Kommentar

Ein Zeichen in beide Richtungen

Mit dem Deutschen Schulpreis soll nicht die am besten ausgestattete Schule ausgezeichnet werden.

Er soll an eine Schule gehen, die auch unter ungewöhnlichen, ja ungünstigen Bedingungen hervorragende Leistungen erbringt und somit beispielgebend ist. Insofern hat ihn die Anne-Frank-Schule sicherlich verdient, hatte sie doch insbesondere in ihren Anfangsjahren schwer um Anerkennung und Unterrichtsräume zu kämpfen.

Sie zeichnet sich nach dem Urteil der Jury auch durch die anderen Kriterien aus: Die Leistung der Schüler muss stimmen, auch die Qualität des Unterrichts, es sollen aber zudem Verantwortung und der Umgang mit Vielfalt vermittelt werden. Schulleben und Schule sollen eine lernende Institution sein. Die Verleihung stärkt reformerische Ansätze in der aktuellen Diskussion um das deutsche Bildungssystem. Sie ist ein Zeichen für die Abkehr vom dreigliedrigen Modell mit Sitzenbleiben.

Zugleich setzt die Schule selbst auch ein Zeichen in Richtung Wirtschaft. Nicht nur Lehrer beurteilen die Stärken der Schüler, sondern auch Arbeitnehmer aus privaten Unternehmen. Die Anne-Frank-Schule bietet zudem Firmenpraktika und eine Jobmesse. Dieser praxisorientierte Bezug in die eher konservativ geprägte Wirtschaftswelt mag auch auf der Seite derer, die sich gegen Reformen sperren, aufhorchen lassen. Und zu einer unverkrampften Diskussion über das Bildungssystem beitragen.