Leitartikel

Es geht uns an

| Lesedauer: 3 Minuten
Hinnerk Blombach

Wichtig ist, was vor der Haustür passiert. Bei der Kommunalwahl werden dafür die Weichen gestellt

Als im März 2011 die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima passierte, war dieses Ereignis natürlich auch Gesprächsthema Nummer eins bei Stormarner Familien, auf Stormarner Veranstaltungen, in Stormarner Einkaufsstraßen. Wie wohl fast überall auf dieser Welt. Und doch sagte uns damals ein Leser, der als Blattkritiker zu Gast in der Redaktion war, dass ihn die Straßensperrung und die damit einhergehende Parkplatznot rund um den örtlichen Wochenmarkt irgendwie mehr betreffe. Ihm näher sei.

Ist dieser Leser nun ein eigensinniger Ignorant, der nur seine ganz persönlichen Probleme betrachtet? Nein, ist er nicht. Denn seine Aussage ist keine Herabwertung des einen, sondern vielmehr eine Hervorhebung des anderen Ereignisses. Es zeigt eindrucksvoll die Wichtigkeit von lokalen Zuständen, Problemen oder Vorgängen.

Wichtig ist, was vor unserer Tür passiert. Wir sehen und spüren es täglich als erstes, wenn wir das Haus verlassen. Wir ärgern uns, wir freuen uns darüber. Wir diskutieren mit Freunden und Nachbarn über die irrsinnige Ampelschaltung an unserer Kreuzung, über das geplante Bauvorhaben gegenüber, über das mangelhafte Einzelhandelsangebot in unserer Stadt oder Gemeinde. Und natürlich über Parkplätze. Es geht uns eben an.

Vieles von dem, was uns täglich beschäftigt, liegt in der Entscheidungsgewalt der Kommunalpolitik. Stormarn hat an diesem Wochenende die Möglichkeit, die Weichen zu stellen. Die Bürger sind aufgerufen, über die Zusammensetzung des Kreistags sowie der Stadt- und Gemeindevertretungen zu entscheiden. Sie können mitentscheiden, wer künftig ihre ganz persönlichen Interessen vertritt. Diese Möglichkeit, die häufig und mit guten Argumenten als vornehmstes Recht der Demokratie bezeichnet wird, ist in gewisser Weise auch eine Pflicht, die wir wahrnehmen sollten.

Jeder kann sich eine Meinung bilden. Jeder kann manches gut und vieles schlecht finden. Oder umgekehrt. Und jeder kann seine Meinung im Rahmen der Gesetze auch öffentlich äußern. Auch das gehört zum politischen Willensbildungsprozess, selbst wenn es manchmal schwer erträglich erscheint.

Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, die Zeit oder auch die Lust, sich ehrenamtlich als gewählter Volksvertreter für die Belange der Allgemeinheit zu engagieren. Umso mehr haben die Kommunalpolitiker, die sich häufig mit großem persönlichen Engagement für diese Sache stark machen, unseren Respekt verdient. Sie haben es verdient, dass sie für ihre Tätigkeit Anerkennung aber auch Kritik bekommen. Davon lebt unsere Demokratie.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben es an diesem Sonntag in der Hand. Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch. Gehen Sie zur Kommunalwahl und entscheiden Sie mit über die Gestaltung unseres engsten Lebensumfeldes. Über das, was uns täglich betrifft. Denn es geht uns an.

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