Schleswig-Holstein

Stormarn sucht einen neuen Tourismus-Chef

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Claas Greite

Der Kreis will dazu eine eigene Gesellschaft gründen. Künftig wird mehr Geld für das Tourismus-Marketing bereitstehen. Kultur wird einen größeren Stellenwert bekommen.

Bad Oldesloe. Das Stormarner Tourismus-Management steht vor großen Veränderungen. Aller Voraussicht nach wird der Kreis noch in diesem Sommer eine eigene Gesellschaft zu diesem Zweck gründen, die "Kultur- und Tourismusmarketing Stormarn GmbH". Sie soll zum Januar 2014 ihre Arbeit beginnen. Die wichtigsten Veränderungen: Künftig wird mehr Geld für das Tourismus-Marketing bereitstehen, also für Auftritte auf Messen, Werbung im Internet sowie mit Flyern und Broschüren. Außerdem wird die Kultur einen größeren Stellenwert bekommen. Nicht zuletzt wird der Bereich wohl eine neue Führung bekommen. Denn Anja Schütz, die sich bisher um diesen Bereich kümmert, wird diese Funktion nach dem derzeitigen Stand der Dinge nicht mehr ausüben können. Über die personelle Besetzung der GmbH wird am Mittwochabend beraten.

Der Grund für all die Veränderungen ist, dass die Finanzierung des Bereichs komplett neu organisiert werden muss. Der Kreis hatte Anfang 2011 das Projekt Tourismusmanagement Stormarn (TMS) ins Leben gerufen, jährlich standen 75.000 Euro zur Verfügung. Rund 40.000 Euro konnten aus Mitteln des EU-Programms Leader+ finanziert werden, das auf drei Jahre angelegt war. Der Kreis hatte die Neumünsteraner Marketingfirma Markt und Trend mit der Umsetzung des TMS-Projekts beauftragt - in der Konsequenz bedeutete das, dass sich die Markt-und-Trend-Mitarbeiterin Anja Schütz darum kümmerte, Stormarn als Tourismus-Region zu vermarkten. Sie rief unter anderem die Webseite www.tourismus-stormarn.de ins Leben, auf der zum Beispiel Tipps für Tagestouristen zu finden sind.

Jetzt läuft das EU-Programm aus, ein Ersatz ist laut Klaus Kucinski, Leiter des Bereichs Bau, Umwelt und Verkehr in der Kreisverwaltung, nicht in Sicht. Die neue GmbH soll das bisherige TMS-Projekt ersetzen - das haben die Mitglieder des Wirtschafts- Planungs- und Bauausschusses kürzlich einstimmig beschlossen. Die endgültige Entscheidung obliegt dem Kreistag, er soll auf seiner konstituierenden Sitzung am Freitag, 21. Juni, entscheiden.

Der Plan sieht vor, dass der Kreis und die Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn für die sogenannte Mindesteinlage aufkommen, die für die Gründung einer GmbH notwendig ist. Der Kreis soll 15.000 Euro bezahlen, die Stiftung 10.000. Die Stiftung wäre demnach Minderheits-Gesellschafter. Die Grundbetriebskosten werden jährlich mit 100.000 Euro beziffert, sie sollen aus dem Haushalt des Kreises kommen. Mit der Beteiligung der Stiftung würde das Tourismus-Management "auf ein breiteres Fundament gestellt", sagt der Ausschussvorsitzende Detlev Hinselmann (CDU). Die Kultur als Standortfaktor könne stärker betont werden.

Teil des Konzepts ist es auch, dass die Kreiskulturreferentin Tanja Lütje stärker in die Tourismus-Werbung eingebunden wird. Sie sieht Chancen, dass beide Bereiche profitieren: "Wir könnten beim Tagestourismus stärker auf kulturelle Höhepunkte hinweisen. Möglich wäre zum Beispiel, für spezielle Kulturveranstaltungen auch Tipps für Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten." Denkbar wäre etwa, dass die Galerie im Ahrensburger Marstall mit der neuen Tourismus GmbH zusammenarbeitet.

Völlig offen ist, wer die neue Gesellschaft leiten wird. Laut Klaus Kucinski soll in der GmbH zunächst nur ein Posten besetzt werden, der des Geschäftsführers. Der neue Chef würde faktisch der Nachfolger von Anja Schütz werden. Sie war gestern telefonisch nicht erreichbar, Klaus Kucinski und Detlev Hinselmann wollten sich über mögliche Personalien nicht äußern. Um diese geht es aber schon am heutigen Mittwochabend, im nicht öffentlichen Teil der Sitzung des zuständigen Ausschusses. Dann soll es, so Klaus Kucinski, auch um die "Standort-Frage" gehen. Bisher ist das Tourismus-Management in einem Büro in Ahrensburg (Beimoorkamp 6) ansässig. Fraglich ist, ob das in der neuen Struktur so bleibt.

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