Ahrensburg

Ahrensburgs Kinderstadt ist international

Zum ersten Mal werden die Bewohner des Demokratie-Camps von Betreuern aus aller Welt unterstützt. Das Abendblatt berichtet von Montag an täglich

Ahrensburg. Auf dem Schulhof stehen Feldküche und Internetcafé, auf dem angrenzenden Sportplatz sind Zelte aufgebaut worden. Das Gelände der Grundschule am Schloss in Ahrensburg wird ab diesem Sonntag für eine Woche zu Stormarns 56. Gemeinde: 240 Kinder beziehen in Stormini Quartier, um bei dem Planspiel zu erfahren, wie Demokratie, Arbeitsmarkt und Geldverkehr funktionieren.

Zum sechsten Mal organisiert der Kreisjugendring das Projekt, bei dem neun bis 13 Jahre alte Jungen und Mädchen aus Stormarn die Macht über ihre eigene Stadt an sich nehmen. Die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn wird ab Montag täglich in der Zeitung und online aus Stormini berichten.

Während der kommenden Tage wählen die Kinder einen Bürgermeister und treffen im Parlament eigenständig Entscheidungen. Wichtiger Bestandteil der Kinderstadt ist zudem die tägliche Arbeit. Unternehmen aus der Region beteiligen sich an dem Projekt und bieten Arbeitsplätze an. Das Geld, das die Kinder bei ihren Jobs verdienen, wird ihnen in "Stormis" ausgezahlt, einer der Kinderstadt eigenen Währung.

Die Bewohner Storminis werden bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützt von nahezu 200 Betreuern. Die meisten der Helfer sind Jugendliche, viele von ihnen haben in den Anfangsjahren selbst als Kind an dem Projekt teilgenommen.

In diesem Jahr wird Stormini zum ersten Mal international. Das Planspiel steht 2013 unter dem Motto "Interkulturelles Lernen". Neun Betreuer aus Frankreich, Mexiko, Tschechien, Spanien, Russland und der Türkei gehören zu dem Team, das sich um die Kinder kümmert. Die Herausforderung: Sie sprechen kaum oder gar kein Deutsch, Kinder und Betreuer müssen sich auf Englisch verständigen - notfalls mit Händen und Füßen.

Das sogenannte Internationale Workcamp wird von der Organisation Service Civil International (SCI) abgewickelt. Die Teilnehmer werden die Mitarbeiter in Stormini in den Bereichen Logistik, Arbeit und Freizeit unterstützen. "Mein Ziel ist es, den Kindern Zusammenhänge und Abläufe des täglichen Lebens nahezubringen", sagt Gabriela. Die 22 Jahre alte Mexikanerin hat auch in ihrer Heimat schon mit Kindern gearbeitet. Die seien allerdings höchstens sechs Jahre alt gewesen. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Arbeit mit den älteren Kindern eine Herausforderung wird, weil sie wahrscheinlich eher an den Gewohnheiten festhalten möchten, die sie von zu Hause kennen", sagt Gabriela.

Anne-Marie ist die älteste der ausländischen Betreuer. Die 46-Jährige arbeitet in Frankreich als Übersetzerin. "Ich freue mich darauf, das Team zu unterstützen und die anderen Mitarbeiter und natürlich die Kinder kennenzulernen. Stormini bietet dafür ein besonderes Forum", sagt Anne-Marie.

Die ausländischen Gäste sind bereits am Dienstag angereist. Die vergangenen Tage verbrachten sie im Jugendgästehaus in Lütjensee. Dort besuchte sie Stormini-Koordinator Ansgar Büter-Menke, um Sinn und Zweck des Planspiels und des Kreisjugendrings zu erläutern. Büter-Menke, der die Kinderstadt auch in den vergangenen Jahren betreut hat, freut sich darauf, dass es nach einer langen Planungsphase nun endlich losgehen kann. "Erst einmal möchten wir einen guten Start am Sonntag hinlegen. Uns ist es besonders wichtig, dass sich alle Kinder und natürlich auch die Betreuer von Anfang an wohlfühlen", sagt Büter-Menke. Deshalb werde er beim Einzug in die Kinderstadt an diesem Sonntag erst einmal ausführlich alle Fragen beantworten.

Im vergangenen Jahr lautete das Schwerpunkt-Thema in Stormini "Inklusion". Daran möchte der Kreisjugendring auch dieses Mal anknüpfen: Zehn bis 15 Prozent der Kinder haben nach Angaben des Koordinators Büter-Menke erhöhten Förderbedarf in verschiedenen Bereichen. Unter ihnen sind Jungen und Mädchen, die aus sozial benachteiligten Familien stammen, aber auch Rollstuhlfahrer und Kinder mit Downsyndrom. Teil des Inklusions-Themas ist auch eine Partnerschaft mit dem Ahrensburger Förderzentrum Woldenhorn-Schule.

Zwei Drittel der Betreuer arbeiten in diesem Jahr zum ersten Mal bei Stormini. "Außerdem ist das Gelände der Grundschule für uns neues Terrain, und wir bieten Jobs an, die es in den vergangenen Jahren noch nicht in Stormini gab", sagt Büter-Menke. "Das wird schon eine Herausforderung."

Gerade auf solche Herausforderungen freut sich Pablo, 19. Der Spanier nimmt ebenfalls an dem Workcamp des SCI teil. "Es wird sicherlich spannend, in diesem ganz anderen Umfeld mit den Kindern zu arbeiten. Ich bin offen dafür, neue Wege zu finden, Probleme zu lösen", sagt der Student aus Valencia.

Nach ihrem Einzug werden die Kinder am Sonntagabend von Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach begrüßt. Im Anschluss wird erst einmal gebührend gefeiert: Dafür studieren Kinder und Betreuer den Stormini-Song samt dazugehörigem Tanz ein.