insgesamt gibt es in Deutschland 1500 Clubs. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 65 Jahren. Weshalb Deutschland-Chef Heinz-Joachim Kersting eine "gewisse Überalterung" einräumt.

"Bei den Lions in Stormarn", sagt Anne-Marie van Oosterum, "gibt es tatsächlich viele älteren Herren. Unser Frauenclub dagegen sorgt mehr für frischen Wind." Das Ziel der Löwinnen: Dass es eines Tages noch mehr Lions-Damen in Norddeutschland gibt.